Die Transformation erfasst alle Unternehmensbereiche

Die Transformation erfasst alle Unternehmensbereiche

von Bernhard Steimel 8. Juni 2017

Ein Auszug aus dem neuen Praxisleitfaden „Internet der Dinge“, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht.


Neben allgemeinen Produktfähigkeiten können Unternehmen beim Design von Smart Services in zahlreichen Funktionsbereichen zusätzliche, für Kunden attraktive Fähigkeiten in ihre Produkte aufnehmen.

Industrieproduktion:

In Smart Factories arbeiten vernetzte Maschinen und Anlagen, die die Produktion in großem Maße automatisieren und optimieren. Condition Monitoring und Predictive Maintenance erlauben die Verringerung von Ausfallzeiten und Erhöhung der Qualität der produzierten Waren. Durch den weitgehenden Einsatz von Software für die Gestaltung von Funktionen können die physischen kompetenten Enden der Produkte vereinfacht werden, sodass die Anzahl der notwendigen Produktionsschritte gesenkt werden kann. Darüber hinaus erlaubt Software auch das Nachrüsten von Funktionen in bereits ausgelieferten Produkten.

Fallbeispiel: TU Dresden – 3D-Betondruck

Die TU Dresden überträgt die additiven Fertigungsverfahren aus der Industrieproduktion auf das Baugewerbe. Mit dem Verfahren „Beton-3D-Druck“ werden durch schichtweises Auftragen eines schnell erhärtenden Spezialbetons mit Hilfe einer Druckvorrichtung ganze Gebäudestrukturen direkt auf der Baustelle errichtet. Die Steuerung erfolgt über Daten, die vor allem Geometrie und Materialdaten enthalten und aus speziell aufbereiteten Bauwerksmodellen generiert werden. Der Großraummanipulator zur Positionierung des Druckkopfes basiert auf herkömmlichen Maschinenkonzepten. Schalungsarbeiten können entfallen, wodurch Material- und Personaleinsatz optimiert werden.

Logistik:

In diesem Bereich werden bereits seit langem Vorformen von modernen Smart Services eingesetzt, etwa RFID-Chips zur leichteren Verfolgung von Lieferungen. Smart Services geben der Logistik zahlreiche Möglichkeiten zur Echtzeitverfolgung von Waren und der Überwachung ihres Zustands sowie der gesamten Umgebung. Darüber hinaus ist es möglich, etwa den Transport von Containern weitgehend zu automatisieren, da sie Ziel und Route via Vernetzung selbsttätig angeben können.

Fallbeispiel DB Cargo – Lokschäden frühzeitig erkennen

Die DB Cargo AG verantwortet den Schienengüterverkehr der Deutschen Bahn AG und betreibt etwa 4800 Güterzüge pro Tag. Lokomotiven unterliegen einem erheblichen Verschleiß, da sie nonstop unterwegs sind. Ein Ausfall kann erhebliche Schäden verursachen, sodass DB Cargo die Loks mit Sensortechnik und Echtzeit- Datenanalysen überwacht. Mithilfe von Mustererkennung werden potentielle Schäden frühzeitig entdeckt und Ausfall-Folgekosten somit vermieden.

Marketing und Vertrieb:

Vor allem dieser Funktionsbereich profitiert stark von den über Smart Services ermittelten Daten. Dabei handelt es sich nicht um herkömmliche Marktforschungsdaten, sondern um tatsächliche Nutzungsdaten. Verantwortliche können nun erstmals erfahren, auf welche Weise Produkte tatsächlich eingesetzt werden und wie Marketing-Aktionen wirklich funktionieren. Dadurch ist eine bessere und zielgenaue Ansprache von Kundensegmenten möglich. Darüber hinaus etabliert ein Smart Service eine permanente Kommunikation mit dem Kunden. Sie kann zum einen für Marketingzwecke, zum anderen aber auch als „Rohstoff“ für die Produktentwicklung genutzt werden. Letztlich können Marketing und Vertrieb daraus neue Geschäftsmodelle entwickeln, die zu einer Familie aus verknüpften Produkten und Services führt.

Aftersales-Service:

Automatisierte Dienstleistungen wie Überwachung oder Wartung können sowohl bei den Anbietern als auch bei den Benutzern von Smart Services Kosten sparen. Vor allem im Maschinenbau können smarte Produkte durch Fernwartung deutlich komfortabler betreut werden, sodass Techniker nur noch selten vor Ort erscheinen müssen. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, über Predictive Maintenance Ausfälle bereits im Vorhinein zu erkennen und die entsprechenden Reparaturmaßnahmen einzuleiten, sodass es nicht zu Ausfallzeiten kommt. Mit AR-Brillen kann durch die Übertragung von Reparaturinformationen Wartung und Reparatur deutlich beschleunigt werden. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, auf der Basis der vernetzten Produkte neue, Value-Added Services zu entwickeln.

Security:

IoT-Sicherheit und Datenschutz müssen von Anfang an bei der Entwicklung von Smart Services berücksichtigt werden. Themen wie Datenverschlüsselung, Abhörsicherheit, Diebstahlschutz oder Abwehr von Cyberangriffen gehören ebenso zu den neuen, smarten Produktfähigkeiten wie andere Merkmale. Sie werden aber auch selbst zum Produkt, wie beispielsweise die intelligente Türklingel Ring, die mit einer Videokamera ein Bild des Besuchers auf ein Smartphone überträgt und somit auch eine Kommunikation bei Abwesenheit des Hausbesitzers erlaubt. In letzter Konsequenz bewirkt die Entscheidung für oder gegen bestimmte Features und Funktionen der smarten Produkte und Services eine Transformation des gesamten Unternehmens. Anbieter von Smart Services sind ein Hybrid aus einem traditionellen Hersteller in der Industrieproduktion und einem Unternehmen der Digitalwirtschaft, das sich mit Themen wie Software und Cloud beschäftigt.

Fallbeispiel ThyssenKrupp Max – Das sicherste Transportmittel der Welt wird smart

ThyssenKrupp Elevators hat ein cloudbasiertes, intelligentes Anlagen-Überwachungssystem entwickelt. Die Cloud-Anwendung meldet potentielle Störungen frühzeitig selbst, bevor es zu echten Problemen kommt und die Anlage ausfällt. Der Vorteil eines solchen Systems: Die Techniker können den Aufzug aus der Ferne in den Diagnose-Modus versetzen und genau herausfinden, welche Probleme aufgetreten sind. Anschließend wird ein Monteur zielgerichtet zu den Kunden geschickt und hat direkt die richtigen Ersatzteile dabei.


Nächste Woche geht es weiter mit: Die Transformation erfasst das ganze Unternehmen – Ein Reifegradmodell.

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