Initiative Industrial Data Space: Referenzarchitektur für eine Smart Service Datendrehscheibe

Initiative Industrial Data Space: Referenzarchitektur für eine Smart Service Datendrehscheibe

von Bernhard Steimel 14. November 2016

Sebastian Steinbuß vom Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST im Smarter Service Talk mit Bernhard Steimel zum Thema: Digital Business Engineering, Smart Services und Initiative Industrial Data Space. [Teil 3]


Sebastian Steinbuß - Smarter Service Talk

Von Ihnen wurde die Initiative Industrial Data Space mit ins Leben gerufen. Wozu wurde der Verein gegründet, wer arbeitet mit und was sind erste Ergebnisse?

Die Grundidee des Industrial Data Space ist, dass Unternehmen heutzutage immer mehr vernetzt sein müssen und dass der Datenaustausch unter bestimmten Regulatoren erfolgen sollte. Wichtige Stichworte sind Transparenz, Sicherheit und Datenschutz. Außerdem müssen Unternehmen selbst steuern können, wer welche Daten bekommt. Und – das sage ich jetzt ganz vorsichtig – man braucht so etwas wie einen Marktplatz. Dies haben wir als Fraunhofer gemeinsam dem Bundesforschungsministerium vorgeschlagen.

Wir haben ausgearbeitet, was man dafür tun müsste und was die wesentlichen Inhalte wären. Um den Industrial Data Space zu entwickeln – nicht als Produkt, sondern als Referenzarchitektur –, erhalten wir eine finanzielle Förderung. Wir möchten dabei nicht im Forscher-Elfenbeinturm sitzen und etwas entwickeln, das die Industrie dann möglicherweise so gar nicht braucht. Deshalb gibt es den Verein. Ihm gehören viele große Unternehmen an wie Allianz, Atos, Bayer, Boehringer Ingelheim, Bosch, Schaeffler, Sick, Volkswagen und viele, viele mehr. Alle haben ein großes Interesse daran, entweder ihre Daten im Unternehmen oder über Unternehmensgrenzen hinweg effizienter austauschen zu können als bisher.

Die Unternehmen, die sich im Industrial Data Space zusammengeschlossen haben, können Einfluss nehmen auf unsere Entwicklung der Referenzarchitektur. Was aber noch viel wichtiger ist: Sie geben uns Anwendungsfälle. Wir arbeiten jetzt seit etwas mehr als einem Jahr daran und führen die einzelnen Use Cases zu größeren Anwendungsfällen zusammen.

Im Groben haben wir die Referenzarchitektur bereits entwickelt, sie ist föderal und sie wird für die Umsetzung immer detaillierter ausgearbeitet. Die tatsächliche Realisierung findet bei den Unternehmen statt. Jedes Unternehmen verfügt über einen oder mehrere Konnektoren, die die Verbindung zum Industrial Data Space herstellen. Es gibt einen zentralen Broker, der sich noch in der Entwicklung befindet, aber der Konnektor ermöglicht bereits den Datenaustausch zwischen den Unternehmen. Dabei kann genau gesteuert werden, wer was wie sehen darf.

In dem einen Jahr, in dem wir nun schon an der Referenzarchitektur arbeiten, sind wir auch auf unvorhergesehene Probleme gestoßen. Zum Beispiel dies: Forschende Pharmaunternehmen verfügen über riesige Gen-Datenbanken. Sollen die Gen-Datensätze in einem anderen Unternehmensteil bearbeitet werden, lädt das Unternehmen die Festplatten in einen Container und schickt sie dort hin. Nach der Bearbeitung werden sie genau so wieder zurückgeschickt. Das ist reichlich ineffizient.

Das heißt, wir reden im Industrial Data Space auch über Technologien wie Remote Data Processing: Ich habe meinen Analyse-Algorithmus, den schicke ich rüber zu dem, der die Daten hat, da wird analysiert und ich bekomme ein Ergebniswert zurück, also einen minimalen Datenwert. Ein wesentlicher Punkt ist also, dass diese Apps transferiert werden können, dass sie in verschiedenen Konnektoren laufen können – aber in einer Form, die die Datensicherheit gemäß der Rechtslage gewährleistet.


Interview [Teil 1] und [Teil 2]


Sebastian Steinbuß ist seit sieben Jahren wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer ISST in der Abteilung Digitalisierung und Logistik. Er forscht dort zu den Themen Business Cloud Solutions und Digital Business Engineering. In seiner Funktion entwickelt er Prototypen für smarte Produkte oder Services und unterstützt Firmen aus unterschiedlichen Branchen bei den Herausforderungen der digitalen Transformation.

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