Alle zusammen: Mit der Crowd Produkte individualisieren, testen und vermarkten

Alle zusammen: Mit der Crowd Produkte individualisieren, testen und vermarkten

von Bernhard Steimel 11. Februar 2015

Co-Creation


Ein Auszug aus dem Praxisleitfaden Digitale Transformation.


Crowdsourcing-Plattformen bieten Unternehmen unterschiedlichste Möglichkeiten, über Produktangebote abstimmen zu lassen. Das Schweizer Handelsunternehmen Migros beispielsweise sammelt auf der eigenen Kunden-Community Migipedia nicht nur wertvolle Produktbewertungen und Kommentare, sondern lässt seine Kunden auch über das Produktangebot abstimmen.

Die Geschmacksrichtung Vanilla Coke etwa hat Migros aufgrund von Kunden-Votings wieder ins Sortiment aufgenommen und so eine Umsatzsteigerung von 1900 Prozent über Plan erreicht.

„Migipedia hat zurzeit 35 000 Mitglieder. Seit Start im Sommer 2010 gab es 150.000 Kunden-Feedbacks“, sagt Sergio Mare, Leiter Online Kommunikation & Community Management bei Migros. Die Feedbacks werden ausgewertet und gehen dann als Reports an die verantwortlichen Produktmanager.

Wie Migipedia zur Beteiligung inspiriert

Zur Riege der Open Innovation Accelerators (OIA) zählt in Deutschland die Crowdsourcing-Plattform „unserAller“. Hier suchen Unternehmen nach Ideen, um in Zukunft getreu den Wünschen ihrer Kunden produzieren zu können.

Die Drogieriemarktkette dm zum Beispiel wollte die Aufmerksamkeit für die Eigenmarke „Balea“ erhöhen und suchte nach einer Line-Extension für die Wintersaison 2011. Innerhalb von nur acht Wochen reichten 2.721 Teilnehmer 2.379 Vorschläge ein, die über 4.800 Kommentare generierten. Das Ergebnis: eine süß duftende Duschcreme namens „Eisschimmer“, die als Limited Edition in allen 2.700 dm-Märkten angeboten wird und die Verkaufserwartungen weit übertrifft.

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Die bayrische Senf-Manufaktur Mari nutzte die Facebook-Crowd von unserAller, um kollaborativ drei neue Geschmackssorten inklusive Verpackungskonzept zur Marktreife zu bringen. Innerhalb von sechs Wochen entschieden 1.500 Facebook-Nutzer darüber, welche Zutaten der neue Mari-Senf haben und wie das Etikett aussehen soll. Auf unserAller wurden die Vorschläge eingereicht und diskutiert, zu Hause wurde mit Prototypen-Paketen Senf gemischt und in Workshops Senf verkostet. Entstanden sind die Sorten „Wasabi“, „Cassis-Pflaume“ und „Mango-Curry-Honig“. Gewünschter Nebeneffekt: Die Markenbekanntheit der Marke Mari konnte über die bayrischen Grenzen hinaus gesteigert werden.

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Mass Customizing: Produkte individualisieren

Der Mass Customization-Ansatz erlaubt es Konsumenten, eigene, individuell gestaltete Produkte im Rahmen eines vorgegebenen Lösungsraums zu konfigurieren, die dann vom Unternehmen hergestellt und ausgeliefert werden.

Bei mymuesli beispielsweise kann jeder sein ganz persönliches Müsli zusammenstellen und dem Mix obendrein einen kreativen Namen verpassen. Die Müslimischung darf fleißig auf den eigenen Seiten oder Blogs eingebunden und weiterempfohlen werden. Dank der so genannten „Mix-ID“ kann jede individuelle Mischung jederzeit nachbestellt und so auch von Bekannten und Freunden geordert werden. mymuesli ist darüber hinaus immer offen für Kundenvorschläge zu neuen Zutaten.

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Co-Marketing: Produkte vermarkten

Wer zur Markteinführung die Kraft der Weiterempfehlung nutzen will, der setzt auf Produkttester-Kampagnen, um Awareness via Social Media, authentisches Kundenfeedback und Neukunden zu generieren.

Swarovski Optik startete deshalb pünktlich zum Launch des Fernglases „CL Companion“ die Produkttester-Kampagne „World Traveller’s Challenge“. Innerhalb von elf Wochen wurden 28 Millionen Kontaktpunkte in zielgruppenspezifischen Online-Communities generiert.

Aus 320 Bewerbern wählte Swarovski 20 Produkttester aus, die in mehr als 400 authentischen Testberichten ihre Erlebnisse mit dem Produkt online verbreiteten. Der Clou: 88 Prozent der Bewerber würden ein Fernglas von Swarovski weiterempfehlen, und 10 Prozent haben das Produkt bereits gekauft.

Laut Martin Gundolf, Vice President Market and Corporate Communications, bildete die Produkttester-Kampagne auf Facebook, neben der klassischen Bewerbung, einen essentiellen Baustein für die erfolgreiche internationale Markteinführung.

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Crowd-Testing: Feedback und Promotion

Die Sparte „Power Tools Professional“ von Bosch (Bosch Blau) sieht Social CRM als strategischen Bestandteil von CRM und Marketing. Das Unternehmen betreibt die Profi-Community „Bob“ mit rund 35.000 registrierten Nutzern. Auf Facebook baute der Markenanbieter außerdem die Community „Bosch Profi-Elektrowerkzeuge“ auf, um herauszufinden, ob die Fanpage verwertbare Erkenntnisse für das Kundenbeziehungsmanagement liefert.

Im Rahmen der Aktion „Echt Bosch! Jetzt testen!“ wurde gezielt nach Branchenvertretern mit ganz bestimmten Anwendungen und Interessen gesucht, um sicherzugehen, dass man mit den Produkttests die richtigen Zielgruppen anspricht.

„Ein Idealfall sind Produkttester, die noch mit Konkurrenzprodukten von Hilti oder Makita arbeiten, gleichwohl an Bosch-Profi-Elektrowerkzeugen interessiert sind“, so Christoph Bühlen, der für das Online-Marketing bei Bosch Professional Power Tools in Europa verantwortlich ist.

Ein deutlich zweistelliger Prozentanteil der Fans konnte im Rahmen dieser Aktion zum Mitmachen bewegt werden. Ein Ergebnis, das die strategische Bedeutung des Facebook-Engagements für das Marketing belegt.

Eingebunden wurden die Community-Mitglieder auch mit einer Abstimmung über die Benennung von Akku-Klassen für die Profi-Elektrowerkzeuge. Und sie konnten an einem Innovationswettbewerb teilnehmen, aus dem Verbesserungen des Transport- und Verpackungssystems „L-Boxx“ hervorgingen.

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Ein Kommentar

Sabrina 12. Februar 2015 at 11:43

Ich finde so haben beide Seiten was davon. Die Unternehmen die sich so einige Flops ersparen können. Aber auch die Verbraucher die mitbestimmen können. Und wenn man Gründer ist mit einer guten Idee bekommt man sie so schneller verbreitet. Was auch wiederum nicht schlecht ist.

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