Service Design ist immer social - Smarter Service Talk mit Daniel Backhaus

Steve Ballmer, der Antichrist der Einfachheit, ist ein weiser Mann.

von Bernhard Steimel 1. Februar 2013

Ein Beitrag von Ian Leslie in der aktuellen Ausgabe der GEO erhitzt die Usability-Gemüter.

Die Autoren von Usability in Germany griffen das Thema auf und fragten: „Hemmt Benutzerfreundlichkeit die Kreativität? Und führt Usability letztendlich etwa zu Langeweile?“

Eine These, die auch uns auf den Plan ruft.

Hindernisse stimulieren unseren Denkprozess. Dies belegen eine Reihe von Studien. So fanden z.B. Psychologen der Princeton Universität heraus, dass Studenten Inhalte besser behielten, wenn sie diese aus Unterlagen lernten, die in hässlichen Schrifttypen gedruckt waren (!).

Ian Leslie plädiert somit für weniger einfache Herangehensweisen und für mehr über Stock und Stein auf Irrungen und Wirrungen erreichte kreative Lösungen. Die Verfechter nutzerfreundlicher Applikationen sehen sich in der Folge mit unangenehmen Fragen konfrontiert: (1) Ist die Konzentration auf Software-Usability doch nicht so zielführend wie gedacht? (2) Führt der Einsatz nutzerfreundlicher Anwendungen zu wenig kreativen Ergebnissen (3) Und wird die Nutzung dieser Applikationen nach einer Zeit langweilig?, so die Autoren.

Folglich ist dann auch Steve Ballmer ein weiser Mann. Denn eines ist Gewiss: Die Office-Produkte von Microsoft führen Millionen von Nutzern über Stock und Stein auf Irrungen und Wirrungen!

Für mich ist er der Antichrist der Einfachheit. Seine Produkte demonstrieren, was passiert wenn UI-Designer erst dann dazu geholt werden, wenn das von Software-Ingenieuren entwickelte Produkt schon steht.

Was für ein grandioser Quatsch zu glauben, dass Hindernisse uns in neue Höhen emporführen. Tatsächlich ist es so, dass die meisten Leute entnervt aufgeben, wenn sie vor Hürden laufen. Das passiert bei schlecht designten Online-Shops, wo Millionen von Warenkörben am Schalter stehen bleiben. Gleiches passiert bei komplizierten Smartphones, die einfach mit der Begründung „funktioniert nicht“ zurückgeschickt werden, obwohl sie voll funktionstüchtig sind.

Das Studenten-Beispiel erklärt sich leicht: Sie müssen mit den Unterlagen arbeiten! Und so geht es Millionen von Office-Arbeitern. Sie sind gezwungen mit Microsoft-Office zu arbeiten, um ihre Brötchen zu verdienen.

5 Kommentare

Anton 1. Februar 2013 at 15:23

Wie kommt man nur zu so einer beschränkten Aussage?!
Nutzerunfreundliche Bedienung führt zu besseren Leistungen, so ein Quatsch!
Ich kann hier nur immer wieder auf das UI von IOS verweisen und die Tatsache, dass sogar mein 4 jähriger Sohn ganz schnell damit zurecht komm, im Gegensatz zu anderen OS Typen.

Einfachheit und Intuitivität steigern die Produktivität und verhindert Doppeldeutigkeiten, die wiederum zu falschen Ergebnisse führen.

btw Steve Balmer hat bisher ziemlich vieles nicht verstanden, von daher wundert es nicht, dass er so entwickeln lässt wie der das tut 🙂

Cheers
Anton

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gsohn 1. Februar 2013 at 15:53

Es kommt ja auch immer darauf an, mit was man sich privat und beruflich beschäftigt. Natürlich ist es so, dass man möglichst Hindernissen nicht aus dem Weg gehen sollte, nicht immer das Unangenehme wegschieben kann. Aber bei den Hilfsmitteln, die für mich immer nur Mittel zum Zweck sind, ist diese Sichtweise idiotisch. Warum soll ich mich mit idiotischen Menüführungen herumschlagen, wenn ich gerade eine schwierige Recherche zum Schreiben meiner nächsten Kolumne bewältigen muss? Oder auf der Suche nach einem Restaurant bin? Oder vom Tablet etwas auf den Fernsehbildschirm übertragen möchte, um vielleicht eine sozialkritische und sehr komplizierte Doku mir anzuschauen? Technik darf nicht Selbstzweck werden. Zudem ist die Einfachheit beim Bedienen technischer Geräte die Königsdiszplin der Designer. Nichts ist so schwierig, wie komplizierte Technik nach den Bauhausprinzipien zu gestalten. Hier zelebriert Microsoft eine höchst durchsichtige Ausrede als Rechtfertigung für ihre grottenschlechten Programme.

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Bernhard Steimel 1. Februar 2013 at 17:18

sehe ich genauso. außerdem ist die Welt schon kompliziert genug. Wer braucht da noch Produkte, die einem das Leben schwer machen. Wir suchen smarter Services, die das Prinzip der Einfachheit als Gestaltungsprinzip nutzen!

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Macht Einfachheit doof? | Ich sag mal 1. Februar 2013 at 18:37

[…] Wenn die monokausalen Neuro-Ausflüge von Ian Leslie zutreffen, mit denen ich mich in meiner Mittwochskolumne für das Debattenmagazin “The European” etwas ausführlicher beschäftigen werde, dann müsste Steve Balmer ein weiser Mann sein, folgert Smart Service-Blogger Bernhard Steimel. […]

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gsohn 1. Februar 2013 at 18:52

Reblogged this on Vernetzt Euch!.

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