Trends erkennen, Bedarfe analysieren, Einsichten gewinnen

Trends erkennen, Bedarfe analysieren, Einsichten gewinnen

von Bernhard Steimel 21. Oktober 2014

Auszug aus dem Praxisleitfaden Digitale Transformation


Das Überwachen von sozialen Netzwerken eignet sich durchaus zur Identifikation von neuen, unbekannten Trends und Ideen. Denn neben der Produktrecherche und dem Meinungsaustausch ist es gerade auch der Wunsch der Verbraucher, Themen und Trends mitzubestimmen, der sie in die Online-Welt führt.

Co-Creation

Engagierte Konsumenten

Wer sich auf Lauschstation im Social Web legt, der kann unter anderem völlig unbekannte Verwendungsgewohnheiten und Nutzungsgelegenheiten aufdecken. Und man kommt Problemen und neuen Lösungsmustern auf die Spur, die Ausgangspunkte für Produktverbesserungen sein können.

Dabei ist diese Form der Ethnographie besonders interessant für Produkte, bei denen übliche Marktforschungsmethoden versagen, weil sie zum Beispiel in die Intimsphäre des Users eingreifen.

Das Durchsuchen der virtuellen Öffentlichkeit erhöht den Erfolg des Unternehmens mittel- und langfristig. Denn durch den strategischen Einsatz des Social Media-Monitoring können zeitnah und effizient neue oder abflauende Trends sowie schwache Signale, die angesichts ihrer Vernetzung im Internet nicht zu erkennen sind, identifiziert werden.

Produkte entwickeln: Das Ideenmanagement outsourcen

Die effizienteste und beliebteste Form dies zu tun, ist der Ideenwettbewerb. Zumeist wird dieser als offener Aufruf zur Mitwirkung an der Lösung eines spezifischen Problems gestaltet und über Online-Plattformen bekannt gemacht.

Eines der bekanntesten und wohl auch erfolgreichsten Beispiele ist der P&G Co-Creation Channel. Das Unternehmen stellte sich vor einigen Jahren die Frage, wie man dem Dilemma entgeht, dass es mehr smarte Menschen außerhalb als innerhalb von P&G gibt, und wie man das Engagement der kreativen Talente wecken kann, um die Innovationsführerschaft beizubehalten.

P&G entschied sich dafür, seine eigene Community aufzubauen, um dort gemeinsam mit Designern und Wissenschaftler zu kollaborieren. Neben der intrinsischen Motivation, gemeinsam mit P&G-Experten neue Lösungen zu erarbeiten, bietet das Unternehmen den Dialog mit Gleichgesinnten und attraktive Prämien für die Gewinner der Ideenwettbewerbe.

Mit Hilfe des Co-Creation Channels konnte P&G die Effizienz der Entwicklungsausgaben um 60 Prozent steigern. Die Erfolgsquote bei Produktneueinführung wurde verdoppelt, und heute kommen mittlerweile 35 Prozent aller neuen Produkte von außerhalb.

Während P&G auf die Kreativität und das Können von Experten setzt, vertraut Domino’s Pizza mit der Strategie ‘Power of the Community’ seinen Superfans und auf das Engagement seiner Kunden.

Der ‘Think Oven’ ist eine Ideen und Innovationen suchende App auf Facebook, mit der User schon laufende Projekte beeinflussen, aber auch eigene Ideen und Verbesserungsvorschläge formulieren können.

Think Oven wurde im Februar 2012 gestartet und bislang wurden über 3.500 Ideen für die Pizzabäcker generiert. Domino´s Erfolgsrezept besteht darin, konkrete Projekte auszuschreiben, Transparenz bei der Verwertung der Ideen zu schaffen und angemessene Prämien für die besten Ideen zu bieten. Das gibt Nutzern das Gefühl, als „Mitarbeiter” respektiert zu werden und motiviert zu einer Teilnahme mit qualitativ hochwertigen Vorschlägen. Denn jeder Vorschlag kann von anderen eingesehen werden. Er kann bewertet, kommentiert und im eigenen Facebook-Netzwerk geteilt werden. So kann sich der Nutzer sicher sein, dass sein Beitrag theoretisch die gleichen Chancen hat, wie jede andere. Die Idee entscheidet. Aktuell sind je 500 Dollar für die vier besten Ideen pro Kampagne ausgeschrieben.

2 Kommentare

Thorsten 16. November 2016 at 17:55

Gibt es mittlerweile Daten, wie sich die Plattformen langfristig entwickelt haben? Wäre interessant zu wissen, ob die Anzahl der eingereichten Ideen bspw. bei Domino’s mit der Zeit zurück gingen.

Antworten
bernhard 18. November 2016 at 8:25

Gute Frage Torsten, im konkreten Fall kann ich sie nicht beantworten. Aus meiner Sicht ist es immer eine Frage der Energiezufuhr. Letzlich ist jedes Community-Projekt solange relevant bis sich seine Mission erfüllt hat. Bei Dominio’s vermute ich, dass es eine Eintagsfliege war … angetrieben durch den Wunsch möglichst innovativ und kundenzentriert zu wirken … ich denke es ging primär um Innovationsmarketing und nicht um einen permanenten Austausch mit Lead Usern und Super Fans der Marke … ich werde die Frage aber mal an Hyve weiterleiten, die sollte hier mehr wissen.

Antworten

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Beiträge