Ein UX Innovation Workshop? So geht’s.

Ein UX Innovation Workshop? So geht’s.

von Gastautorin/Gastautor 1. Februar 2016

Ein Gastbeitrag von Anne Krüger und Matthias Peissner

Im letzten Gastbeitrag haben beide Autoren erklärt, wie sich mit Ansätzen aus dem Human-Centered Design und der klassischen User Experience positive Nutzererlebnisse entlang der gesamten Customer Journey gestalten lassen. Heute zeigen sie uns eine dafür geeignete Methode.

Der UX Innovation Workshop

Der UX Innovation Workshop ist eine Methode, die im Entwicklungsteam durchgeführt wird. Die grundlegenden Nutzerbedürfnisse werden auf typische Anwendungsszenarien angewendet, um Ideen für positive Nutzungserlebnisse zu generieren. Diese werden anschließend in Eigenschaften und Funktionen eines zukünftigen Smart Services übersetzt.

Der UX Innovationworkshop eignet sich besonders zum Einsatz in den frühen Phasen des Produktinnovationsprozesses. Zur Durchführung wird ein erfahrener Moderator und UX Experte benötigt.

Ablauf und Durchführung

Eine Sitzung dauert etwa zwei bis drei Stunden und verläuft in sechs Phasen:

Ein UX Innovation Workshop? So geht’s.

Ablauf eines UX Innovation Workshops

Mindset

Zu Beginn erhalten alle Teilnehmer einen kurzen Einblick in die Prozesse und Hintergründe des kreativen Arbeitens in Form eines interaktiven Vortrags. Es ist wichtig, dass die Teilnehmer dabei einen aktiven Part einnehmen und über die hierdurch gemachten Erfahrungen Erkenntnisse für sich ableiten.

So dient die – in dieser Phase häufig verwendete – Methode „Nachbarn zeichnen“ dazu, den Begriff des kreativen Potentials für jeden persönlich zu definieren. Und es lassen sich damit eventuell vorhandene Kommunikationshindernisse zwischen einzelnen Teilnehmern durch Humor abzubauen.

Darüber hinaus werden in dieser Phase Regeln für die Zusammenarbeit und das allgemeine Vorgehen während des Workshops vorgestellt.

Kontext

Mithilfe eines typischen Anwendungsszenarios wird der Gruppe der vorab definierte Nutzungskontext kommuniziert.

Empathie

Daraufhin entwickeln die Teilnehmer im Team gemeinsam ihre Bedürfnispersona – mithilfe der Empathy Map. Hierbei werden für das Bedürfnis typische und für den Kontext relevante Charakterzüge, exemplarische Verhaltensweisen, Denkansätze und Gefühlswelten herausgearbeitet.

Ideenfindung

In der nächsten Phase werden Ideen entwickelt: Wie kann die zu entwickelnde Schnittstelle der Persona helfen, etwas Positives zu erleben? Das geschieht beim Silent Brainstorming. Dabei wird offensichtlichen Ideen Raum gegeben und eine hohe Diversität an Ideen als Ausgangslage zugelassen.

Die Teilnehmer haben fünf Minuten Zeit, um die Frage für sich zu beantworten und diese Antwort auf Haftnotizen zu visualisieren. Anschließend stellen alle Teilnehmer ihre Ideen vor, wobei sie auf andere Ideen aufbauen, diese zusammenfügen und darin Muster erkennen.

Die Ideenfindung ist meist sehr interaktiv. Die Teilnehmer sind angehalten, gemeinsam alle Ideen auf einer Kreativfläche zu diskutieren und festzuhalten. In dieser Phase ist deshalb eine sehr enge Begleitung durch die Moderation erforderlich.

Evaluation

Es folgt eine Bewertung der Ideen. Dafür ist es hilfreich, die Punkte aus dem magischen Dreieck (Qualität, Kosten, Zeit) zu diskutieren und gemeinsam im Team Bewertungskriterien zu definieren. Jeder Teilnehmer erhält anschließend eine Anzahl an Klebepunkten, um damit abzustimmen, welche Ideen in der nächsten Phase weiterverfolgt werden sollen.

Visualisierung

Bei der Visualisierung der ausgewählten Ideen geht es nicht um den perfekten Prototypen. Vielmehr soll mit einfachen Materialien wie Knete, Papier oder Lego in Kombination mit Wizard-of-Oz-Prototyping oder Rollenspielen ein gemeinsames mentales Modell der Idee geschaffen werden. Das dient dann als Kommunikationsbasis für die weiteren Prozessschritte. Außerdem hilft die „Reflection-in-Action“, neue Ideen zu generieren und langwierige Diskussionen zu vermeiden.

Praktisches Tool: Die Empathy Map

Die Empathy Map ist ein Template, mit dem sich ein Team im Rahmen eines Workshops einen gemeinsamen Standpunkt zu wesentlichen Nutzereigenschaften erarbeiten kann. Wenn möglich, sollte hierfür auf empirische Daten aus dem User Research zurückgegriffen werden.

Ein UX Innovation Workshop? So geht’s.

Empathy Map – Template zur Unterstützung des Ideenfindungsprozesses durch Empathie für die Nutzergruppen

Zunächst wird das Aussehen der Persona auf der vorgegebenen Outline gezeichnet und ihr Steckbrief (Alter, Ausbildung, Hobbies) angegeben.

Anschließend wird die Außenwahrnehmung der Person – die Verhaltensweisen und Aussagen – festgehalten (linke Seite auf der dargestellten Empathy Map). Daraufhin werden daraus Rückschlüsse auf die Gedanken und Gefühle der Persona gezogen.


Nächste Woche folgt: Ideenfindung mit UX Concept Inspiration.

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