Neue Geschäftsmodelle in Smart Insurance

Neue Geschäftsmodelle in Smart Insurance

von Bernhard Steimel 12. September 2017

Ein Auszug aus dem neuen Praxisleitfaden „Internet der Dinge“, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht.


Die Werttreiber für neue Geschäftsmodelle im Bereich Smart Insurance sind vielfältig. Der First-Mover-Vorteil kann hierbei sehr hoch sein, da das Thema in Deutschland noch entwicklungsfähig ist. Vor allem in Zusammenarbeit mit anderen Branchen ergeben sich neue Wertschöpfungspotentiale: Krankenversicherungen könnten bspw. basierend auf Big Data (welche über Wearables oder smarte Kleidung gesammelt wird) individuelle Angebote machen, entsprechend einer Bonus-Malus-Regelung. Wichtig ist hierbei, dass Versicherungen lernen, die Daten zu verstehen und sie kundengerecht zu nutzen.

Hioscar.com – Versicherungen mit Big Data

Das Unternehmen bietet mit „Oscar Health“ eine neue Art von Krankenversicherung, die auf Big Data-Technologien basiert. Der Kunde gibt ein Symptom oder den Namen einer Krankheit in der Oscar-App ein und bekommt eine Liste von speziellen, vom Unternehmen registrierten Vertragsärzten samt der Kosten genannt. Die App bietet außerdem einen kurzfristigen Rückruf durch einen Arzt.

Eine Reihe von sogenannten InsurTech-Startups bieten bereits nutzungsbasierte Tarife, aber auch On-Demand-Versicherungen sowie gekreuzt damit Kurzzeittarife an. So wäre es beispielsweise denkbar, per Mobilapp kurz vor einer Wochenendreise ins europäische Ausland eine nur wenige Tage gültige Reiseversicherung abzuschließen – ohne großen bürokratischen Aufwand.

Doch auch andere „Blitzversicherungen“ sind möglich, beispielsweise situationsabhängige Unfallversicherungen für bestimmte sportliche Aktivitäten, die nur tage- oder sogar stundenweise ausgeübt und entsprechend nur für diesen Zeitraum versichert werden. Damit geht die Versicherungsbranche weg von den klassischen Langzeittarifen für einen umfangreicheren Risikokatalog.

Im Trend ist jetzt die Versicherung ganz konkreter und kurzfristiger Risiken, die durch das moderne, oft nicht sehr langfristig geplante Freizeitverhalten entstehen.

Es gibt mittlerweile einige Versicherungen, die das Quantified Self-Konzept auf Basis einer Bonus-Malus-Regelung unterstützen. Dies ist zum einen die britische Versicherungsgesellschaft Aviva, welche die „Aviva Drive mobile application“ entwickelte. Hierbei handelt es sich um eine App, die während der Fahrt per GPS die Fahrgewohnheiten überwacht. Sofern die Fahrer ihre Gewohnheiten den von der App ausgesprochenen Empfehlungen anpassen, erhalten sie Rabatte auf ihre Versicherungen.

Aviva-CMO Amanda MacKenzie sieht hierin erst den Anfang: „It’s been said that the internet of things will revolutionise the insurance industry. It certainly has the potential to transform healthcare, improve road safety and make people’s homes more secure. In every one of these areas, technology will allow insurers to calculate risk more accurately, charge for insurance more fairly and reward positive customer behaviour.“ Das Unternehmen plant vor allem, seine IoT-Aktivitäten im Gesundheitsbereich auszuweiten, um den Versicherten beim Quantified Self-Konzept zu unterstützen.

HDI TankTaler – Belohnung für gute Fahrer

Der Versicherer HDI hat zusammen mit ThinxNet ein Connected-Car-Paket entwickelt, mit dem Autofahrer beim Tanken sparen und über ihr Smartphone unter anderem Informationen rund um ihr Fahrzeug (z.B. Batteriezustand, Kilometerstand, Streckenübersicht) abrufen können. Außerdem können Kunden in einigen Regionen an Tankstellen mit der App bezahlen – ohne zur Kasse gehen zu müssen. Zudem gibt es eine Notruffunktion, die im Fall eines Unfalls automatisch Hilfe holt. Außerdem können die Nutzer für vorausschauende Fahrweise Prämienpunkte sammeln.

Das Versicherungsunternehmen der Zukunft wird kontextsensitiv und situationsabhängig personalisierte Angebote machen können. Dank Big Data weiß der Versicherer, wo sich der Kunde aufhält und in welcher Situation er sich befindet. Und dank bestimmter IoT-Geräte wie Feuermelder oder Feuchtigkeitssensoren weiß der Versicherer auch, wenn beispielsweise ein Gebäudeschaden droht.

So ist durchaus denkbar, dass Versicherungen auch hier Rabatte anbieten: Wer spezielle IoT-Feuermelder mit automatischer Alarmierung der Feuerwehr installiert, erhält einen günstigeren Tarif als derjenige, der lediglich die gesetzlich vorgeschriebene Mindestausstattung installiert.

An diesen Beispielen zeigt sich auch, dass Versicherungen davon profitieren können, ihr eigenes Ecosystem mit Lock-in-Effekten aufzubauen. Dies würde in der Konsequenz jedoch bedeuten, dass sie ihre Kompetenzen ausbauen und sich von einer spezialisierten Versicherung zu einem Full-Service-Anbieter entwickeln müssten.


Die Versicherungen sind bereits ins Fadenkreuz von Startups geraten, die neue Produkte anbieten: beispielsweise nutzungsbasierte Tarife, On-Demand-Versicherungen sowie Kurzzeittarife. Möglich sind damit spontane Reiseversicherungen oder situationsabhängige Unfallversicherungen für bestimmte Aktivitäten. Das Versicherungsunternehmen der Zukunft wird jeden seiner Kunden kontextsensitiv und situationsabhängig personalisierte Angebote machen.

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