Digitales Hausrecht – Warum Special Interest Communities im Facebook Zeitalter nicht ausgedient haben.

von Bernhard Steimel 27. Mai 2013

Mein letzter Beitrag „Facebook – der Tod des Geheimtipps“ hat große Wogen geschlagen. Interessanterweise wurde mir von einigen Facebook Power-Usern unterstellt, dass ich keine Ahnung habe, wie man auf Facebook über unterschiedliche Nutzerprofile, Gruppen oder Listen kommunizieren kann.

Aus meiner Sicht sind diese Einstellmöglichkeiten nicht relevant, weil die Masse der Facebook User sie nicht kennt, sie nicht nutzt bzw. sich nicht sonderlich dafür interessiert. Im Zweifelsfall kann ich nicht kontrollieren, ob Inhalte weiterverbreitet werden. Damit habe ich eine Vertrauenslücke, immer dann wenn ich Erlebnisse nur mit ausgewählten Menschen teilen möchte.

Aber was ist die Alternative zu Facebook, wenn man nicht besonders viele, sondern die wichtigen Menschen erreichen möchte, also meine engsten Freunde oder – als Marke – meine echten Fans, die mit Leidenschaft für die Marke eintreten?

Einlass nur auf Empfehlung – Exklusivität als Schlüssel

Wenn man Paul Adams Circle-Theorie folgt, dann liegt ein Schlüssel in der Exklusivität. Wer im digitalen Raum Erlebnisse nur mit ausgewählten Menschen teilen möchte, der tut gut daran, Mechanismen zu nutzen, die das Weiterverbreiten unterbinden.

So wie die Restrealität: „Als der Berliner Club Ostgut nach einer mehrtägigen Abschlussparty im Jahr 2003 geschlossen wurde, verloren Tausende Berliner ihre geistige Heimat. Auf restrealität.de trafen sie sich wieder, sinnierten über Partys und alles, was dazugehört … Rein darf nur, wer einen kennt, der schon drin ist.“

Restrealität funktioniert wie eine geschlossene Gesellschaft. Wie bei elitären Golfclubs müssen Mitglieder für Neulinge bürgen und das Besondere ist, dass jedes Mitglied nur eine beschränkte Anzahl an Bürgschaften abgeben darf. Für Außenstehende bleibt verborgen, was in der Community passiert.

Szene-Treff im digitalen Raum – Hausrecht als wichtiger Faktor

Special Interest Foren und Online-Communities haben auch in Zukunft nicht ausgedient. Sie bleiben der Szene-Treff im digitalen Raum, weil hier das Hausrecht des Clubbesitzers gilt. Und die Anziehungskraft der Community lebt von der Leidenschaft, die Mitglieder für EIN Thema vereint und der Knappheit des Angebots, denn Menschen schreiben seltenen Dingen einen höheren Wert zu.

Für Markenunternehmen heißt das, die Orte zu entdecken, wo sich ihre Szene trifft.


Nächste Woche geht es weiter mit Teil 3: „Temporary Social Media – So flüchtig wie ein gutes Gespräch“!

4 Kommentare

Kultur des Teilens oder Geschlossene Gesellschaft? | Ich sag mal 27. Mai 2013 at 16:11

[…] Social Media und die Kraft der schwachen Verbindungen. […]

Antworten
“Gute Freunde kann niemand trennen”: Über die Vernetzungskultur im Social Web #Bloggercamp | Ich sag mal 29. Mai 2013 at 11:07

[…] kann man das Granovetter-Prinzip nun im Social Web umsetzen? Nach Ansicht von Smart Service-Blogger Bernhard Steimel liegt ein Schlüssel in der […]

Antworten
Bloggercamp diskutiert über Vernetzungskultur | Smart Service 3. Juni 2013 at 7:31

[…] Unser Blogbeitrag “Facebook – der Tod des Geheimtipps” hat nach seinem Erscheinen hohe Wogen geschlagen. Grund genug also, sich dem Thema eingehender zuzuwenden: Was ist die Alternative zu Facebook, wenn man nicht besonders viele, aber die wichtigen Menschen erreichen möchte? Das fragte sich Bernhard Steimel in seinem Folgeartikel “Digitales Hausrecht – Warum Special Interest Communities im Facebook Zeitalter nicht ausged… […]

Antworten
Facebook – der Tod des Geheimtipps oder Warum wir in Kreisen denken sollten | Smart Service 4. Juni 2013 at 13:41

[…] Woche geht es weiter mit: “Digitales Hausrecht – Warum Special Interest Communities im Facebook Zeitalter nicht ausged… und: “Temporary Social Media – So flüchtig wie ein gutes […]

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ähnliche Beiträge