Smarter Service Gallery: Pocket FM

Pocket FM: Freies Radio für Krisengebiete

von Manja Baudis 11. November 2015

Die Smarter Service Gallery

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Pocket FM

Mithilfe einer kleinen schwarzen Box, konzipiert in Berlin, werden immer mehr Syrer mit unabhängigen Informationen versorgt. Per dezentraler Sendetechnik wird damit freies Radio und Unterhaltung im syrischen Kriegsgebiet möglich und ein Stück Pressefreiheit ins Land zurückgebracht.

Pocket FM ist nicht größer als ein Schuhkarton, kann an Steckdose, Autobatterie oder Solarzelle angeschlossen werden und sendet via Sattellit. Konzipiert hat das Gerät die deutsche Non-Profit-Organisation Media In Corporation and Transition (MiCT).

Angefangen habe das Projekt, mit dem MiCT bereits seit 2013 im Auftrag des Auswärtigen Amtes in Syrien aktiv ist, mit großen Sendeanlagen, erklärte Philipp Hochleichter von MiCT in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur. Das habe sich jedoch schnell als sehr schwierig erwiesen. Die Sendeanlagen wurden zerstört oder es fehlte an Strom, sie zu betreiben.

Man verzichtete also fortan auf große, ebenso kostspielige wie auffällige, Sendetürme und begann stattdessen in vielen Orten die kleineren, kaum sichtbaren Sender zu installieren. Damit lassen sich genauso viele Menschen erreichen – bei geringerem Risiko, entdeckt zu werden. Und auch bei Ausfällen einzelner Geräte bleibt die Radioversorgung erhalten.

Die Bedienung von Pocket FM sei so einfach, dass man kaum etwas falsch machen könne, sagt Hochleichter. Die etwa zwei Kilogramm schwere robuste Metallbox bietet von außen lediglich ein paar Tasten, ein Display, einen USB-Anschluss, einen Line-Eingang, einen Eingang für das Satellitensignal, einen Antennenanschluss und Stromversorgung. Im Inneren steckt ein Raspberry Pi 2 Model B.

Das Gerät kommt mit wenig Strom und ohne Festplatte oder Lüfter aus – viel zu anfällige und wartungsintensive Komponenten. „Wir wollten ein Gerät entwickeln, das, einmal eingerichtet, ohne besondere Wartung in Betrieb bleibt.“, sagt Hochleichter im Gespräch mit Golem.de.

Mit einer Sendeleistung von 25 Watt lässt sich mit Pocket FM ein Radius von sechs Kilometern abdecken. Aktuell senden in Syrien zehn Geräte, weitere 13 sollen folgen. Doch hier liegt die nächste Hürde: Pocket FM kann nicht einfach per DHL nach Syrien verfrachtet werden. Deshalb nutzen die Macher Umwege: Von Berlin aus geht ein Paket an einen Kontaktmann in der Türkei. Der bringt den Sender in kurdische Gebiete und von dort gelangt er über verschlungene Pfade zum Betreiber in Syrien. „Ich weiß gar nicht, wer das am Ende ist“, sagt Hochleichter. „Und das ist auch gut so. Weniger für mich, als für denjenigen, der den Sender vor Ort installiert.“

Gesendet wird 18 Stunden am Tag – ein aus neun Sendern zusammengeschnittenes Programm, das von Studios der so genannten moderaten Opposition in der Türkei, Frankreich und Syrien stammt. MiCT in Berlin stellt die Redaktion, die die Sendezeiten zuweist.

Pocket FM ist kein Produkt für den Massenmarkt. Im nächsten Jahr allerdings sollen alle Baupläne und die nötige Software für die dritte Pocket FM-Generation unter offener Lizenz verfügbar sein.

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