Omnichannel-Roadmap: Schlüssel zum Erfolg

von Harald Henn 14. Oktober 2016

Die Entwicklung einer strategischen und umsetzbaren Omnichannel-Roadmap ist das Top Thema für Call Center und Kundenservice-Verantwortliche.

Das Thema Digitalisierung überlagert derzeit nahezu alle anderen Themen in unserer Gesellschaft: In Unternehmen dominiert die Diskussion um die digitale Transformation und verdrängt alles andere. Und auch Call Center und Kundenservice können sich dieser Diskussion nicht entziehen.

Was ist die richtige Strategie für die digitale Zukunft des Kundenservice? Allzu oft wird aus der Frage: Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf den Kundenservice? – ein allgemeiner Digitalisierungsaktionismus. Hauptsache es wird digitalisiert.

Digitalisierung ist keine Strategie. Es gibt nur eine Strategie, in einem sich ändernden, zunehmend digitalen Umfeld.

Dass die Digitalisierung am Kundenservice und den Call Centern nicht spurlos vorübergehen wird, ist jedem klar. Ob das eigene Unternehmen diese Veränderung für sich und seine Kunden nutzbringend gestalten kann, ist eine Frage der richtigen Strategie. Und hier gilt es, einige Rahmenbedingungen zu berücksichtigen, bevor man die digitale Zukunft des Kundenservice für das eigene Unternehmen konzipiert:

  • Die Geschwindigkeit mit der sich Märkte ändern, nimmt zu. Diese Geschwindigkeit ist sehr viel höher als die Adaptionsgeschwindigkeit der Organisation.
  • Das Kommunikationsverhalten der Kunden ändert sich. Traditionelle Kanäle stagnieren. Chat oder Instant Messaging dagegen erfreuen sich dreistelliger Zuwachsraten.
  • Die Komplexität in der IT/TK-Infrastruktur nimmt weiter zu. Die neuen Kommunikationswege müssen in die bestehende Landschaft integriert werden.
  • Die Erwartungen der Kunden an ein einfaches, konsistentes Einkaufs- und Serviceerlebnis steigen – nicht zuletzt auf Grund von Leuchtturmprojekten
Omnichannel-Roadmap: Integrations-Konzept ist Schlüssel zum Erfolg

Multikanal vs Omnichannel

Die Messlatte an eine gute Omnichannel-Roadmap-Strategie wird jeden Tag ein Stück höher gelegt. Kunden honorieren einfachen, schlanken und zuverlässigen Service, der orts- und zeitunabhängig funktioniert. Und ein exzellenter Kundenservice entwickelt sich immer mehr zum „besten Verkäufer“ des Unternehmens. Gute Kundenbewertungen bei Amazon oder Holidayckeck sind ein wichtiges Kaufkriterium. Gute Erreichbarkeit und hohe Fachkompetenz im Call Center sprechen sich auf Social Media Plattformen herum.

Eine entscheidende Rolle im Kommunikationsmix spielen dabei Smartphones. Sie entwickeln sich zum Dreh- und Angelpunkt der Kommunikation mit den Unternehmen. Telefonieren, SMS oder E-Mail schreiben, per Instant Messaging oder Chat kommunizieren oder die App eines Unternehmens nutzen: die Möglichkeit nach Belieben den geeigneten Zugangsweg zum Unternehmen zu nutzen, wird für Kunden zur Selbstverständlichkeit.

Für den Kundenservice ist das eine große Herausforderung. Es ist nicht nur die Zunahme der Kanäle, die den Verantwortlichen im Kundenservice Kopfschmerzen bereitet. Die Geschwindigkeit mit der neue Medien und Technologien Einzug in den Kommunikationsalltag halten, überfordert die Unternehmen. Vergleichbar mit einem Tsunami sind in den letzten beiden Jahren viele neue Technologien über Call Center und Customer Care hereingebrochen, die implementiert, in die vorhandene IT-Architektur integriert und gegenüber dem Kunden synchronisiert werden müssen.

Was zuerst umsetzen? Was ist aus Markt- und Kundensicht notwendig – was in Bezug auf Ressourcen und Budget verkraftbar? Die schiere Komplexität der möglichen Konzepte, Lösungen und Anbieter ist erdrückend.

Strategisches Grundprinzip: Außen fächern – innen bündeln

Dem Kunden gegenüber kommt man an einem breit aufgestellten Angebot an Zugangswegen nicht vorbei. Unterschiedliche Präferenzen je nach Alter, Ort, Stimmung oder Anlass erfordern eine Kommunikationspalette, die alle Optionen bietet. Die breite Fächerung des Kommunikationsangebotes muss einhergehen mit der Integration und Synchronisierung der unterschiedlichen Systeme.

Besonders für Mitarbeiter im Call Center – der Stelle wo fast alle Fäden zusammenlaufen – kommt es darauf an, eine lückenlose Sicht auf die Interaktionen mit den Kunden zu haben. Und dabei ohne Zeitverzögerung das Kundenanliegen bearbeiten können. Allzu oft müssen Mitarbeiter im Kundenservice zwischen verschiedenen Anwendungen hin und her jonglieren, per Kopieren und Einfügen Daten bewegen und für die Beantwortung der Kundenfrage Systeme wechseln. Neben der Fehleranfälligkeit ist diese Arbeitsweise höchst unproduktiv. Exzellente Omnichannel-Konzepte sind ohne durchdachte Integrationskonzepte nicht zu betreiben.

Vor diesem Hintergrund muss für die Omnichannel-Roadmap Strategie des Kundenservice ein Zielbild entwickelt werden, welches die folgenden Fragen adressiert:

  • Wie will sich das Unternehmen in den Kundenserviceprozessen darstellen und vom Mitbewerb abgrenzen?
    • Was schätzen die Kunden am Unternehmen?
    • Welche digitalen Kontaktpunkte (touchpoints) sind aus Kundensicht wichtig?
    • Wie steht das Unternehmen aus Sicht der Kunden in Bezug auf Einfachheit, Konsistenz und Zeitersparnis da?
  • Wie sieht die eigene Kostenstruktur im Kundenservice aus?
    • Welche Einsparpotentiale sollen realisiert werden, um im Markt bestehen zu können?
  • Wie agil sind die eigenen Organisationsstrukturen und Prozesse?
    • Ist der Kundenservice wendig und flexibel, um auf Kundenwünsche entsprechend reagieren zu können?
    • Wie agil ist die IT/TK-Infrastruktur, um sowohl Kunden- als auch den eigenen Organisations-Anforderungen gerecht zu werden?
  • Wie gut ist die Fähigkeit der eigenen Organisation einzuschätzen, um aus den Daten der Kundeninteraktionen Kenntnisse zu gewinnen, die die eigene Wettbewerbsfähigkeit stärken?
Omnichannel-Roadmap: Integrations-Konzept ist Schlüssel zum Erfolg

Bewertungsmatrix für Omnichannel-Roadmap

Omnichannel-Roadmap als strategischer Erfolgsfaktor

Ziel- und Interessenkonflikte sind bei der Abwägung von Marktanforderungen und internen Ressourcen vorprogrammiert. Nicht alles, was aus Marktsicht dringend erforderlich wäre, lässt sich in einer gewachsenen Infrastruktur bei begrenzten Budgets und IT-Ressourcen entsprechend umsetzen. Eine Roadmap, die alle digitalen Umsetzungsinitiativen und Wünsche priorisiert und bewertet, ist unabdingbar. Schnellschüsse in der Konzeption der Omnichannel-Roadmap, nur um dem Markt etwas Vorzeigbares ankündigen zu können, rächen sich bei mittel- und langfristiger Betrachtung.

So ist ein WhatsApp-Angebot zur Kommunikation schnell angekündigt. Spätestens jedoch, wenn es um die Integration der WhatsApp-Dialoge in ein CRM-System geht, um eine lückenlose Kontakthistorie sicherzustellen, zeigen sich die wahren Kosten und Ressourcenprobleme.

Vordenken erspart nachdenken. Die Versuchung, Omnichannel-Roadmap-Konzepte auf die Implementierung einer neuen Technologie zu beschränken, ist groß. Allzu oft wurden in der Vergangenheit neue Technologien an bestehende Strukturen angebaut, anstatt Strategie, Prozesse und die Auswirkungen auf die Organisation mit zu berücksichtigen. Mit jeder „angebauten“ und nicht integrierten Lösung steigt die Komplexität. Und nicht selten stellen Call Center fest, dass ihre technologischen Plattformen, die sie vor einigen Jahren implementiert haben, nicht erweiterbar oder skalierbar sind. Hier erweist sich die Erstellung einer Omnichannel-Roadmap als hilfreich. Sie berücksichtigt alle wesentlichen Einflussfaktoren für die Ausgestaltung einer Omnichannel-Management-Strategie.

Externe Einflussfaktoren wie globale Trends fließen ebenso in die Omnichannel-Roadmap ein, wie die eigene Strategie, vorhandene Ressourcen, Auswirkungen auf die eigene Organisation etc. Wichtig ist, ein klares, konkretes Konzept für den eigenen Omnichannel-Kundenservice auf Basis der Kundenerwartungen und der eigenen Strategie zu entwickeln.

Ein Hersteller eines erklärungsbedürftigen Produktes im B2B Markt wird bei der Konkretisierung der Omnichannel-Strategie bei der Bewertung der technischen Möglichkeiten zum Ergebnis kommen, dass eine Co-Browsing/Videochat Lösung z.B. einen nachweisbaren Nutzen für die Kunden bietet und eventuell bereits von Mitbewerbern erfolgreich eingeführt wurde. In anderen Branchen mag der Nutzen für die Kunden zunächst auf anderen Service-Angeboten liegen.

Die Möglichkeit sich im Markt erfolgreich abzuheben von der Konkurrenz ist eine Möglichkeit die Prioritäten festzulegen. Der eigene Handlungsrahmen ist die zweite Einflussgröße. Je nach Ausgangslage kann dies zu völlig unterschiedlichen Konzepten führen. Ein Unternehmen mit einer völlig veralteten Telefonanlage, isoliert arbeitenden Fax-Servern, rudimentären E-Mail Management Systemen, dass gleichzeitig einem enormen Wettbewerbsdruck ausgesetzt ist, mag um einen Big Bang Ansatz nicht herumkommen. In anderen Unternehmen kann eine schrittweise Erweiterung der bestehenden Struktur um Videochat und Instant Messaging der richtige Weg sein. Die beiden Parameter: Wirksamkeit im Markt und eigene Realisierungsmöglichkeiten führen im Ergebnis zu einer Roadmap mit bewerteten Maßnahmen.

Omnichannel-Roadmap: Integrations-Konzept ist Schlüssel zum Erfolg

Omnichannel-Roadmap Einflussfaktoren

Die digitale Zukunft des Kundenservice ist für jedes Unternehmen individuell zu gestalten. Die eigene Historie, Ressourcenverfügbarkeit und angestrebte Positionierung im Markt ergeben die Grundlage für den Fahrplan. Dieser ist angesichts der eingangs beschriebenen Dynamik kein statisches, in Beton gegossenes Gebilde.

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