Der ent-täuschte Social Media Prophet @MirkoLange

von Bernhard Steimel 18. September 2013

Mirko Lange im Gespräch mit Bernhard Steimel

Mirko Lange spricht im heutigen Smarter Service Talk – unserer Gesprächsreihe zum aktuellen Studienprojekt „Praxisleitfaden Digitale Transformation“ – mit Bernhard Steimel über die Wandlungsgeschwindigkeit-Geschwindigkeit deutscher Unternehmen, #Neuland und die Hybris der Digitalen Elite, von Träumern, Getriebenen und Treibern sowie der Politik der kleinen Schritte.

Wer sich mit Social Media auseinander setzt, der kennt ihn: Mirko Lange gehört zu den renommiertesten Social-Media-Experten in Deutschland. Mit seiner Münchner Agentur talkabout betreute er in Sachen Corporate Social Media und Online-PR namhafte Kunden im ganzen Land. Als Strategic Advisor Social Media bei HAVAS Worldwide unterstützt er zudem die Social-Media-Kompetenz der Agenturgruppe.

Die Erfahrungen der letzten drei Jahre machen ihn skeptisch, wie schnell der digitale Wandel gelingt. Er sieht sich ent-täuscht. Jetzt stellt Mirko für sich fest „ich bin nicht mehr getäuscht“ und plädiert für mehr Realismus und weniger Träumerei in der Social Media Berater Gilde.

Für ihn steht fest: Natürlich wird Veränderung stattfinden. Die Frage ist nur, sind die Unternehmen Treiber oder Getriebene. Wenn der Wandel von unten stattfindet, dauert es seiner Meinung nach 15 Jahre. Wenn aber alle Hebel in Gang gesetzt werden, kann der Wandel auch in fünf Jahren gelingen. Das sei aber von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Es hänge davon ab, ob die Kulturveränderung von der Geschäftsführung gewollt ist und sie den Wandel aktiv gestalten will. Das zeigt sich für ihn zum Beispiel daran, ob Kultur-Veränderer im Unternehmen gefördert und die Management-Ressourcen freigesetzt werden.

Für Mirko ist daher die zentrale Frage: „Was können wir tun, um diesen Vorgang zu beschleunigen?“

Mirko kritisiert die Hybris der digitale Elite in Deutschland, die bei der #Neuland-Debatte zutage getreten ist. „Wir haben unheimlich viel gepusht. Das ist schädlich!“ Denn für die meisten Führungskräfte in Deutschland ist die digitale Transformation merkliches Neuland. Und er stellt fest „alle Konzerne leiden darunter, dass das Mittlere Management dicht ist mit Arbeit!“ Damit so etwas wie digitaler Wandel funktionieren kann, müsste ein Unternehmen 20 Prozent neue Leute einstellen.

Auch stellt er die Begrifflichkeit in Frage. Kulturwandel macht Angst. Es ist besser, die Leute dort abzuholen, wo sie sind und die dringendsten Probleme zu lösen: Wie zum Beispiel mit Content Marketing die Effektivität im Marketing-Mix zu erhöhen. Er empfiehlt, Schritt für Schritt vorzugehen auch wenn am Anfang die Schritte sehr klein sind. Und dem Mitarbeiter mehr Sicherheit zu geben – den frei nach Innenminister Friedrich gibt es Freiheit nur dort wo Sicherheit herrscht. Mit den Erfolgen kann dann auch die Wandlungsgeschwindigkeit steigen.

3 Kommentare

gsohn 18. September 2013 at 7:35

Hat dies auf Ich sag mal rebloggt.

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haraldhenn 18. September 2013 at 8:46

Das deutsche Phänomen. Wir hinken bei vielen IT Emntwicklungen hinterher. CRM, email, Social Media. Überall ist das gleiche Muster zu beobachten. Die Führungskräfte sind skeptisch und eher widerspenstig. Der Druck kommt von unten. Mit kleinen Piloten, tolerierten versuchen in kleinerem Umfang bis irgendwann das Top Management nach X Präsentationen und Machbarkeitsstudien mit der flächendendeckenden Umsetzung beginnt. Dann meistens mit mehr Tiefgang als im angloamerikanischen Raum. Zudem haben wir in Deutschland kein gutes klima und wenig gute Bedingungen für start-ups. Minister Rösler hat einen Expertenrat unter Leitung von Herrn Prof. Kollmann ins Leben gerufen; das ist aber zu mickrig für den Standort Deutschland.

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Mirko Lange, talkabout 18. September 2013 at 11:12

Toll zusammengefasst. Und das alles habe ich gesagt? 🙂

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