Internet der Dinge: Komplex schlägt Kompliziert!

Internet der Dinge: Komplex schlägt kompliziert!

von Bernhard Steimel 17. Januar 2014

Ersetzt Google das Internet der Dinge?

Gunnar Sohn spricht mir aus der Seele, wenn er die deutsche Ingenieursdenke kritisiert.

Während bei uns wild an komplexen Netzwerkplänen für das Internet der Dinge gebastelt wird, nehmen die Amis den vernetzten Kunden als Ausgangspunkt für die Entwicklung von smarten Services. Und sie nehmen sich einen Markt nach dem anderen vor, anstatt alles mit allem vernetzen zu wollen. Der entscheidende Unterschied ist die Denke: Die einen sind geprägt durch ihre langjährige Erfahrung als Hardware-Hersteller, Nest dagegen greift wie ein Internetunternehmen Märkte an, in denen sich in den letzten 50 Jahren nichts fundamental geändert hat.

Nest wird Bosch, Honeywell & Co. noch das Fürchten lernen

Tony Fadell, ehemaliger Apple-Manager und „Vater des iPods“ geht mit einem ganz anderen Mindset an die Sache als die von der Ingenieurskunst getriebenen Hersteller. Auf der LeWeb erläuterte er die Strategie und wie Menschen durch mobile Apps beginnen, sich mit ihrem Energieverbrauch aktiv auseinanderzusetzen:

Sein Fokus ist klar: Dort innovieren, was jeder Haushalt haben muss

Insofern ist es nicht verwunderlich, dass nach dem Thermostat- nun der Brandschutzmelder-Markt auf der Abschussliste steht. Das „Wie“ hat er bei Apple gelernt: Schöne Produkte, die das Leben einfacher machen. Statt komplizierter Steuerung wird die einfache, elegante und spielerische Bedienung per App zum Dreh- und Angelpunkt jedes Service Designs. Dabei wird auch mit ein paar Ärgernissen bei den Brandmelder aufgeräumt: Bei Fehlalarm muss man nicht erst auf die Leiter klettern, sondern kann mit einer eleganten Handbewegung den nervigen Ton abschalten.

Dass Honeywell & Co. die Herausforderung der Internet-Krieger ernst nehmen, kann man an der Anzahl der aktuellen Patentstreitigkeiten mit Nest erkennen.

Vernetzte Produkte schaffen mehr Engagement beim Nutzer

Während wir uns kaum Gedanken um unsere Heizung machen und der Brandschutzmelder eher eine lästige Pflicht ist, kann Fadell darüber berichten, dass Nest-Kunden sich auch nach der Installation aktiv mit ihrem Energieverbrauch beschäftigen. So bekommen die Nest-Produkte mehr Aufmerksamkeit: „Die Menschen checken regelmäßig alle Werte, um zu wissen, dass alles in Ordnung ist, auch wenn sie auf Reisen sind.“

Vertrauen ist der Schlüssel zum Erfolg in der vernetzten Serviceökonomie

Der Verkauf an Google sichert Nest die Möglichkeit, im investitionsintensiven Hardwaregeschäft langfristig erfolgreich zu sein. Einziger Wermutstropfen ist sicherlich das Thema Datensicherheit. Fadell ist bewusst, dass Vertrauen der Schlüssel zum Erfolg in der vernetzten Serviceökonomie ist. Wenn seine Kunden Google nicht vertrauen und sicher sind, dass die Daten in guten Händen sind, dann wird der Home Automation-Markt niemals abheben.

Digitale Transformation erfordert „Out-of-the-Box“ Denken

Niemand hat das bislang so anschaulich erläutert wie Michael Saylor, CEO von MicroStrategy:

„You have a set of hardware companies who are thinking they can linearly move into the software industry and then you’ve got companies who really think like software companies and they’re not limited by conventional linear thinking. They’re actually just thinking out of the box.”

Mein Fazit: Nest schafft mit seinen Thermostaten und Brandschutzmeldern vernetzte Services statt komplizierte Geräte mit Netzanschluss. Das wird für die Haushaltsgeräte-Industrie so disruptiv wirken wie das iPhone für die Mobilfunker!

Wenn Bosch & Co. auch zukünftig in diesem Geschäft eine führende Rolle spielen wollen, müssen die Unternehmen das Nutzenversprechen für die nächste Ära ihres Geschäfts neu entwickeln und dürfen dabei nicht linear denken, sondern müssen lernen wie Internet-Startups zu denken.

5 Kommentare

Christian M. Bartels 18. Januar 2014 at 10:36

Danke Bernhard Steimel, genau so ist es.
Erweiterungen der Wertschöpfungskette statt die Konzentration auf das Kerngeschäft bestimmen den digitalen Wandel. Hinzu kommen offene Plattformen und der Schutz der Kundendaten. Ein Markt nach dem anderen wird so von Branchenfremden Unternehmen überrollt.
Was hindert die großen aktiven Player, wie Amazon, ebay und Google daran, morgen Reisen, Versicherungen und Dienstleistungen zu vermitteln? Die ernüchternde Antwort lautet: nichts! Der Angriff erfolgt lediglich später, wenn die lukrativen Claims abgesteckt sind.
Mehr dazu unter http://i-serviceblog.com/2013/10/29/digitaler-wandel-toetet_business-transformation_change-management/

Schöne Grüße vom Christian

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Bernhard Steimel 20. Januar 2014 at 18:07

Der entscheidene Punkt ist die DENKE! Nest nimmt sich einen Markt nach dem anderen vor und will für jedes Produkt die Kundenerfahrungen neu gestalten. Damit er sich nicht um Infrastrukturfragen kümmern muss, hat er jetzt Google an Board und kann an seiner Vision einer Hardware-Software-Service Company weiterarbeiten. Auf der DLD bringt er es nochmal auf den Punkt http://www.youtube.com/watch?v=hWtPdvTlSks&feature=share&list=UUyJi3YHZPNkZGAYIix4FRLw&index=5

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Netzwerke ohne Dirigismus und Hierarchien – Praxisfernes Geschwurbel oder nicht? | www.ne-na.de 23. Januar 2014 at 8:21

[…] unter der Überschrift „Wenn Unternehmen in der Cloud verschwinden“ weitergeführt mit Bernhard Steimel von Mind Business und Smarter Service-Blog, Thomas Dehler von Value5, Winfried Felser von Competence Site und dem Service-Spezialisten Markus […]

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Netzwerke ohne Hierarchien: Neue Netzwerke in alten Kabeln | Netzpiloten.de – Social Web Explorer 23. Januar 2014 at 13:29

[…] Noch gravierender sind die Herausforderungen durch Innovatoren wie NEST, die an der Erfahrungswelt des vernetzten Kunden ansetzen und mit ihren Produkten etablierte Geschäftsmodelle pulverisieren: „Denn Nest schafft mit seinen Thermostaten und Brandschutzmeldern vernetzte Services statt komplizierte Geräte mit Netzanschluss“, bemerkt der Smarter-Service-Blogger. […]

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Digital zwischen Wahn und Sinn – wie gelingen uns systematisch digitale Erfolge? | Kompetenzgespräche 14. Februar 2015 at 22:39

[…] Wenn das Ziel und der Weg klar sind, dann gilt es alle, insbesondere den Mittelstand, durch Protoypen und (Best) Practices abzuholen, die auch ausreichend prominent, überzeugend und sichtbar sind. Silicon Valley hat Good Old Germany (und potenziell Bosch & Co) traumatisiert als Google Nest gekauft hat und damit aufzeigte, wie unterschiedlich man Industrie 4.0 interpretieren kann. Bei Vordenker-Plattformen wie Smarter-Service.com erschienen umgehend Beiträge zur Bedrohung durch “smarte” Player aus dem Silicon Valley. […]

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