Netzneutralität: Eine scheinheilige Debatte

von Bernhard Steimel
10. Januar 2011
Vernetzung ändert alles!

Die Debatte über die Netzneutralität wird uns wohl noch einige Zeit beschäftigen. So sieht das auch der Netzpolitik-Blogger Markus Beckedahl. „Bleiben alle Teilnehmer gleichberechtigt oder konsolidieren wir jetzt den Markt und geben den Netzbetreibern viel Macht in die Hand zu entschieden, welche Inhalte künftig wie durch die Netze geleitet werden? Kann in Zukunft noch jeder frei twittern und frei ein Blog betreiben? Viele Beobachter befürchten, dass sich die Struktur des Netzes grundlegend ändern könnte und es zu einer Art Kabelfernsehen degeneriert“, so Beckedahl im Interview mit heute.de.

Eigentlich müsste das viele erschrecken, aber das Bewusstsein ist noch nicht da, obwohl die Platzhirsche heute schon versuchen, ihre Reviere zu sichern und die Konkurrenz vor vollendete Tatsachen zu stellen. „Setzt sich etwa die Telekom mit ihren Forderungen durch, wird sie künftig doppelt kassieren – erstens eine Gebühr vom Internetnutzer und zweitens eine Art Maut oder Datendurchleitungsgebühr von Anwendungs- und Inhaltsanbietern“, meint Beckdahl. Ich bin da anderer Meinung:

Das Aufweichen der Netzneutralität ist im Sinne der Endkunden. Denn das Internet wird immer mehr zum Medium für Echtzeitkommunikation und Bewegtbilder. Wer Video-Clips und Musik konsumiert, will das ruckelfrei tun. Auch geschäftliche Nutzer wollen eine gesicherte Qualität und nicht bei Skype & Co. in der Telefonkonferenz durch abgeschnittene Texte aus dem Konzept gebracht werden.

Die (kosten)freie Internet-Nutzung suggeriert, dass man mit der Entrichtung von Anschlußgebühren auf alle Inhalte in hervorragender Qualität Zugang bekommt. Das wird aber nicht den weiteren Breitbandausbau finanzieren. Insofern finde ich die Debatte scheinheilig.  Die Maut für Inhalte- und Anwendungsanbieter muss kommen. Und die Netzbetreiber sollen das machen, was sie im Namensschild tragen!

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