Here kann man Geld verdienen

von Nils Tißen 1. Juni 2015

Der finnische Telekommunikationskonzern Nokia steckt mitten im Restrukturierungsprozess. Um Zukunftspläne zu finanzieren, sucht das Unternehmen nun Käufer für seinen digitalen Navigationsdienst Here. Die Interessentenliste ist groß: Uber, Facebook, Daimler und Co. liefern sich einen Bieterwettstreit, in dem es um bis zu drei Millarden Euro gehen soll. Der erst vor wenigen Jahren gestartete Kartendienst könnte nun die Zukunft des Unternehmens maßgeblich beeinflussen.

Here kann man Geld verdienen

 

Das Interesse an Nokias digitalen Navigationsdienst Here wächst. Technologieriesen aus China und dem Silicon Valley, aber auch Autobauer aus Deutschland sind bereit, viel Geld für den Konkurrenten von Google Maps zu zahlen. Das ehemalige Startup-Unternehmen aus Berlin-Mitte zählt zu den drei wichtigsten digitalen Kartenherstellern der Welt.

Die Qualität der Datensätze gilt dabei als besonders verlässlich: Jeden Tag werden bis zu drei Millionen Ergänzungen und Optimierungen für die digitalen Landkarten erstellt. Durch die Speicherung des Kartenmaterials ist der Service auch offline nutzbar. Ein Feature, dass Roaming-Gebühren spart und das Datenbudget schont. Vor allem aber ein Feature, an dem Google Maps aktuell noch arbeitet.

Here kann man Geld verdienen

Quelle: Nokia

Die smarten Funktionen des Nokia Kartendienstes sind vor allem für die Automobilindustrie und die Entwicklung selbstfahrender Autos von Bedeutung. Für sie könnte die Here-Übernahme eine günstigere Alternative sein, denn eine eigene Mapping-Technologie zu entwickeln ist eine sehr komplexe und langwierige Aufgabe.

Digitaler Service ermöglicht Nokias Zukunft

Zuletzt wurde Here auf 2,2 Milliarden Euro taxiert, die Finnen wollen aber mindestens 3 Milliarden Euro von einem potentiellen Käufer. Geld, das ihnen neue Investitionen ermöglicht und sie wieder auf Erfolgkurs bringen könnte. Wo Nokia einst noch den Handymarkt prägte, herrscht heute Funkstille. Man hat es verpasst, ein eigenes Ökosystem aus Soft- und Hardware zu schaffen. Stattdessen eroberten die Konkurrenten Apple und Google die technologische Führungsposition. Mit der Übernahme von Alcatel-Lucent, die durch den Verkauf von Here finanziert werden soll, will sich Nokia neu erfinden und sich zum internationalen Netzwerkausrüster wandeln.

Here kann man Geld verdienen

Quelle: Nokia

Vom technologischen Vorreiter mit großartigen Zukunftsaussichten zum Absturz in die Bedeutungslosigkeit: Die Geschichte von Nokia zeigt, wie schnell sich die Anforderungen auf dem Markt verändern und vor allem wie schnell Unternehmen scheitern, wenn sie den Anschluss daran verpassen. Betrachten wir nun aber die aktuelle Situation, könnte Nokia künftig wieder zum Vorbild werden. Ganz gleich, ob strategisch geplant oder glücklicher Umstand: Digitale Services wie Nokia Here zeigen die Potentiale für unsere Wirtschaft.

Sind eigene Startups das Zukunftsmodell für Unternehmen?

In Zeiten der Digitalisierung müssen sich Unternehmen schon einmal neu erfinden, wenn sie flexibel und innovationsfähig bleiben möchten. Dabei lassen sich neben Nokia auch andere Unternehmen finden, die sich aus eigener Kraft für die digitale Zukunft rüsten.

So gründete die Daimler AG 2012 das Startup Moovel und begann mit der Erschließung neuer Geschäftsfelder im Bereich Mobilitätsmodelle der Zukunft. Mittlerweile hat Moovel Mobilitätsanbieter wie myTaxi oder car2go integriert und entwickelt sich zu einem der führenden Spieler in diesem Segment.

Ein großartiges Beispiel, wie Unternehmen auch abseits ihres Kerngeschäfts mit digitalen Services erfolgreich sein können. Denn viele erfolgreiche Geschäftsmodelle haben heute mit Digitalisierung zu tun. Unternehmen müssen selbst innovative Ansätze suchen und ihre Produkte infrage stellen, bevor clevere Startups den Markt besetzen. Sie müssen den Mut entwickeln, unkonventionelle Wege zu gehen und eigene Startups zu gründen.

 

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