Der Verlierer-Reflex

von Bernhard Steimel
3. Dezember 2012

Die Serie zum Handelskongress 2012

Was bisher geschah: Der Online-Handel hat mit knapp zehn Prozent die kritische Größe am Einzelhandel erreicht und die Auguren sagen eine Verdopplung des E-Commerce-Anteils bis 2020 voraus. Die Hoffnung der Handelsfürsten ist, dass der stationäre Handel die wirtschaftliche Basis bleibt. Doch das ist Illusion. Und wem wird die Schuld gegeben: Amazon & Co. „Amazon ist der Category-Killer in vielen Branchen.“ Amazon ist das schwarze Loch. Es zieht Materie an! Und die Online-Marktplätze sind die schwarze Materie.

Die Bösen Buben kämpfen mit unfairen Mitteln

Schuld für die missliche Lage des Buchhandels sind auch Amazon & Co.

Sie spielen laut Weltbild-Chef Carel Halff nicht mit fairen Mitteln, weil sie nicht sofort Geld verdienen müssten, mit hoher Finanzkraft ausgestattet seien und so die ganze Branche unter Wasser setzten, um in anderen Branchen Geld zu verdienen.

„Tatsächlich kann man von Büchern viel lernen. Aber alle Einzelhändler müssen ihre Geschäftsmodelle neu erfinden: Buch und Elektronikmärkte gestern, Mode- und Schuhbranche heute, die Möbelbranche in zwei Jahren.“ Statt bisher möglichst große Verkaufsflächen seien technologische Innovationen der Erfolgshebel.(buchreport)

Und er wettert gegen die Wettbewerbsverzerrung bei eBooks aufgrund unterschiedlicher Mehrwertsteuer-Sätze und fordert faire Wettbewerbsbedingungen.

„Die EU subventioniert Amazon, das ist keine Chancengleichheit.“(buchreport)

[youtube http://www.youtube.com/watch?v=xf3NUuyXJAM?rel=0&w=588&h=331]

Da wo hohe Margen zu erzielen sind, kann man als reines Internet-Kaufhaus (Pureplayer) bestehen. Wo die Margen niedrig sind und die Sortimente komplex, gibt es keine Chancen für diese Wettbewerber (Tengelmann).

Was wird den deutschen Einzelhandel retten?

Das Werteversprechen des deutschen Einzelhandels: Kein iPhone unterm Baum!?

Otto-Manager Michael Heller sieht in der Nachhaltigkeitstrategie ein mögliches Differen-
zierungsmerkmal: Fair gehandelte Produkte, faire Behandlung der Mitarbeiter und eine schonende Ressourcennutzung. Und er schlägt ernsthaft vor, den Weihnachtswunschzettel noch einmal zu prüfen:

Kein iPhone unter dem Weihnachtsbaum: Wegen der in Verruf geratenen Herstellungsbedingungen in China sollten die deutschen Verbraucher darauf verzichten, die Hightechprodukte von Apple zu verschenken.

Wie der Sohn, so der Vater

Bei den inhabergeführten Unternehmen sitzt Gott sei Dank die nächste Generation noch mit am Frühstückstisch. Und so kehrt auch bei den alten Stammesfürsten des Handels die Einsicht ein, dass am Online-Handel kein Weg vorbeiführt.

Bei Tengelmann fiel der Groschen, als sein Jüngster ihm vor drei Jahren zu allen Weihnachtsgeschenkwünschen auch direkt den Online-Link zum eShop bereitstellte.

Die junge Wilden treiben den Markt vor sich her

Platzhirsche können sich nicht in Sicherheit wiegen. Wer nicht innovativ bleibt, fällt hinter die jungen Wilden, wie wie Zalando & Co., zurück. Das sieht auch Otto-Bereichsvorstand Heller so:

Denn selbst „die Otto-Gruppe befindet sich angesichts der vielen technologischen Innovationen im Zuhören- und Lernmodus“, verlautbart er und warnt, dass sich angesichts der Dynamik selbst Größen wie „Amazon und Otto nicht mehr in Sicherheit wiegen“ können.


Lesen Sie im nächsten Beitrag zur Serie: „Den Markt beobachten, als letzter an den Start gehen und das Feld von hinten aufrollen.“

5 Kommentare

Warten auf den Online-Tsunami. | Smart Service 3. Dezember 2012 - 10:29

[…] Lesen Sie im nächsten Beitrag zur Serie: “Der Verlierer-Reflex: Die Bösen Buben kämpfen mit unfairen Mitteln.” […]

Antwort
Den Markt beobachten, als Letzter an den Start gehen und das Feld von hinten aufrollen. | Smart Service 11. Dezember 2012 - 10:08

[…] Was bisher geschah: Schuld für die missliche Lage des Buchhandels sind Amazon & Co. Sie spielen laut Weltbild-Chef Halff nicht mit fairen Mitteln. Otto-Manager Heller sieht in der Nachhaltigkeitstrategie ein mögliches Differenzierungsmerkmal für den Einzelhandel und empfiehlt: Kein iPhone unterm Weihnachtsbaum. Aber auch Platzhirsche können sich nicht in Sicherheit wiegen: Wer nicht innovativ bleibt, fällt hinter die jungen Wilden, wie wie Zalando & Co., zurück. […]

Antwort
“Beratungsklau” im stationären Handel? Über das boomende Weihnachtsgeschäft im Netz | Ich sag mal 14. Dezember 2012 - 11:51

[…] “Die Hoffnung der Handelsfürsten ist, dass der stationäre Handel die wirtschaftliche Basis bleibt. Doch das ist Illusion. Und wem wird die Schuld gegeben: Amazon & Co. ‘Amazon ist der Category-Killer in vielen Branchen.’ Amazon ist das Schwarze Loch. Es zieht Materie an! Und die Online-Marktplätze sind die schwarze Materie”, schreibt Steimel in einem Smart Service-Blogpost. […]

Antwort
Den Markt beobachten, als Letzter an den Start gehen und das Feld von hinten aufrollen. | Smarter Service 9. Oktober 2013 - 14:02

[…] Was bisher geschah: Schuld für die missliche Lage des Buchhandels sind Amazon & Co. Sie spielen laut Weltbild-Chef Halff nicht mit fairen Mitteln. Otto-Manager Heller sieht in der Nachhaltigkeitstrategie ein mögliches Differenzierungsmerkmal für den Einzelhandel und empfiehlt: Kein iPhone unterm Weihnachtsbaum. Aber auch Platzhirsche können sich nicht in Sicherheit wiegen: Wer nicht innovativ bleibt, fällt hinter die jungen Wilden, wie wie Zalando & Co., zurück. […]

Antwort
Warten auf den Online-Tsunami. | Smarter Service 9. Oktober 2013 - 14:03

[…] Lesen Sie im nächsten Beitrag zur Serie: “Der Verlierer-Reflex: Die Bösen Buben kämpfen mit unfairen Mitteln.” […]

Antwort

Schreiben Sie einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .

Ähnliche Beiträge

Newsletter
Regelmäßig Impulse für die Gestaltung
digitaler Produkte und Services. Jetzt anmelden!