Ratschläge für CIOs und Kanzlerin Merkel

von Gunnar Sohn
4. Dezember 2012
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Udo Nadolski, Geschäftsführer vom IT-Beratungshaus Harvey Nash in Düsseldorf, hat recht kompakt die digitale Agenda für CIOs auf den Punkt gebracht: Ob es um intelligente Energienetze, Gesundheits-Apps für Smartphones oder das elektrobetriebene Auto mit Internetanschluss geht: In der aktuellen CIO-Umfrage von Harvey Nash, die weltweit durchgeführt wurde, stehen die Vernetzungseffekte, die sich auf alle Geschäfts- und Lebensbereiche auswirken, ganz oben auf der Tagesordnung der IT-Führungskräfte.

„In dieser Digitalisierungswelle liegen enorme Wachstumschancen. Und es ist die Basis für die Entwicklung der gesamten deutschen Wirtschaft in den nächsten Jahren. Doch bis es soweit ist, gibt es noch eine ganze Reihe von Hürden zu beseitigen. Die Branche für Informations- und Kommunikationstechnologie sollte auf die Klärung wichtiger Themen drängen, wie etwa Smart Grid, dem flächendeckenden Breitbandausbau oder einer vernünftigen Position zur Netzneutralität. Überspitzt gesagt: Auch wenn Deutschland häufig als Technologie-Vorreiter gilt, muss es im internationalen Wettbewerb aufpassen, dass es nicht zum Entwicklungsland mutiert. Fortschritt braucht die entsprechende Infrastruktur, damit er nicht abgewürgt wird“, schreibt Nadolski in seinem Blogpost.

Der Erfolg des Automobils in den vergangenen 100 Jahren wäre ohne eine funktionierende Infrastruktur bestehend aus Straßen, Tankstellen, oder Werkstätten nicht denkbar gewesen. „In gleicher Weise ist die Digitalisierung abhängig von einer leistungsfähigen Kommunikations-Infrastruktur, gehosteten Services in der Cloud, und intelligenten Endgeräten, Häusern, Autos und weiteren Anwendungsfeldern“, so Nadolski.

Ein konkretes Beispiel seien Smartphones, die sich derzeit zu smarten Gesundheits-Assistenten entwickeln. Vom Blutdruck bis zum Herzschlag könne alles überwacht werden – zumindest in der Theorie.

„Doch sind die tragbaren Geräte für einen professionellen Einsatz auch zuverlässig genug? Wenn Smartphones kontinuierlich lebenswichtige Datenpakete übermitteln, brauchen Mediziner ein extrem stabiles Netz und keine hakende Verbindung zum Internet – also Hochverfügbarkeit und Ausfallsicherheit. Carrier Grade, aus der Telekommunikation jedem Experten bekannt, ist auch für die Online-Welt ein wichtiges Thema“, schreibt der Harvey Nash-Chef.

Ältere Bürger, die es aufgrund des demografischen Wandels immer mehr geben wird, könnten mit solchen Lösungen länger zu Hause leben, was sowohl die Lebensqualität steigert als auch allgemeine Gesundheitskosten senkt:

„So beeinflusst die technologische Infrastruktur die Entwicklung sehr vieler Sektoren. Zukunftsprojekte wie digitale Medien und soziale Netzwerke dominieren derzeitig die Innovationsprojekte der CIOs, so das Ergebnis unserer Befragung. Sie sind nicht mehr als Verwalter der IT gefragt, sondern als Gestalter für das Kerngeschäft der Firmen“, erklärt Nadolski. Siehe auch: Mein Doktor – mein Smartphone.

Innovative IT-Führungskräfte seien die Möglichmacher des digitalen Wandels und geben sich nicht damit zufrieden, ihre Organisationen auf Kosteneffizienz zu trimmen.

„Einige Jahre zuvor sind CIOs nur damit beauftragt worden, das vorhandene technologische Rüstzeug zu optimieren und die IT als Dienstleistung so günstig wie möglich bereitzustellen. Für den Arbeitsalltag der IT-Führungskräfte werden soziale Medien und der Einsatz von mobilen Geräten einige Änderungen mit sich bringen“, meint Nadolski.

Jedes Verbot von Facebook, Twitter oder Youtube am Arbeitsplatz gehe durch die Autarkie bei der Nutzung der eigenen mobilen Geräte zunehmend ins Leere. Recht hat er. Das dokumentierte sehr eindrucksvoll talkabout-Geschäftsführer Mirko Lange beim Social Media Breakfast in München mit einem Einspieler. Es geht um das Statement von Professor Peter Kruse bei einer Bundestagsanhörung der Enquetekommission „Internet und digitale Gesellschaft“.

Kruse sprach von der Machtverschiebung vom Anbieter zum Nachfrager, die mit der Systemarchitektur zusammenhängt. Das Internet habe ja schon die Vernetzungsdichte extrem nach oben gejagt. Mit dem Social Web ist noch etwas dazu gekommen. Ein deutlicher Anstieg der unberechenbaren Spontanaktivität und kreisende Erregungen im Netzwerk etwa über Retweets auf Twitter. „Die Systeme werden mächtig, ohne vorhersagen zu können, wo das Ganze passiert“, so Kruse. Und an die Adresse von Bundeskanzlerin Angela Merkel richtet IT-Fachmann Nadolski folgenden Rat:

„Nach meiner Auffassung muss man die Kraft der Ideen und die Stärken der Forschungslandschaft besser vermarkten. Weitere SAPs zu schaffen, ist sicherlich kein einfaches Unterfangen. Aber was mir zuvorderst hier einfällt, wäre eine sehr pragmatische und unbürokratische Innovationsförderung. Es mangelt in Deutschland un Europa nicht an Ideen. Es fehlt uns die Kraft, diese Ideen umzusetzen. Das bedeutet Innovationsförderung und Kapital sowie eine gezielte Unterstützung von kleinen Organisationen. Die meisten Startups scheitern an simplen Managementfehlern. Viele Gründer sind mit ausreichend Kapital ausgestattet worden, konnten damit aber nicht richtig umgehen.“

Es gehe also nicht nur um eine monetäre Unterstützung, sondern auch um eine fachlich-inhaltliche Beratung. Zudem müssen wir uns als Gesellschaft wieder in eine Aufbruchstimmung versetzen, wenn es um die digitale Zukunft des Landes geht. Es dominiere eine latente Unzufriedenheit. Das sollte sich ändern.

Die Paneldiskussion beim Social Media Breakfast wurde von mir moderiert. Regie für die Liveübertragung ins Netz lag bei Hannes Schleeh. War sozusagen die Premiere für die virtuellen CIO-Gespräche, die wir nun regelmäßig organisieren wollen. Wer daran Interesse hat, sollte sich bei mir oder Hannes melden.

Hier die komplette Übertragung aus München:

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Dieser Beitrag ist zuerst erschienen auf Neue Nachricht.

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