“We are all a node on the network”: Die nächsten 10 Jahre auf der LeWeb

„We are all a node on the network“: Die nächsten 10 Jahre auf der LeWeb

von Bernhard Steimel 20. Dezember 2013

Seit 10 Jahren versammeln sich die selbsternannten Macher der Internet-Revolution einmal im Jahr bei der LeWeb in Paris. Der putzige französische Name lässt vermuten, dass ähnlich wie in Deutschland, nur die üblichen Verdächtigen ihr verschworenes Netzwerktreffen abhalten. Tatsächlich aber schafft es der Gründer Loic Le Meur das Who-Is-Who der Silicon Valley Tech-Szene bei sich auf die Couch zu bekommen und mit über 3.500 Teilnehmern ist die LeWeb wohl auch die größte Tech-Konferenz in Europa, die Geld und Ideen zusammenbringt.

In den nächsten Wochen werden wir hier die spannendsten Vorträge vorstellen.

Silicon Valley Trends: 3 Macro-Trends that will shape the future of Internet

Einen der besten Talks zu den großen Trends für die nächsten zehn Jahre hielt Twitter-Investor Fred Wilson, Managing Partner von Union Square Ventures aus New York. In seinem Vortrag stellte er das Framework vor, mit dem er und seine Kollegen jede Investment-Entscheidung beurteilen. „We don’t think in technology, but we think in trends“. Und er empfiehlt jedem die großen, prozessualen Veränderungen zu identifizieren, die Mediennutzung und Verhalten verändern und damit auch die Gesellschaft.

Dazu zählt für ihn, die Transformation von hierarchischen Organisationsformen zum Netzwerkorganisationsmodell. Als Beispiele für seine These führt er die Web-Börse für private Unterkünfte AirBnB, den kostenlosen Sprachunterricht duolingo und Kickstarter, die amerikanischen Plattform zur Projektfinanzierung über Crowdfunding, an. All diese Plattformen nutzen die Selbstorganisationskräfte von Interessengemeinschaften, die sich über das Internet organisieren und von Marktplatz und Community-Plattformen ermöglicht werden.

Als zweiten Makrotrend sieht Wilson „unbundling“, womit er die Trennung von Leistungen und Services meint, die bislang im Paket angeboten wurden. Internettechnologien senken die Markteintrittsbarrieren, den sie ermöglichen es, kostengünstig und fokussiert auch nur einzelne Services anzubieten. Ein Vorteil, den sich zum Beispiel Startups im Bankensektor zunutze machen, um in das besonders profitable Kreditgeschäft einzubrechen. Dazu zählen unter anderem der Peer-to-Peer Kreditanbieter Lending Club oder die deutsche Plattform auxmoney, die bereits über 620.000 Mitglieder zählt.

Der dritte und wohl offensichtlichste und mächtigste Trend ist, dass wir Menschen durch die Vernetzung unserer mobilen Endgeräte selbst zu Knotenpunkten im Internet werden. Wir sind alle ständig durch das Internet miteinander verknüpft, was völlig neue Services ermöglicht, die bestehende Marktstrukturen aufbrechen. Dadurch lassen sich ganze Branche wie Transport und Logistik neu gestalten. MyTaxi oder der Limo-Service Uber transformieren existierende Geschäftsmodelle der Transport- und Mietwagenfirmen. Ähnliche Mechanismen nutzen die mobile Bezahlsysteme venmo und dwolla.

Industries at the intersection of the big three

Für Fred Wilson steht fest, dass nach der Medienbranche und dem Handel, die Finanzindustrie und der Gesundheitssektor als nächste von der disruptiven Welle erfasst werden.

Die größten Veränderungen im Finanzsektor werden aus seiner Sicht durch bitcoin entstehen. Dabei zählt für ihn nicht der aktuelle Hype um die Digitalwährung. Für Wilson ist bitcoin vielmehr Geld, das nach den Spielregeln des Internets entwickelt wurde. Es ist ein neues Internet-Protokoll und damit global, verteilt und von niemandem kontrolliert. Jede Transaktion wird öffentlich gecleart und kann von jedermann eingesehen werden. Damit erhält Geld die gleichen Attribute wie Inhalte und Bilder, die über das Internet verfügbar gemacht werden. Kein PayPal, kein Amex oder Visa wird diese Entwicklung kontrollieren können.

Im Gesundheitswesen sieht Wilson alle drei Megatrends zusammenkommen. Zukünftig werden immer mehr Menschen außerhalb der staatlichen Hilfe neue Wege der Gesundheitsvorsorge gehen. Ob Fitbit, Nike Fuelband oder andere Quantified Self-Apps helfen uns, unsere Gesundheitswerte selbst zu monitoren und mit Hilfe von Peer-to-Peer Services Entscheidungen zu treffen. In diesem Kontext entfaltet das Internet of Things für ihn die größte Macht, denn spätestens wenn wir Kleidung tragen, die unsere Vitaldaten ständig aufzeichnet, lassen sich auch milliardenschwere Krankheitskosten durch Präventivmaßnahmen oder schnelleres Handeln senken.

2 Kommentare

Erfolgsfaktor Netzwerk: Vom nötigen Wandel der Unternehmen | www.ne-na.de 20. Dezember 2013 at 11:39

[…] Fred Wilson in seinem Vortrag auf der diesjährigen Pariser Konferenz LeWeb in die gleiche Kerbe, wie Smarter Service-Blogger Bernhard Steimel dokumentiert. “We don’t think in technology, but we think in trends”. Wilson empfiehlt jedem, die großen […]

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Über amorphe Unternehmen, nackte CIOs und die Arbeit in der Cloud | Ich sag mal 20. Dezember 2013 at 13:07

[…] „All diese Plattformen nutzen die Selbstorganisationskräfte von Interessengemeinschaften, die sich über das Internet organisieren und von Marktplatz und Community-Plattformen ermöglicht werden“, erläutert Smarter Service-Blogger Bernhard Steimel. […]

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