SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall

SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall

von Manja Baudis 16. Mai 2013

SoLoMo: Wächst zusammen, was zusammengehört?

„Alle neuen interessanten Apps werden eine Kombination von Social, Local und Mobile sein.“

Das verlautbarte Eric Schmidt, Chairman von Google, im Dezember 2011 auf der „Le Web“ in Paris. Und Anfang dieses Jahres fragte sich das Magazin Wired: „Ist 2013 das Jahr von SoLoMo?“.

Gute Frage. Auch Fritz Reust, Mobile Marketing Experte und Geschäftsführer von smama ist sich sicher, „dass das Zusammengehen von Social Media und Local für und mit Mobile allergrösste Bedeutung hat. Nicht in Zukunft, sondern jetzt.“

Was ist wirklich dran am Dreigestirn „Social“, „Local“ und „Mobile“? Ist alles nur ein Hype mit passendem Buzzword oder verfolgen wir gerade DIE revolutionäre Veränderung der Internetnutzung?

Worum geht’s?

Es geht um die Kombination aus Social Media, lokalen Angeboten und mobilem Internet. Das „Social“ im schicken Akronym bezieht sich auf die offene Kommunikation und Interaktion wie man sie von sozialen Netzwerken, Video- und Foto-Portalen, Blogs oder Foren kennt. Es geht also um Austausch, Bewertungen, Tipps, ums Teilen, Kommentieren, Liken.

Bei „Local“ geht es um den örtlichen Bezug, um den aktuellen Standort des Nutzers, lokale Suche, Location Based Services usw. Und die sind in erster Linie für den mobilen Nutzer relevant – die Komponente „Mobile“. Über das mobile Endgerät lässt sich ermitteln, wo er sich aktuell aufhält und damit lässt sich so einiges anfangen: Hotels, Clubs, Bankautomaten, Wohnungen oder Freunde in näherer Umgebung lassen sich dann suchen und finden.

Neu ist das ganze nicht. Und auch die einzelnen Komponenten gehören für viele mittlerweile zum Alltag. Aber: Die sinnvolle Verzahnung der drei Komponenten macht’s: Miteinander – jederzeit – an jedem Ort!

„Die jüngsten technischen Entwicklungen ermöglichen es, Online- und Offline-Welt zu verbinden und den Alltag der Menschen digital abzubilden. Die Konsequenz: Die Online-Welt verschiebt sich zunehmend in Richtung Augmented Reality, einer digitalen Erweiterung der Realität“, schreibt Anne-Katrin Meisel von dot.Source.

SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall.

Wie sieht SoLoMo in action aus?

DAS SoLoMo-Vorzeigeprojekt ist Foursquare – eine kostenfreie App, mit der sich „das meiste aus der unmittelbaren Umgebung machen lässt“. Wikipedia beschreibt es so: „Foursquare ist ein standortbezogenes (Lo) soziales Netzwerk (So), welches hauptsächlich durch Software für Mobiltelefone und Smartphones (Mo) funktioniert.“

Per Foursquare kann man sich als registrierter Benutzer mit Freunden verbinden und seinen aktuellen Standort bekanntgeben. Für solche „Check-Ins“ werden Punkte vergeben. Wer die meisten Check-Ins an einem Standort hat, wird dessen Bürgermeister (Mayor). Neben diesen Belohnungsmechanismen bietet Foursquare die Möglichkeit, Tipps und Empfehlungen abzugeben bzw. personalisierte Angebote und Empfehlungen zu nutzen.

SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall.

Location-based Services wie Foursquare sprießen derzeit wie Pilze aus dem Boden und bringen SoLoMo damit erst richtig in Schwung. Angefangen hat das Ganze mit Diensten und Apps zur Navigation. Mittlerweile gibt es zahlreiche standortbezogene Services mit den unterschiedlichsten Angeboten: Nummer eins bei den Bewertungsportalen ist wohl Yelp. Und im Bereich Couponing hat sich Groupon recht gut positioniert. Diese Dienste können – wie auch Facebook und Google – auf eine breite Nutzerbasis zurückgreifen, die anderen, kleineren Playern allerdings (noch) fehlt.

Zahlen, Daten, Fakten

Längst haben Konsumenten den Online-Einkauf akzeptiert. Sie nutzen das Social Web zur Kaufberatung oder Produktsuche und Produktempfehlungen im Internet zu veröffentlichen, entwickelt sich zum Volkssport. Und das nicht nur von der Couch aus, sondern auch von unterwegs.

Die Zahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland steigt stetig und liegt inzwischen bei rund 31 Millionen:
79 Prozent davon verwenden ihr Mobiltelefon als Entscheidungshilfe beim Einkaufen.
35 Prozent haben schon mithilfe ihres Handys Produkte und Dienstleistungen erworben.
28 Prozent nehmen ihr Handy gezielt zum Einkaufen mit, um Preise online zu vergleichen.
69 Prozent nutzen Location-based Services. (Quelle: Praxisleitfaden Social Commerce)

Lokale Angebote liegen im Trend. Das zeigen auch die Zahlen einer neuen Studie, die die Goldmedia GmbH im Auftrag der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien realisierte. Danach gab es in Deutschland Ende 2012 181 Anbieter von Location-based Services. Das Angebotsspektrum ist groß und reicht von Apps zu Carsharing und Taxi-Ruf, über Gastronomie und Tourismus bis hin zu Augmented Reality und Couponing. Der Bereich der Social Apps ist mit einem Anteil von 12 Prozent allerdings am größten.

SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall.

Beliebt und besonders – weil schon in Richtung Augmented Reality weisend – ist unter all diesen Anwendungen die Immonet-App, mit der die „Immobiliensuche zum Spaziergang“ wird. Mit der App braucht man am aktuellen Standort nur die Häuser-Fassaden zu scannen und bekommt auf dem Display angezeigt, welche Immobilien dort und im Umkreis gemietet oder gekauft werden können. Zudem hat man Zugriff auf Exposé, Fotos und den Kontakt zum Makler.

Wie können lokale Geschäfte, Restaurants oder Kultureinrichtungen davon profitieren?

„Der lokale Handel kommt wieder in Mode und stand seit 50 Jahren nicht mehr so hoch im Kurs! Er verspricht ein nahes und unmittelbares Kundenerlebnis und vereint das virtuelle und das tatsächliche Leben. Auf einer Webseite, auf die weltweit zugegriffen werden kann, finden Sie nun Werbeangebote für Ihre Bäckerei um die Ecke“, so Quentin Audrain in seinen E-Commerce Tipps.

Per SoLoMo und der entsprechenden Technologie lassen sich Online-Inhalte in einen direkten Bezug zur Offline-Welt setzen und Offline-Inhalte digital mit Informationen anreichern. Davon können lokale Anbieter aber auch große Unternehmen profitieren: Hersteller, Händler und Marken können kanalübergreifend und zielgruppengenau Angebote und Aktionen an ihre Kunden herantragen – Angebote, die auf eine konkrete und lokale Nutzeranfrage zugeschnitten sind.

Bewertungen, Check-Ins oder Coupons über die SoLoMo-Portale ermöglichen Unternehmen eine neue Form des Empfehlungsmarketings und der Mundpropaganda. Augmented Reality oder QR-Codes bieten die Möglichkeit, ausführlich über Produkte oder Dienstleistungen zu informieren oder Inhaltsstoffe und Herstellungsprozess transparent zu machen.

Die Anwendungsmöglichkeiten von SoLoMo sind vielfältig und bieten ein großes Potential für die kommerzielle Nutzung. Dabei sollte jedoch immer der Nutzer und sein konkreter Nutzungsfall im Auge behalten werden. Eine SoLoMo-Anwendung muss dem Nutzer einen konkreten Mehrwert bieten und Informationen nur dann und überall dort liefern, wann und wo er sie wirklich braucht.

„Der Anspruch jeder gut durchdachten SoLoMo-Strategie besteht darin, den Kunden in seinem Lebenskontext zu erreichen: In ‚real time‘, überall, mit einer personalisierten Botschaft, die von ihm als Mehrwert empfunden wird.“, so erklärt es Christian Otto Grötsch von dot.Source.

Was tut und erwartet der Kunde?

SoLoMo: Ich, alles, sofort und überall.

Ich: Der viel beschworene Connected Customer erwartet Wertschätzung, Personalisierung, maßgeschneiderte Angebote und keine unaufgeforderte Kontaktaufnahme.

Alles: Er möchte eine große Auswahl, hohe Qualität, niedrige Preise und guten Service.

Sofort: In der Interaktion mit Unternehmen und Marken erwartet er eine unmittelbare Kontaktaufnahme, schnelle Transaktionen und kurze Reaktionszeiten.

Überall: Und das alles unabhängig von Zeit, Raum, Technologie, Kanälen und Geräten.

Unternehmen verlieren allmählich die Lufthoheit über Marke und Kaufprozess, denn das Machverhältnis von Unternehmen und Konsument hat sich zugunsten des Kunden verschoben und seine Position deutlich verbessert. Immer und überall auf benötigte Daten zugreifen zu können, sich mit anderen Nutzern austauschen, Produkte und Dienstleistungen mitgestalten und bewerten zu können – all das beschert dem Kunden eine bisher nicht gekannte Autonomie.

Und es dreht sich alles um ihn – den Connected Customer – also auch um mich. Ich brauche keine irrelevanten Werbebotschaften, die mich unaufgefordert per Mail oder gar Post erreichen. Ich hole mir Informationen wann und wo es mir passt – und dann, wenn ich sie wirklich brauche. Und wenn es mir passt, dann auch gern ganz speziell auf mich zugeschnittene, personalisierte Informationen, die mich und meinen aktuellen Standort „kennen“. Ich möchte einen Kaffee. Wo gib’s das nächste Angebot und wie komme ich dahin. Ich schlendere um die Mittagszeit an meinem Lieblings-Libanesen vorbei und werde per digitalen Coupon zum Mittagstisch gebeten. Warum nicht. Das alles klingt nach Mehrwert, das alles klingt nach gutem Service. Allerdings fühle auch mich zumeist unwohl, wenn ich einer App meine persönlichen Daten preisgeben soll.

Datenschutz und der Schutz der Privatsphäre sind im Bereich von SoLoMo von besonderer Relevanz: Wer geht wie mit meinen Daten um. Transparenz, Aufklärung und die Kontrolle über meine eigenen Daten und die abgegebenen Einverständniserklärungen sind deshalb unumgänglich – genauso wie innovative Algorithmen, die aus dem Wust an Daten auch nur wirklich relevante Angebote generieren.

3 Kommentare

Welcher Datentyp sind Sie? | Smart Service 17. Mai 2013 at 7:32

[…] SoLoMo dreht sich alles um ihn – den Connected Customer – der keine irrelevanten Werbebotschaften […]

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Warum braucht die digitale Transformation Zukunftsmanagement? | Smarter Service 22. August 2013 at 7:30

[…] schon kennen. Man muss die Frage umdrehen und sich fragen: “Wie könnte etwa ein Trend wie SoLoMo relevant werden bzw. wie kann ich ihn für mein Unternehmen relevant […]

Antworten
Neuland, Arroganz und Empathie: Das Jahr in Blogposts. | Smarter Service 19. Dezember 2013 at 8:31

[…] Ich, alles, sofort und überall Ist 2013 das Jahr von SoLoMo?. Und was ist wirklich dran am Dreigestirn “Social”, […]

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