Digitale Unreife – ist auch Ihr CEO ein Digital-Muffel?

Digitale Unreife – ist auch Ihr CEO ein Digital-Muffel?

von Bernhard Steimel 29. Oktober 2013

Digitale Unreife bei 85 Prozent  der Unternehmen festgestellt

Für eine weltweit angelegten Studie vom MIT Center for Digital Business und der Unternehmensberatung Capgemini , in der es um den Grad der jeweiligen digitalen Transformation, bzw. ihre  digitale Unreife  ging, wurden über 450 Führungskräfte von Großunternehmen mit mehr als einer Milliarde US-Dollar Umsatz interviewt und zusätzlich eine Onlinebefragung von über 1500 Mitarbeitern aus kleinen und mittelständischen Unternehmen durchgeführt.

Laut MIT und Capgemini können nur 15 Prozent der befragten Unternehmen von sich behaupten, proaktiv in die digitale Transformation hinein zu steuern. Immerhin meinen 78 Prozent der befragten Angestellten, dass der digitale Umbau des Unternehmens in den nächsten zwei Jahren eine Notwendigkeit wird. George Westerman vom MIT Center for Digital Business ist davon überzeugt, dass die digitale Transformation vor keiner Branche halt macht. Ferner sollen die Untersuchungen von MIT und Capgemini belegen, dass die Digital Leader deutlich profitabler sind als ihre Mitbewerber.

Digitale Unreife – ein weit verbreitetes Phänomen?

Quelle: Embracing Digital Technology, MIT Sloan 2013

Trotz der wachsenden Erkenntnis, dass am digitalen Wandel kein Weg vorbeiführt, haben viele Unternehmen den Einstieg noch nicht gefunden. Lediglich 38 Prozent der vom MIT befragten Unternehmen gaben an, dass die digitale Transformation eine Top-Prio auf der Agenda des Managements sei.

Muss zukünftig jedes Unternehmen wie ein Consumer Technology Company agieren lernen?

Laut Curt Gartner, CIO von Star Bucks, lautet die Antwort eindeutig ja. Er ist der Auffassung, dass der mentale Wandel entscheidend ist, um die digitale Transformation zu meistern. Das Erste, was man von Tech-Companies lernen kann, ist seiner Auffassung nach Geschwindigkeit.

Aus der Sicht der Studienleiter des MIT liegen die Vorteile auf der Hand:

  • Verbesserung der Customer Experience durch den Einsatz von Mobile, Social Media, Analytics
  • Bessere Vernetzung der Mitarbeiter und Stärkung der Zusammenarbeit im Unternehmen
  • Entwicklung neuer Produkte und Services und die damit einhergehende Transformation des Geschäftsmodells, wenngleich das derzeit nur der Fokus der digitalen Elite ist.

So setzt zum Beispiel  General Electric (GE) im Rahmen seiner Servicestrategie auf „Internet-der-Dinge“-Technologien, um seinen Industriekunden zu helfen, Serviceintervalle proaktiv zu berechnen.

Jede Krise ist eine Chance, heißt es. Geht es nach GE, könnte die seit 2008 schwelende Finanzkrise einem Konzept zum Durchbruch verhelfen, das bisher nicht mehr als ein Schlagwort war: Dem „Internet der Dinge“. Sämtliche Maschinen und Geräte sollen darin mittels Sensoren konsequent vernetzt werden. Als „Industrial Internet“ will GE diese Vision nun anpacken, und Motoren, Triebwerke, Tomographen und andere Anlagen aus dem eigenen Hause zu Quellen von Datenmassen machen. Klug ausgewertet, sollen sie den Anlagenparks der Industrie zu einer ganz neuen Effizienz verhelfen. 1,5 Milliarden Dollar investiert GE bis 2015 in das Industrie-Internet und baut dafür im kalifornischen San Ramon ein eigenes Forschungszentrum auf.

Die meisten Unternehmen kämpfen jedoch damit, einen klaren geschäftlichen Nutzen aus der Digitalisierung zu ziehen. Ihnen fehlen oftmals jedoch Führungskräfte mit der notwendigen Expertise, um die im Einsatz digitaler Technologien liegenden Chancen für das eigene Geschäft zu erkennen, zu bewerten und zu erschließen.

(Noch) kein Leidensdruck in der Chefetage: Selbstgefälligkeit und Ignoranz als Hauptursachen

Während in der Medienbranche der Handlungsdruck sehr hoch ist und viele Unternehmen mit dem Rücken zur Wand stehen, spüren die meisten Führungskräfte keinen Handlungsdruck und so passiert auch nichts. Vielfach mag es aber auch schlichtweg an der Tatsache liegen, dass keine Vision und kein Bauplan für den Umbau des Unternehmens vorhanden sind.

Digitale Unreife – ein weit verbreitetes Phänomen?

Quelle: Embracing Digital Technology, MIT Sloan 2013

Immerhin 40 Prozent der vom MIT befragten Unternehmen kämpfen mit dem Trägheitsmoment der Chefetage. Denn je tiefer man in die Organisation steigt, desto dringlicher wird der Zwang zum Wandel empfunden. Selbstgefälligkeit und Ignoranz werden als Hauptursachen für den schleppenden Umbau genannt.

Vielen Initiativen fehlt noch ein klares Ziel und der strategische Überbau

So sagen nur 36 Prozent der Befragten, dass sie über eine abgestimmte Strategie und einen Fahrplan für die digitale Transformation verfügen.

Die Herausforderungen sind groß und die potenziellen Handlungsfelder weit. Es erfordert eine Entscheidung über Prioritäten: Geht es um eine bessere Kundenorientierung, Effizienzsteigerung der internen Abläufe oder gar um neue Geschäftsmodelle? Zumal es vielen Unternehmern und Führungskräften schwer fällt, die langfristige Existenzfähigkeit ihres Geschäfts in Frage zu stellen und sich von liebgewordenen Handlungsprämissen zu verabschieden.

Können wir nicht endlich mit IT-Innovation aufhören?

Der technische Fortschritt der letzten 20 Jahre hat viele Führungskräfte innovationsmüde gemacht und vielleicht an der einen oder anderen Stelle desillusioniert. Mit viele Tamtam wurden ERP, CRM und andere neue Business Supportsysteme eingeführt und nicht immer mit durchschlagenden Erfolg.

So verwundert es nicht, dass kulturelle Barrieren laut der MIT-Studie einen erheblichen Bremsklotz für den Wandel darstellen. Insbesondere ältere Führungskräfte tun sich schwer, die Geschäftschancen zu erkennen, da die Internetnutzung insbesondere die Social Media-Nutzung oftmals ihre eigene Erfahrungswelt übersteigt.

Hinzu kommt, dass immerhin 20 Prozent der Befragten angeben, dass Machtkämpfe, Verharrungskräfte und Verlustängste den digitalen Wandel torpedieren. In diesem Kontext fehlen den Befürwortern oftmals die schlagenden Argumente, um in Heller und Pfennig den Wirtschaftlichkeitsnachweis zu erbringen. Vielfach sind die notwendigen Erfolgskennziffern noch nicht etabliert. Und es gibt bei vielen Unternehmen kein Anreizsystem, während 68 Prozent der digitalen Elite über entsprechende Mechanismen verfügen.

Der Veränderungsprozess darf nicht delegiert werden

Schwerwiegender ist allerdings, dass von 30 Prozent der Befragten veraltete IT-Systeme als Hemmschuh genannt werden. Viele Führungskräfte sind sich der strategischen Relevanz durchaus bewusst, sie scheinen laut MIT nur „paralysiert“ von schwerfälligen und komplexen Business-Systemen und Prozessen, denn sie sind sich über Kosten und Aufwand für den Umbau im Klaren.

Der größte Fehler aus Sicht der Studienautoren ist es, die digitale Transformation in die Linie zu delegieren oder gar ein Team zusammenzukaufen und dem zu sagen: „Jetzt macht mal, aber bitte involviert mich nicht.“

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