Das vernetzte Unternehmen als Antwort auf den vernetzten Kunden

Das vernetzte Unternehmen als Antwort auf den vernetzten Kunden

von Bernhard Steimel 6. Dezember 2013

Nur ein kleiner Teil der Unternehmen weltweit und hierzulande steuert proaktiv in die Digitale Transformation hinein. Dabei ist sowohl den meisten Führungskräften als auch den Mitarbeitern auf den nachgelagerten Ebenen klar, dass der digitale Umbau in den kommenden zwei Jahren notwendig wird.

Unsere Studie „Digitale Transformation“ bietet Expertenwissen und zahlreiche Praxisbeispiele und gibt wichtige Impulse für die Realisierung des Wandels.

Die Antwort auf den vernetzten Kunden ist das vernetzte Unternehmen. Der Weg dorthin führt über die Digitale Transformation. Unternehmen sind nicht länger nur in der Rolle des Senders von Botschaften, sie müssen die Konsumenten in ihre Aktivitäten einbinden und dabei sozialer, lokaler und mobiler denken. Einige der für die Studie befragten Experten stellen in diesem Kontext die These auf, dass quasi jedes Unternehmen zukünftig wie ein Technologie-Unternehmen agieren müsse.

Dem Ladengeschäft digitale Intelligenz einhauchen

Dies gilt auch für Handelsunternehmen, die zunehmend mehrere Kanäle in ihre Verkaufsstrategien einbeziehen. Das neue Kaufverhalten der Menschen stellt somit keine Bedrohung, sondern eine Chance auch für stationäre Händler dar. Sie können die steigende Marktmacht von E-Commerce-Unternehmen mit deren eigenen Waffen schlagen und ihr Verkaufspersonal mit ähnlich magischen Kräften ausstatten, über die der Onlinehandel verfügt, etwa durch Sales Apps, digitale Kundenkarten, Kassenzettel und Coupons. Mit Unterstützung von Point-of-Sale-Technologien kann physischen Verkaufsräumen digitale Intelligenz eingehaucht werden. Und insgesamt wird die Unterscheidung zwischen E-Commerce und klassischem Handel immer nutzloser, weil die Übergänge verschwimmen.

Vielversprechend ist der Second Screen – vor allem der Smartphone-Bildschirm – auch im Bereich der Werbung. E-Commerce-Unternehmen wie Zalando stellen fest, dass die Besucherzahlen im Onlineshop unmittelbar nach Ausstrahlung eines im Fernsehen ausgestrahlten Werbespots steigen. Werden TV-Programm, Werbeinhalt und Shopangebot in Zukunft stärker synchronisiert, könnte sich dieses Phänomen noch einmal deutlich verstärken.

Es geht um Kunden statt um Zielgruppen

Die Wechselwirkungen von Werbung in unterschiedlichen Medien und Vertriebskanälen lassen sich messen – Datengewinnung und -analyse machen es möglich. Doch erst wenn sich Unternehmen auf Smart Data statt auf Big Data konzentrieren, lernen sie ihre Kunden wirklich kennen. Die thesenbasierte Verknüpfung der auf die Kunden bezogenen Datenpunkte liefert das Wissen, das notwendig ist, um kundenrelevante Angebote auszusteuern. Mit den neuen datengestützten Marketing-Lösungen nähern sich die Marketing-Metriken nun auch den klassischen betriebswirtschaftlichen Erfolgskriterien an. Beispielsweise kann eine direkte Verbindung zwischen Marketing-Kampagne und Umsatzentwicklung hergestellt werden.

Durch Kampagnenoptimierung die Werbebudgets für die einzelnen Kommunikationskanäle nach ihrer tatsächlichen Relevanz zu bestimmen, gelingt mithilfe von Attributionsmodellen. Diese stellen jedoch keinesfalls statische Hilfsmittel dar, sondern müssen nach jeder Kampagne auf Basis der gewonnenen Daten modifiziert werden.

Neues Rollenverständnis für den Chief Marketing Officer

Weil Investitionen im Marketing künftig auf die automatisierte Erhebung und Analyse von Daten ausgerichtet sein werden, verändern sich auch die Anforderungen an Marketingmitarbeiter und den CMO. Einerseits ist eine intensivere Zusammenarbeit mit der IT-Abteilung notwendig, andererseits kommt es stärker auf ein analytisches Denkvermögen an. Gefragt werden also Personen sein, die weniger den kreativen Freigeist verkörpern, sondern eher den Forschergeist, sodass sie in einem permanenten iterativen Prozess die Marketingergebnisse zu verbessern versuchen. Gefragt ist Dialogfähigkeit und eine natürliche Neugierde, um Fragen zu beantworten und Thesen aufzustellen.

Den Praxisleitfaden „Digitale Transformation“ können Sie kostenfrei downloaden.

2 Kommentare

greich 6. Dezember 2013 at 13:40

Interessanter Artikel! Vor allem zum Thema E-Commerce und Handelsunternehmen. Aber auch der Aspekt Smart Data vs. Big Data.

Meine Aufmerksamkeit hat sich aber auf einem Satz am Ende des Textes gerichtet: „Gefragt werden also Personen sein, die weniger den kreativen Freigeist verkörpern,
sondern eher den Forschergeist, sodass sie in einem permanenten iterativen Prozess die Marketingergebnisse zu verbessern versuchen.“

Hier wäre ich anderer Meinung. Warum den kreativen Freigeist aus dem Forscher weg nehmen? Ich sehe nicht die Notwendigkeit des Entweder-Oder. Im Gegenteil,
ein kreativer-freigeistiger-Analytiker-Forscher wäre hier die bessere Wahl. Oder eben beide Menschen zusammen arbeiten lassen. 🙂 LG Gustavo

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Bernhard Steimel 6. Dezember 2013 at 16:15

Hallo Gustavo, ja der Punkt deckt sich auch nicht mit meinem Empfinden und Wünschen, ist jedoch Ergebnis der geführten Experten-Interviews. Wir sehen es bereits in Unternehmen wie Amazon, hier werden primär datenbasiert Entscheidungen getroffen, die auf Echtzeit-Customer Data beruhen. Die Eierlegende Wollmilchsau wird es hier nicht geben.

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