TREND: Aufbruch in die Smart Service Welt

TREND: Aufbruch in die Smart Service Welt

von Bernhard Steimel 30. März 2017

Mehr als 20 Jahre nach der Entstehung des World Wide Web treten wir nun in eine neue Ära der Internet-Nutzung ein, in das Internet der Dinge. Dort werden alle Dinge, die bisher von ihren menschlichen Benutzern gesteuert worden sind, mithilfe von Computern und Netzverbindungen intelligenter. Durch die Vernetzung wachsen sie über ihren bisherigen Gebrauchswert hinaus.

Durch die Vernetzung und Kommunikation von allem mit jedem verschmelzen die digitale und die physische Welt und werden zu einer neuartigen Smart-Service-Welt.

Das Internet verändert sich und wir mit ihm

Diese Entwicklung spielt sich nicht nur im privaten Alltag ab, sie betrifft auch Unternehmen. Kostengünstige Sensoren und netzwerkfähige Kleincomputer erlauben den Unternehmen die Auswertung von Daten, die sie bisher nicht einmal ansatzweise nutzen konnten. Nach Ansicht zahlreicher Experten wird in Zukunft die Wertschöpfung durch Daten strategisch wichtiger, als es zurzeit die Wertschöpfung durch die Produktion ist.

Je mehr Sensoren Daten senden, desto größer wird auch die Bedeutung von Echtzeit-Datenanalysen, um eine smarte Steuerung zu ermöglichen. Dieser Veränderungsprozess wird oft auch als Digitalisierung bezeichnet und er führt dazu, dass ganze Branchen neu gestaltet werden. Zum Teil sind hier sogar Produkte möglich, die bisher nur schwer lösbare Probleme auf völlig neue Weise lösen, auch durch die Kombination unterschiedlicher Wirtschaftssektoren, etwa Bio- und Informationstechnologie im Umweltschutz.

Viele Führungskräfte fremdeln noch

Dabei liegen hier Möglichkeiten für etwas, das von einigen als „digitales Wirtschaftswunder“ bezeichnet wird. Nach Ansicht vieler Experten wird die installierte Gerätebasis in den nächsten Jahren enorm anwachsen. Nach Untersuchungen der Analysten von IHS waren 2015 etwa 15 Milliarden Geräte über das Internet der Dinge verbunden. Diese Zahl soll bis 2025 auf mehr als 75 Milliarden Geräte ansteigen. Auf einer IoT-Fachkonferenz, die im Sommer 2016 in Hong Kong stattfand, bewerteten Experten von McKinsey den Gesamtmarkt im Jahr 2025 auf rund sechs Billionen Dollar.

„Wer wird diese Möglichkeiten ergreifen?“ fragte McKinsey-Analyst Chris IP in Hong Kong.

Viele Unternehmen haben noch keine schlagkräftige Strategie für diese Situation. Ihre Führungskräfte fremdeln mit der Digitalisierung, da sie außerhalb ihrer Erfahrungswelt stattfindet. Wenn das Management eines Unternehmens das Nutzenversprechen für die nächste Ära seines Geschäfts entwickeln will, darf es nicht linear vorgehen, sondern muss lernen, wie ein Internet-Startup zu denken. Diese beschränken sich schon lange nicht mehr auf Entwicklung, sondern haben begonnen, die Welt der Alltagsgegenstände umzugestalten und zu revolutionieren. Angesichts dieser Entwicklung läuft die deutsche Wirtschaft Gefahr, den Anschluss an die vernetzte Service-Ökonomie zu verlieren.

Die Frage lässt sich erweitern: Werden deutsche Unternehmen diese Chance ergreifen, vor allem der traditionell starke deutsche Mittelstand? Nach einer langen Phase des Zögerns werden inzwischen in zahlreichen mittelständischen Unternehmen die ersten Projekte angegangen. Laut einer Untersuchung des Marktforschungsunternehmens IDC im Auftrag von SAP haben gut 63 Prozent der kleinen und mittelgroßen Unternehmen die digitale Transformation angestoßen und modernisieren ihre Geschäftsprozesse.

Aber: Die Studie zeigt auch, dass der Mittelstand derzeit noch sehr zögerlich bei Investitionen ist. Er setzt auf Digitalisierungsprojekte, die ohne großen Kostenaufwand umzusetzen sind – etwa Effizienzverbesserungen bei bestehenden Prozessen.

„Die Relevanz und Notwendigkeit zusätzlicher Investitionen werden hierzulande immer noch nicht gesehen“, konstatieren die Autoren der Studie.

Zudem verfolgt die Mehrheit der Unternehmen das Thema nur aus technischer Sicht. Nach Ansicht der Management-und Technologieberatung Bearing Point besteht für den größten Teil der Unternehmen die Digitalisierung nur im Einsatz neuer Technologien und Tools. Die Realisierung neuer Geschäftsmodelle dagegen wird nur von etwa einem Drittel der Unternehmen als wichtige Aufgabe in der Digitalisierung angesehen. Dass die Transformation auch einen kompromisslosen Fokus auf den Kunden bedeutet, ist lediglich bei einer sehr kleinen Anzahl der Unternehmen angekommen: Fünf Prozent der Großunternehmen, zehn Prozent der Mittelständler.


Das ist ein Auszug aus dem neuen Praxisleitfaden „Internet der Dinge“, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht.

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