Die Hybris der Social Media Hohepriester und die Grenzen der Selbstinszenierung

Die Hybris der Social Media Hohepriester und die Grenzen der Selbstinszenierung

von Bernhard Steimel 11. April 2014

Auf Facebook bin ich mit einigen Stars der deutschen Social Media-Szene „befreundet“, die ich über gemeinsame Beratungsprojekte und die Interviews zum Praxisleitfaden Digitale Transformation kennengelernt habe. Sicherlich: im internationalen Vergleich sind es nur Sternchen, wenn man bedenkt, dass Personen wie der LeWeb-Gründer Loic Le Meur mit 1,6 Millionen G+-Follower, Gary Vaynerchuk mit gut 1 Million Twitter-Follower oder Brian Solis mit immerhin 213 Tausend Twitter-Follower sicherlich über noch größeren Einfluss verfügen.

Immerhin auch die deutschen Social Media Hohepriester wie zum Beispiel Ibo Evsan oder Sascha Lobo sind durch Vorträge, Publikationen und Social Media-Aktivitäten selbst zu kleinen Berühmtheiten und Social Trademarks geworden, die sie nun recht erfolgreich vermarkten.

Wasser predigen und Wein saufen

Wobei mir zunehmend unangenehm auffällt, dass viele dieser selbsternannten Gurus im Ego Shooter-Modus unterwegs sind und die Kunst der Selbstinszenierung pflegen.

Sie predigen die Kultur des Teilens und sind selbst mehr als geizig, wem sie ihre Aufmerksamkeit und Link-Autorität schenken. Kurioserweise sind diejenigen, die den Dialog auf Augenhöhe vorbeten, häufig selbst nur im Sender-Modus unterwegs.

Schaut wie toll ich bin!

Denn wer sich die Mühe macht die Social Signals auszuwerten, sieht schnell, dass hier vor allem die Selbstvermarktungsmaschine wie bei jedem anderen Markenunternehmen auf Volltouren läuft.

Selfies, Fressnapf-Bilder und Checkins im Werbeformat sind Zeichen der eigenen Sprachlosigkeit.

Das Social Web entlarvt schnell, wer nicht „social by nature“ ist. Kritik wird mit einer beleidigte-Leberwurst-Attitüde von den Diven quittiert. Im Zweifelsfall handelt es sich ja um Trolle, die man verunglimpfen kann.

Verlust der Empathie-Fähigkeit als Preis der Ruhmsucht

Anscheinend versagen die Spiegelneuronen bei zu viel Blitzlicht-Gewitter. Die Konsequenz: die Empathiefähigkeit geht drastisch zurück. Das Publikum ist für den Applaus zuständig und soll die eigene Eitelkeit befriedigen.

Denn nehmen ist seliger denn geben. Auch das Crowdsourcing für Ideen, Tipps und Ratschläge geht nur in eine Richtung. Oder wer hat schon mal einen Tipp frei Haus von einem der Experten bekommen?

Fragt Eure Ikonen “What have you done for me lately?”

und zeigt ihnen den Spiegel.

Der eine oder andere braucht vielleicht auch den Absturz aus dem Olymp in die Bedeutungslosigkeit, um sein Mitgefühl wieder zu stärken. Denn die innere Einkehr mag helfen, um „Delivering Happiness“ zum Leitmotiv werden zu lassen!

Die Grenzen der Selbstinszenierung beginnen dort, wo die Resonanzfähigkeit aufhört. Und deswegen sollte frei nach Gary Vaynerschuk das Motto lauten: Geben, geben, geben und dann (um einen Gefallen) bitten.

 

Ich freue mich auf die Diskussion!

4 Kommentare

Marco Ripanti 11. April 2014 at 8:34

Sehr schöner Text. Ich zögere noch ein wenig mit meinem Rundumschlag. Ab und an kann ich kleine Spitze jedoch nicht lassen.

🙂

Grüße
Marco

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gsohn 11. April 2014 at 16:15

Da sollte jeder seine eigenen Aktionen bewerten. Wie weit werden andere Beiträge aufgegriffen, kommentiert, in Blogbeiträgen erwähnt etc. Das Social Web-Dasei ist wahrlich keine Einbahnstraße. Leider gibt es aber auch keine Automatismen oder Tricks für Popularität oder Reichweite, die muss man sich in aller Bescheidenheit erst erarbeiten.

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Winfried Felser 11. April 2014 at 19:02

Hallo Bernhard, Social Media ist leider oft Ego Media.

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Ulrike 24. April 2014 at 15:50

Ich bin mir gerade nicht so ganz sicher, was dieser Beitrag jetzt erreichen soll? Für mich klingt es nämlich ein bisschen nach der zitierten beleidigten Leberwurst. Hat jemand nur genommen und gefühlt nichts gegeben? Kommt vor, real wie online. Aber warum darüber schreiben, noch dazu ohne konkret Ross und Reiter zu nennen? Namen zu nennen und jedem selbst zu überlassen, ob diejenigen auch die „Bösen“ sind.
Ja, der Social Media Bereich ist wie geschafften für Egoshooter und Selbstdarsteller, bzw. er war es. Denn wie Du selbst schreibst, wird es immer schwerer, schnell zu beeindrucken. Ich denke sogar, dass die „Promis“ nur im Bewusstsein derer sind, die sich schon lange im Social Web engagieren. Außerhalb unserer Early Adopter Blase haben sie längst nicht den Stellenwert. Und die Halbwertszeit von „Prominenz“ sinkt rapide.
Ich selbst habe für Leute, die mich ständig mit ihrem „Ich bin so toll“ beschallen bzw. die nur aktiv werden, wenn sie etwas von mir wollen (meist Ideen, Kreativität, Blick über den Tellerrand) die gleiche Handhabe wie im „realen“ Umfeld: Ich schaue mir das eine Weile an und dann schalte ich automatisch in den Auto-Ignore Modus. Ist enorm gut für das Wohlbefinden und gibt den „Bösen“ keine Plattform.

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