Verschlafen deutsche Banken den digitalen Wandel?

Verschlafen deutsche Banken den digitalen Wandel?

von Jens Klemann 21. September 2015

Der digitale Wandel ist in vollem Gange, keine Branche bleibt davon verschont, kein Unternehmen kann es sich leisten, diese Entwicklungen einfach auszusitzen. Doch gerade in der Schlüsselbranche der Finanzdienstleistungen scheint dies noch nicht in vollem Umfang angekommen zu sein. Während PayPal allein hierzulande schon 15 Millionen Kunden zählt, beschäftigen sich deutsche Banken seit vielen Jahren mit Diskussionen um strategische Allianzen und haben bisher ausser ein paar Pressemitteilungen zu neuen Bezahlverfahren noch nicht viel hervorgebracht.

So mahnte dann auch Bundesbank Vorstand Dombret in einer Rede unlängst, dass deutsche Bänker endlich einen Perspektivenwechsel vornehmen müssen, die Digitalisierung nicht länger als DAS PROBLEM sondern vielmehr als die LÖSUNG verstehen müssten.

Er empfiehlt deutschen Banken und Sparkassen sich aktiv und intensiv mit der Bedeutung des Themas Digitalisierung für das eigene Institut auseinanderzusetzen. Traurig genug und höchst bedenklich für die Branche, dass dieser Apell zum jetzigen Zeitpunkt überhaupt noch thematisiert werden muss.

Die Debatte um FinTechs verspricht dabei ein spannendes Spielfeld zu werden: Versucht nahezu jede größere Bank sich hier an jedem neu aufkeimenden Startup krampfhaft zu beteiligen, um sich wenigstens Innovation von aussen zu sichern, droht die Bundesbank dagegen, derzeit noch unregulierte Wettbewerber künftig genauer unter die Lupe zu nehmen. Gut dass die Branche den Regulierer hat – sonst würde der digitale Wandel hier sicher noch schneller voran schreiten.

Verschlafen deutsche Banken den digitalen Wandel?

 

Dass Digitalisierung dabei nicht nur Risiken und Bedrohung, sondern auch grosse Chancen mit sich bringt, wird immer wieder gerne vergessen. Am Beispiel der neuen Online Bank Number26 kann man sehen, wie „smart“ eine konsequent digitale Alternative zu einer normalen Kontoverbindung aussehen kann. Selbst die Kontoeröffnung läuft komplett digital und ohne Aufwand ab, die Kreditkarte kann für verschiedene Anwendungsgebiete einfach per App selbst aktiviert/deaktiviert werden. DAs beste daran: Alle Leistungen – inklusive weltweiter Bargeldabhebung an Geldautomaten – sind kostenlos.

Verschlafen deutsche Banken den digitalen Wandel?

 

Doch selbst im traditionellen, persönlichen Filialgeschäft steckt noch Potenzial, wenn man die Möglichkeiten der Digitalisierung nutzt und dabei vor allem den Kundennutzen im Fokus hat, wie die englische Metro Bank zeigt. An 7 Tagen geöffnet sind hier auch Kinder und Haustiere (!) gerne willkommen – die Bedürfnisse des Kunden stehen stets an erster Stelle und der grosse Erfolg gibt dem Institut recht. Seinen Kunden wirklich zuzuhören zahlt sich eben aus, eine gute „Customer Experience“ zu schaffen ist noch immer ein wesentlicher Erfolgsfaktor und die notwendigen Tools bzw. Technologien die auch effizient tun zu können werden immer zahlreicher.

Auch wenn die Digitalisierungsstrategie im Kopf anfängt und bei vielen sogar schon den Weg aufs Papier gefunden hat, muss sie stets agil bleiben und vor allem durch die gesamte Organisation getragen werden und diese mitnehmen!

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