Ladies and Gentlemen, start your „Einkaufswagen“!

Faster Checkout – Wie Big Data die Warteschlange verkürzen hilft

von Gastautorin/Gastautor 19. Mai 2014

Ein Gastbeitrag von Kai Wichmann

„Only 30 seconds“ so oder so ähnlich schimmert es auf den Flatscreens oberhalb des Kassenbereichs einiger amerikanischer Supermarktketten. Allen voran steht Kroger mit seiner „Faster Checkout“ Initiative, welcher dafür mit dem dritten Platz beim InformationWeek Elite 100 Ranking belohnt wurde. Wer kennt sie nicht, diese Lebenszeit-raubenden Wartezeiten in der Supermarktschlange. Wo bleibt die Effizienzsteigerung im Alltag durch die Digitalisierung? Das fragt man sich des Öfteren, während man sich hintern dem gefühlten siebten Rentner einreiht und das zu After-Work-Zeiten. In den USA gibt es dafür bereits Abhilfe.

Wartezeiten runter, Laune rauf

Die amerikanische Supermarktkette Kroger schafft es mit Hilfe der Digitalisierung die durchschnittliche Wartezeit von vier Minuten auf unter 30 Sekunden zu drücken. Bildschirme zeigen dem Personal und dem Kunden an, wie viele Kassen geöffnet sind, wie viele davon genutzt werden und wie viele in 30 Minuten zur Verfügung stehen.

Technologie-Mix statt Technologie-Silos

Um eine derartige Vorhersage treffen zu können, werden Sensoren und Analysemethoden zu Rate gezogen. Wärmebild-Kameras zählen die Kunden an Eingang und Kasse. Unter Berücksichtigung des Supermarkt-Layouts, der Anzahl der Mitarbeiter und historischer Daten (bspw. das generelle Einkaufverhalten zu gewissen Uhrzeiten) können in Echtzeit die Kassenbelegung angepasst und eine zukünftige Belegung vorhergesagt werden. Echtzeitdaten von Point-of-Sales-Systemen leisten zusätzlich ihren Beitrag. Dieses Zusammenspiel der Technologien bezeichnet Kroger als QueVision. http://youtu.be/Alovd0ygR3U

(Digitalisierungs-) Glück ist das einzige was sich verdoppelt, wenn man es teilt

Geringere Wartezeiten verbessern nicht nur das Kundenerlebnis. Gut gelaunte Kunden wirken sich auch positiv auf die Mitarbeiter aus und umgekehrt. Hier wird durch die Digitalisierung ein spürbarer Mehrwert für den Kunden und das Unternehmen generiert.

Tue Gutes und rede darüber

Spannend ist zudem: Ursprünglich waren die Information über Kassen-Wartezeiten nur den Mitarbeitern vorbehalten. Erst der Vorschlag eines Storemanagers, die Daten auch den Kunden zur Verfügung zu stellen, brachte den Durchbruch. Das beweist einmal mehr die wichtige Rolle der Kommunikation – vor allem mit dem Kunden. Zumal es bei dem Projekt von Beginn an nicht darum ging, Mitarbeiterstunden zu verringern, sondern das Kundenerlebnis zu verbessern. Kommunizierter Mehrwert ist eben sexy.

Nur keine Wartezeit ist besser als eine kurze Wartezeit

Richtig spannend wird es, wenn zu den Silo-Daten eines Supermarktes noch zusätzliche Daten in die Vorhersage einfließen. Schließlich startet die Customer Journey schon auf dem Weg zum Supermarkt. Kämen beispielsweise Daten, wie die eingegebene Adresse des Supermarktes in Navigationsgeräte, korreliert mit der aktuellen Verkehrslage hinzu, dann kann man sich als Kunde von vornerein überlegen, wie sinnvoll es ist, genau jetzt zum Supermarkt zu fahren. Denn das einzige was besser ist als eine kurze Wartezeit ist gar keine Wartezeit. Klingt abgefahren, ist aber gar nicht so unwahrscheinlich. Wie die Planung und Gestaltung unseres Alltags zukünftig durch die Verwendung von Big Data geprägt werden kann, haben wir bereits in einem früheren Artikel gezeigt: Der israelische Designer Dor Tal hat mit “Future Control” ein Konzept entwickelt, das dem Nutzer, abgeleitet aus Daten von sozialen Netzwerken, Handlungsvorschläge für die Zukunft unterbreitet. Das Ganze steckt zwar noch in den Kinderschuhen, berücksichtigt man jedoch die zunehmende Geschwindigkeit der Digitalisierung, dann brauchen wir nicht mehr lange darauf zu warten. http://vimeo.com/69424855


Unser Gastautor

Kai Wichmann Kai Wichmann ist Assistant Consultant bei der neuland GmbH & Co. KG. Dort arbeitet er im Analyse-Team für den Digital Readiness Index und begleitet u.a. den Digital Transformation Award, der gemeinsam mit der WirtschaftsWoche verliehen wird. Kai verfügt über zwei Bachelor-Abschlüsse in Maschinenbau, Philosophie und Kunstgeschichte und hat bereits während seines Studiums praktischen Erfahrungen im Lean Management gesammelt. Er bringt seine Kenntnisse und Perspektive ein, um neue Themen, Trends und Technologie in der digitale Transformation zu erkennen und zu bewerten.

Schreibe einen Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Ähnliche Beiträge