Sharing Mobility – Mobilität teilen: ein nachhaltiger Trend

Sharing Mobility – Mobilität teilen: ein nachhaltiger Trend

von Bernhard Steimel 12. Oktober 2017

Ein Auszug aus dem neuen Praxisleitfaden „Internet der Dinge“, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht.


Für den Nutzer wird in Zukunft nicht mehr der Besitz eines Fortbewegungsmittels,sondern die für den jeweiligen Moment am geeignetsten erscheinende Mobilitätsoption im Vordergrund stehen. Mobilität zu teilen ist ein neuer, aber vermutlich nachhaltiger Trend und führt wiederum zu neuen Geschäftsmodellen – auch für etablierte Mobilitätsanbieter. Somit stellt das Sharing-Mobility-Konzept gleichzeitig einen neuen Trend in der Gesellschaft sowie einen Werttreiber für neue Geschäftsmodelle dar. Der US-Ökonom Jeremy Rifkin sieht in der „Sharing Economy“ ein riesiges disruptives Potenzial, das traditionelle Geschäftsmodelle etablierter Unternehmen sogar obsolet werden lässt.

MeMobility: All-in-One-Lösung für die flexible Mobilität

MeMobility hilft bei der Suche nach einem Leihwagen oder Leihfahrrad. Schnell und unkompliziert lassen sich – mit Hilfe der App – alle verfügbaren Car- und Bikesharing-Angebote in Standortnähe abrufen. Dabei zeigt die Umgebungssuche die einzelnen Angebote verschiedenster Car- und Bikesharing-Anbieter übersichtlich auf einer Karte – Entfernung, Angaben zu Fahrzeugzustand, Ladestand oder Tankinhalt inklusive. Für die schnelle und effektive Suche nach einem nahegelegenen verfügbaren Auto oder Fahrrad ist das MeMobility-Konzept ideal. Die Nutzung der App selbst ist kostenfrei. Anmelden muss man sich nur bei den einzelnen Sharing-Unternehmen. Die Reservierung und Stornierung eines Angebots erfolgt dann direkt in der Detailansicht mit einem Klick.

Das bedeutet ebenso, dass auch für branchenfremde Unternehmen mittlerweile vielfältige Möglichkeiten existieren, in den Mobilitätsmarkt einzusteigen. Nicht mehr nur die reine Produktion oder das bloße Anbieten eines Fortbewegungsmittels – wie Auto, Fahrrad oder öffentlicher Nahverkehr – ist von Relevanz, durch das IoT wird vielmehr deren Integration in IT-Systeme eine immense Bedeutung erlangen. Disruptive Innovatoren und Startups mit Kompetenzen, die bisher im Mobilitätssektor eine untergeordnete Rolle gespielt haben, verändern die Branche grundlegend. Wenn Nutzer Car-Sharing, Bike-Sharing oder Mitfahrgelegenheiten über Online-Kanäle buchen, verschwimmen auch hier Branchengrenzen: Von Online-Plattform-Anbietern über IT-Technologie-Unternehmen bis hin zu Produzenten der eigentlichen Fortbewegungsmittel ist eine Vielzahl an Akteuren am Smart-Service-Prozess beteiligt.

Kutsuplus: ÖPNV auf Abruf

Kutsuplus ist ein Dienst des HSL (Helsingin Seudun Liikenne), des Verkehrsverbundes der Region Helsinki, und funktioniert wie ein persönlicher On-Demand-Service für Linienbusse. Er bietet Fahrgästen im Zentrum von Helsinki die Möglichkeit, Busfahrten per Smartphone zu buchen und daraufhin an der vereinbarten Haltestelle zur vereinbarten Zeit abgeholt zu werden. Dabei gibt es keine vordefinierten Haltestellen für die Kleinbusse von Kutsuplus. Wo ein Fahrgast am besten zusteigt, wird je nach Situation und aktuellem Standort berechnet. Auch abgesteckte Routen oder feste Fahrpläne gibt es nicht. Die Strecke ergibt sich aus den Zielen aller Passagiere. Während der Fahrt werden sie via Displays z.B. über den aktuellen Streckenverlauf informiert.

Durch das Paradgima des Teilens von Mobilität wird auch das soziale Element in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Dennoch sind Besitzer von Autos oder Parkflächen, die diese gegen ein Entgelt zur Verfügung stellen, nicht ausschließlich altruistisch veranlagt. Vielmehr monetarisieren sie totes Kapital – ähnlich wie bei Airbnb. Es entsteht ein Nutzen auf Seiten der Anbieter, der Nutzer des Angebots und des Unternehmens, das den Service bereitstellt.

Trucker Path: Das Uber für Trucks

Trucker Path versucht, mit seinen Apps Trucker Path und Truckloads die Transportbranche zu revolutionieren. Zunächst richtete sich das Unternehmen an Trucker und schuf mit der Anfang 2013 gelaunchten App Trucker Path Amerikas am schnellsten wachsende Plattform in der Logistikbranche; ein großes Netzwerk aus Fahrern, Speditionen und Unternehmen. Bereits 500.000 Trucker verlassen sich auf Trucker Path und finden dort wichtige Informationen rund um Haltestellen und Ruheplätze, Parkmöglichkeiten, Treibstoffpreise oder Wiegestationen. Die App wird so zum Reisebegleiter von Truckern, die die große Reichweite und Beliebtheit nutzen, um in Echtzeit über ihre aktuelle Route auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Mit der App Truckloads bringt Trucker Path nun die Fahrer mit der Fracht auf einem Online-Marktplatz zusammen und richtet sich damit auch an Speditionen und Unternehmen. Auf Truckloads können Speditionen oder Unternehmen ihre Fracht posten und die App wählt den nächsten und am besten geeigneten Fahrer für das Unterfangen aus. Der wiederum hat zwei Stunden Zeit, das Angebot anzunehmen, ansonsten wird es neu vergeben. Das verhindert, dass mehrere Fahrer anrollen und leer ausgehen. Trucker Path geht noch weiter und will nicht nur die Suche und Vergabe von Fracht digitalisieren, sondern auch die administrativen Prozesse der Speditionsbranche aus der Vergangenheit in die Gegenwart holen.

Sofern der Smart-Mobility-Service die Nutzung von persönlichem Eigentum beinhaltet, muss der Anbieter Vertrauen auf seiner Plattform aufbauen, vor allem, wenn er lediglich den Intermediär darstellt. Vertrauen kann in der Net Economy bspw. durch Nutzerbewertungen hergestellt werden, die öffentlich einsehbar sind.

Sharing-Mobility-Angebote lassen sich in vier Kategorien unterteilen:

Car Sharing

Nach Angaben von Roland Berger Strategy Consultants können sich ca. 50% der Autobesitzer vorstellen, ihr Vehikel mit anderen zu teilen. Zudem soll das Car-Sharing-Segment ein hohes Potenzial mit jährlichen Wachstumsraten von 30 Prozent aufweisen. Die Bandbreite an neuen Geschäftsmodellen im Car-Sharing-Bereich ist groß, so kann sie von von B2B zu B2C über P2P (peer-to-peer) reichen. Auch Zusatzleistungen können hier interessant sein. Die bekanntesten Anbieter von Car-Sharing-Angeboten in Deutschland sind „Drive Now“ von BMW/Mini/Sixt81 und „Car2Go“ von Daimler/Europcar. Hier bearbeiten etablierte Automobil-Hersteller disruptiv die eigene Branche und reagieren auf verändertes Nutzerverhalten.

Ride-Sharing

In Echtzeit organisierte Mitfahrgelegenheiten werden in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Busse, Züge und Taxis sind in dieser Hinsicht bisher die etablierten Anbieter. Diese entsprechen aber in einer IoT-Welt nicht mehr den steigenden Nutzungsansprüchen, weil sie zu teuer, unflexibel, umständlich und unpersönlich sind. Fahrdienste mit privaten oder angestellten Fahrern und verschiedene Varianten von Fahrgemeinschaften lassen sich schneller sowie flexibler gestalten und nutzen. Ein Beispiel für einen disruptiven Anbieter, der keinen eigenen Fuhrpark besitzt, aber dennoch einen Mobilitäts-Smart-Service zur Verfügung stellt, ist „Uber“.

Bike-Sharing

Vor allem in urbanen Regionen gewinnen Fahrräder vermehrt an Bedeutung.

Bitlock: Das elektronische Fahrradschloss

Bitlock ist ein Fahrradschloss, welches über das Smartphone bedient wird. Der Besitzer kann über sein Mobiltelefon auch anderen Nutzern Zugang zum Fahrrad einräumen und Rechte vergeben, wer das Fahrrad verwenden und seine Position kennen darf. Ebenso kann er bestimmen, wo das Fahrrad wieder abgestellt werden muss. Auf diese Weise kann er mit dem Schloss einen privaten Fahrradverleih einrichten. Erfinder Mehrdad Majzoobi stellt den „Sharing-Mobility-Gedanken“ in den Vordergrund: „Mir ist aufgefallen, dass viele Gegenstände um uns herum nicht effizient genutzt werden. Städte investieren Millionen Dollar in Bikesharing-Systeme mit Stationen, dabei sind so viele andere Fahrräder an normalen Ständern auf der Straße angeschlossen. Warum können wir nicht einfach irgendwo ein Rad schnappen und damit losfahren?“

Velocity: Ausleihservice für Bikes

Velocity ist ein 2014 in Aachen gegründeter Ausleih-Service für E-Bikes (Fahrräder mit Elektroantrieb). Per App oder SmartCard kann man über die in der Stadt verstreuten Terminals E-Bikes ausleihen. An diesen Stationen kann man ein E-Bike dann auch wieder zurückgeben. Das Ziel von Veloctiy ist es, in Zukunft 100 solcher Stationen in Aachen anzubieten.

Shared Parking

Vor allem in Innenstädten herrscht Parkplatzmangel und Autofahrer verlieren täglich viel Zeit (und Geld) bei der Parkplatzsuche. Dabei stehen jeden Tag für gewisse Zeiträume private Parkflächen zur Verfügung, die viel effizienter genutzt werden könnten. In der IoT-Welt können diese nicht genutzten Parkflächen in Echtzeit vermietet werden und somit einen echten Mehrwert für Autofahrer schaffen.

Hi-Park hilft mit Crowdsourcing bei der Parkplatzsuche

Das israelische Startup Hi-Park löst mit seiner App für die Parkplatznavigation ein Problem, das alle Autofahrer kennen: Wo finde ich in einer Stadt möglichst schnell einen freien Parkplatz? Zur Lösung verwendet Hi-Park die in jedem Smartphone eingebaute Kamera. Hinter der Windschutzscheibe platziert, nimmt er den Straßenrand auf und schickt die Bilder an die Hi-Park-App zur Echtzeitanalyse. Findet die App eine Parklücke, markiert sie den Parkplatz in Echtzeit für alle App-Anwender auf einer Karte.


Die Automobilindustrie wird durch die Entwicklung des IoT bedroht. Die Hersteller müssen durch neue Geschäftsmodelle gegensteuern. Entscheidende Wettbewerbsvorteile entstehen durch neuartige Bedienoberflächen, die Auswertung von Echtzeit-Fahrzeugdaten sowie von Geoinformationen wie etwa Wetter-und Verkehrsdaten. Hinzu kommt der Aufstieg der Sharing-Mobility über Plattformen, bei denen die Automarke weit in den Hintergrund rückt. Car Sharing oder Mitfahr-Plattformen sind entscheidende Modelle.

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