Wirtschaftsmotor Beratung? Smarter Service Talk mit KPMG Partner Henning Bauwe

Wirtschaftsmotor Beratung? Smarter Service Talk mit KPMG Partner Henning Bauwe

Seit 1. Oktober hält die digitale Transformation auch in der Beratungsbranche Einzug. Atlas heißt die neue Online-Plattform von KPMG, die Unternehmen bei der digitalen Transformation unterstützen soll. Welche Bedeutung Atlas für die Wirtschaft und für die Beratungsbranche hat, erläutert Henning Bauwe im Smarter Service Talk.

Herr Bauwe, ist mit Atlas die digitale Transformation auch in der Beratung angekommen?

Wirtschaftsmotor Beratung? Smarter Service Talk mit KPMG Partner Henning Bauwe Angekommen klingt, als ob es ein Ziel am Ende einer Strecke gäbe. In Wirklichkeit befinden wir uns am Beginn einer neuen Ära, die vor allem für unsere Kunden völlig neue Dimensionen eröffnet. Tatsächlich erfinden wir uns mit der digitalen Beratung ein Stück weit neu. Die Beratung wird ihrer eigentlichen Bestimmung der qualifizierten strategischen Begleitung von Veränderungs- und Optimierungsprozessen zukünftig noch besser gerecht. Sie wird durch intelligente Systeme unterstützt und hilft, digitale Geschäftsmodelle schneller auf den Weg zu bringen.

Atlas ist ein Portal, über das Kunden den gesamten Wissenskosmos der KPMG zur Digitalisierung von Geschäftsmodellen komprimiert abrufen und sehr gezielt selektieren können. Und nicht nur das: Die Plattform basiert auf einer technischen Infrastruktur, die komplexe Prozesse der Analyse und Recherche vereinfacht, automatisiert und auf ein noch höheres Niveau bringt. Wissen ist unser Kapital und das stellen wir unseren Kunden so zur Verfügung, dass sie es unabhängig von Zeit und Ort filtern und für geschäftsrelevante Entscheidungen nutzen können: smart, sicher und modular.

Schafft sich die Beratung damit selbst ab?

Im Gegenteil. Mit der Digitalisierung geht die Konvergenz von Themen, Branchen und Märkten einher. Dafür braucht es eine neue Herangehensweise. Die Beratung kann den Kunden auf Basis von Atlas besser dabei unterstützen, seine Wettbewerbsfähigkeit im digitalen Umfeld auf den Prüfstand zu stellen. Was die Digitalisierung in der Beratung verändert, ist die Verarbeitung, Strukturierung und Analyse von Wissen im Hinblick auf konkrete Fragestellungen des Kunden, sei es im z.B. im Bereich von Cyber Security, Data Management oder Industrie 4.0. Unsere Experten unterstützen auf der Basis der Analysen dabei, die richtigen Schlüsse aus diesem Wissen zu ziehen und entsprechende Aktivitäten und Maßnahmen einzuleiten und zu steuern.

Unsere weltweite Befragung von CEOs zeigt, dass die digitale Transformation größere Veränderungen für die Unternehmen bringen wird als alles, was wir in den letzten 50 Jahren erleben konnten (vgl. KPMG CEO Outlook 2016). Gleichzeitig läuft den Unternehmern die Zeit weg, denn es zeichnen sich völlig neue Wettbewerbsszenarien ab: smarte Start-ups machen Traditionsunternehmen ernsthafte Konkurrenz, Branchengrenzen verschwinden, Produktionsschritte, Lieferketten und Kundenerwartung verändern sich in einem kaum nachvollziehbaren Tempo.

Unternehmen, die hier nicht Schritt halten und sich den Entwicklungen der Digitalisierung verschließen, werden sehr schnell abgehängt sein. Als Berater sind wir deshalb gefordert, dem Management zu helfen, durch diese komplexen Prozesse zu navigieren und schneller entscheidungs- und umsetzungsfähig zu sein. Das genau leistet die digitale Beratung über unsere Atlas-Plattform.

Wie kann ein Unternehmen die digitale Beratung für sich nutzen?

Ich erläutere Ihnen das an einem Beispiel: Kernstück der digitalen Beratungsplattform Atlas ist das Assessment-Center. Dahinter verbirgt sich ein Befragungssystem, das es Unternehmen erlaubt, innerhalb weniger Tage z.B. im Hinblick auf Digitalisierung ein objektives Bild über die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu gewinnen und konkrete Handlungsbedarfe zu ermitteln. Die Business Assessments sind eines von derzeit vier Modulen der Plattform, die unterschiedlichen Zugang zu Wissens- und Expertenforen sowie zu Innovations- und Zukunftsszenarien anbietet.

Konkret beleuchten die bereits vorhandenen Business Assessments fünfzehn Themenfelder, die im Kontext von Digitalisierung und Geschäftsmodell Optimierung von höchster Relevanz sind: Cyber Security, Digital Readiness, Procurement bzw. Procurement to Pay Maturity, Data & Analytics, Virtual Reality, Industrie 4.0, Master Data Management, Robotics und Innovation, Cloud Readiness, Compliance Struktur Analyse und Social Media Governance, Closing Excellence sowie Business Modell Optimization.

Um das „Big Picture“ in Sachen Digitalisierung zu erhalten, muss ich also alle Business Assessments durchlaufen?

Nein, je nach Branche und Reifegrad ergeben sich andere Ausgangssituationen für den Digitalisierungsprozess und damit auch ein anderer Fokus auf das Thema. Die Business Assessments sind unabhängig voneinander, so dass jeder selbst entscheiden kann, welchen Themenbereich er vertiefen möchte. Das einzelne Assessment wiederum ist in mehrere Dimensionen unterteil. Der Teilnehmer durchläuft die jeweils hinterlegten Fragen, die auch die Randbereiche des jeweiligen Gebiets anreißen und damit für benachbarte Fragestellungen sensibilisieren. Der Fragenkatalog ist das Ergebnis der umfassenden Erfahrung unserer Beratungsexperten und Zukunftsforscher und deckt die Themen in ihrer ganzen mehrdimensionalen Komplexität ab.

Wer kann an den Business Assessments teilnehmen?

Der Teilnehmerkreis ist völlig frei bestimmbar. Der Kunde selbst entscheidet, an wen er die Einladung zur Teilnahme am Assessment schickt. Das können Mitarbeiter verschiedener Abteilungen und Hierarchieebenen ebenso sein, wie externe Dritte, also Kunden, Geschäftspartner und Lieferanten. Das System verarbeitet die anonymisierten Antworten und bereitet sie auf Basis der neuesten Analysetools in Form von mess- und vergleichbaren Werten auf. Die Ergebnisse der verschiedenen Gruppierungen werden in Echtzeit zur Verfügung gestellt und liefern sofort ein umfassendes Bild der Innen- und Außensicht des Unternehmens. So lassen sich Marktbedarf und Entwicklungspotenziale schneller und sicherer identifizieren.

Was kann macht die Business Assessments auf KPMG Atlas besonders?

Benchmarking auf Knopfdruck über Bereiche, Abteilungen, Unternehmenszweige und externe Stakeholder hinweg – das ist das absolut Einzigartige an unserem System. Das System greift auf eine Datenbank zurück, in der Informationen aus jährlich rund 15.000 Projekten der KPMG einfließen. Diese Informationen werden mit den Antworten aus dem Assessment abgeglichen und einem Marktvergleich unterzogen. Übersetzt heißt das: der Kunde überspringt mehrere Wochen aufwändige und teure Befragungs- und Analyseaufbereitungs-prozesse und kann nach nur wenigen Tagen, Entscheidungen treffen, wie er z.B. den Prozess der Digitalisierung konkret vorantreibt. Das ist nicht nur Zeitgewinn, sondern katapultiert den Kunden auch gegenüber dem Wettbewerb nach vorne. Das Abgleichen von Kundensicht, Mitarbeitersicht und Marktsicht legt Chancen und Risiken frei und stellt strategische Entscheidungen auf eine sichere Basis.

Wirtschaftsmotor Beratung? Wie kann man sich das vorstellen?

Wir wollen unseren Kunden helfen, ihre Potenziale im digitalen Geschäft zu realisieren und damit Wachstum zu generieren. Die Komplexität die durch die Digitalisierung an vielen Stellen entsteht, verunsichert die Kunden. Der Klassiker sind kurzsichtige, abteilungsgetriebene Insellösungen mit erheblichen Sicherheitslücken. Die Angst, Bewährtes aufzugeben und dabei etwas falsch zu machen ist vorherrschend und wird von jungen, smarten Unternehmen genutzt, um auf die Überholspur zu wechseln. Atlas hilft Unternehmen, Sicherheit zu gewinnen und mit überschaubarem Budget- und Zeitaufwand das Projekt Digitalisierung strategisch anzupacken.

Wie viel Arbeit bleibt beim Kunden hängen?

Das ist tatsächlich sehr wenig. Letztendlich muss der Kunde nur Teilnehmerkreis und Gruppen definieren. Der Rest ist systemseitig hinterlegt und wird automatisch gesteuert. Natürlich können wir, wenn der Kunde das wünscht auch unterstützen, aber das ist nicht unser Fokus. Das System ist selbsterklärend und mit zahlreichen Tutorials ausgestattet, so dass sich der Kunde gut alleine zurecht findet.

Wie ist die Sicherheit der Kundendaten gewährleistet?

Konsequenterweise nehmen Sicherheit und Datenschutz den höchsten Stellenwert bei uns ein. Das System unterliegt den strengen Regeln der Wirtschaftsprüfung und berücksichtigt alle Maßgaben an das Risikomanagement.

Vielen Dank für das Gespräch.


Henning Bauwe ist seit April 2015 Partner im Bereich Innovation, Digital Sales und Strategic Growth Initiatives und für den Aufbau der digitalen Beratungsplattform „KPMG Atlas“ und des Business Eco-Systems verantwortlich. Er verfügt über mehr als 15 Jahre Erfahrung in den Bereichen Business Development, Strategie, Innovation und Commercial Management. Vor seiner Tätigkeit bei KPMG war er für namhafte Unternehmen (VW, Thyssenkrupp, RWE, E.ON, Comcast und die Deutsche Telekom) in verschiedenen Management Positionen tätig. In diversen Business Development Projekten hat er industrieübergreifend neue Services und Produkte entwickelt und bei führenden Unternehmen etabliert.

Tags , ,
Bernhard Steimel

Bernhard Steimel ist Inhaber von Mind Digital und begleitet Führungsteams Chancen in den digitalen Zukunftsmärkten frühzeitig zu erkennen und die digitale Transformation erfolgreich zu meistern. Er verfügt über langjährige Erfahrung in der Strategie- und Geschäftsentwicklung und hat in den vergangenen Jahren den technologischen Wandel in Studien-, Innovations- und Marktentwicklungsprojekten begleitet. Durch zahlreiche Publikationen und Vorträge gehört er zu den Vordenkern der digitalen Transformation und der heranbrechenden Serviceökonomie. Bernhard Steimel ist Herausgeber von Smarter-Service.com, Autor des Praxisleitfadens "Digitale Transformation" sowie zahlreicher Trendstudien zu den Zukunftsmärkten der digitalen Wirtschaft.

Verwandte Beiträge

Wer Geschäftsmodellinnovation betreibt, muss am Organisationsmodell arbeiten

Wer Geschäftsmodellinnovation betreibt, muss am Organisationsmodell arbeiten

Wer Geschäftsmodellinnovation betreibt, muss am Organisationsmodell arbeiten

Datengetriebene Geschäftsmodelle: Mit Smart Service neue Wertschöpfungspotenziale erschließen

Die zentrale Bedeutung von Design for Change

Die zentrale Bedeutung von Design for Change

*

*

Top