Blockchain einfach machen

Blockchain. Einfach. Machen.

von Bernhard Steimel 23. Oktober 2017

Ein Beitrag von Ingo Steinhaus und Bernhard Steimel

In unserem Beitrag in der letzten Woche haben wir einige ausgewählte Blockchain-Projekte aus verschiedenen Branchen vorgestellt.

Es gibt für jeden Bereich und jede Branche noch viele weitere Pilotprojekte und zum Teil sogar bereits im Alltag eingesetzte Anwendungen. Die Smarter Service Gallery wird in der nächsten Zeit um eine Reihe von Blockchain-Projekten erweitert, die beispielhaft für ihr jeweiliges Anwendungsgebiet sind. Eine weitere Quelle für Fallbeispiele ist das Blockchain-Magazin BTC-Echo sowie die Fallsammlung des Blockchain-Experten Frank Bolten.

Device Democracy: Das dezentralisierte Blockchain-IoT

Diese unterschiedlichen Anwendungsbereiche haben eine Gemeinsamkeit: Die Blockchain ersetzt hier in weiten Teilen die herkömmliche zentralisierte Cloud. Stattdessen wird eine dezentrale Speicherung genutzt, die deutlich effektiver vor Datenfälschung nutzt. Viele Experten, beispielsweise von IBM erwarten, dass sich das Internet der Dinge von der starken Ausrichtung auf zentrale Cloud Services entfernen wird. IBM spricht hierbei von einer „Device Democracy“: gleichrangige Geräte aller Art tauschen untereinander Daten aus und übernehmen auch rechtssichere Transaktionen.

Blockchain einfach machen

Quelle: IBM

Aller Anfang ist schwer

Echte Anwendungen des Blockchain-IoTs, die alle technischen Konzepte vollständig verwirklichen, sind noch selten. Die bisher umfassendste Nutzung der Blockchain-Technologie für das Internet der Dinge kommt vom deutschen Startup slock.it. Es entwickelt im Moment ein intelligentes Schloss, mit dem Leihverträge automatisch geschlossen werden können. So wäre ein solches Schloss die ideale Ergänzung zu Sharing-Services wie AirBnB: Der Kunde findet per App ein freies Zimmer, meldet sich und kann nun mit der App die Tür öffnen. Auch die Zahlung wird automatisch mithilfe der Blockchain abgewickelt.

Dieses Konzept ist sehr flexibel und lässt sich auf andere Objekte übertragen, beispielsweise Autos, Fahrräder oder Smart Devices im Internet der Dinge. Das Startup möchte mit der Blockchain ein „Universal Sharing Network“ aufbauen, in dem beliebige Objekte verliehen und gemietet werden können. Grundsätzlich ist ein solches Konzept beliebig erweiterbar. So hat die RWE-Tochter Innogy eine Kooperation mit slock.it gestartet. Der Energieversorger betreibt eines der wichtigsten Ladenetze für Elektroautos und möchte den Komfort des Ladevorgangs mit der Blockchain erhöhen.

Dabei soll das Aufladen und Bezahlen an den Ladestationen vereinfacht werden. Vor kurzem hat Innogy 1000 Ladesäulen auf die Blockchain-Technologie umgestellt, einige hundert weitere sollen in den nächsten Monaten folgen. Für die Zukunft plant Innogy allerdings eine andere auf Ladetechnik, die ebenfalls auf Blockchain basierte und möglicherweise in Großstädten Ladestation weitgehend ersetzen kann: die induktive (kabellose) Aufladung vor roten Ampeln. Dadurch wird jeder Ampelstopp zu einem mehr oder weniger kurzen Ladevorgang. Die Blockchain soll hier die automatische Authentifizierung und Bezahlung übernehmen.

Blockchain as a Service

Der Aufbau und Betrieb einer Blockchain-Datenbank ist nicht so einfach und erfordert spezifische Kenntnisse, die in vielen Unternehmen nicht unbedingt vorhanden sind. Doch trotzdem können Firmen und Entwickler mit Interesse an der Technologie sofort Pilotprojekte starten, wenn sie „Blockchain as a Service“ einsetzen. Dabei nutzen sie einen Cloudprovider, der die Blockchain wie eine normale Geschäftsanwendung zum Zugriff über das Internet anbietet. Im Moment gibt es drei größere und bekannte Anbieter, die mit einem Blockchain-Service ihre sonstigen Clouddienste erweitern.

Ethereum-Blockchain auf Microsoft Azure

Microsoft hat zusammen mit den Blockchain-Experten von ConsenSys eine Etherum-Blockchain als Serviceangebot aufgebaut. Dabei handelt es sich in erster Linie um eine Plattform für Entwickler, die erste Schritte beim Einsatz einer Blockchain-Datenbank für Unternehmen machen möchten. Darüber hinaus hat Microsoft eine Reihe von Blockchain-Tools, die den Einsatz und die Entwicklung von Blockchain-Anwendungen vereinfachen. Unter anderem bietet Microsoft das Confidential Consortium (Coco) Framework an, das auf der Etherum-Blockchain basiert und den Unternehmen den Informationsaustausch mithilfe der Blockchain erleichtert.

IBM Blockchain auf Bluemix

Als zweiter bekannter Cloudservice bietet auch IBM eine Blockchain-Plattform an. IBM nutzt die quelloffene Blockchain-Architektur Hyperledger Fabric der Linux Foundation, mit der die Entwicklung der Blockchain-Technik erprobt werden sollen. Die IBM-Plattform richtet sich in erster Linie an Unternehmen, die eine skalierbare und einfach zu verwalten Blockchain-Umgebung für erste Pilotprojekte suchen. Sie bietet eine modulare Architektur, die besonders stark auf Smart Contracts sowie die Integration externer Datenquellen ausgerichtet ist.

Intel-Plattform Sawtooth

Auch Intel ist beim Thema Blockchain aktiv und hat dafür einen eigenen, modularen Service mit dem Namen Sawtooth aufgebaut. Er verwirklicht Moment nur Blockchain-Funktionen, mit denen Plattformen zum Austausch digitaler Güter aufgebaut werden können. Eine der ersten Anwendungen ist ein Marktplatz für digitale Sportwetten.

Deloitte Rubix

Das international tätige Beratungsunternehmen Deloitte hat eine eigene Entwicklungsumgebung für Blockchain-Projekte aufgebaut. Sie heißt Rubix und nutzt wie die Microsoft-Plattform das offene Etherum-Protokoll. Auch hier stehen Business-Anwender im Vordergrund, die Funktionen und Einstellungen lassen sich leicht an die Bedürfnisse unterschiedlicher Unternehmen anpassen.

SAP Leonardo Blockchain

Eigentlich ist Leonardo die noch recht junge IoT-Plattform des süddeutschen Softwareriesen SAP. Doch das Unternehmen hat seinen Clouddienst direkt von Anfang an auch mit Blockchain-Technologie ausgerüstet. Dadurch ist es dem Spätstarter gelungen, mit den anderen Services in technologischer Hinsicht gleich gleichzuziehen.

AWS Blockstack Core

Cloudmarktführer Amazon geht einen etwas anderen Weg und integriert die Bitcoin-basierte Blockchain-Entwicklungsumgebung Blockstack als weiteren Service in seine Cloud. Die Umgebung ist allerdings nicht auf die Kryptowährung Bitcoin begrenzt, sondern kann Blockchain-Anwendungen aller Art verwirklichen.

Dies sind die aktuell verfügbaren, größeren und bekannteren Blockchain-Services. Mit Sicherheit werden noch einige hinzukommen, denn die Cloud ist als Startpunkt für die Anwendung einer Blockchain gut geeignet. In einem typischen Cloud-Rechenzentrum kann die verteilte Speicherung der Daten leicht realisiert werden, gleichzeitig ist der Zugriff für die Entwickler und Anwender besonders einfach. Hinzu kommt der Aspekt der Geschwindigkeit, der bei der Adaption neuer Technologien immer eine Rolle spielt. Wer einen vorkonfigurierten Service nutzt, ist auf jeden Fall schneller im Markt als jemand, der erst mühsam Know-how und Ressourcen aufbauen muss.


Unser Co-Autor

Ingo Steinhaus arbeitet seit mehr als 20 Jahren als selbständiger Autor für Print- und Onlinemedien. Zu seinen thematischen Interessen gehören neben IKT und Business-IT auch Organisations-Soziologie, Management, Entrepreneurship, Innovation, digitale Transformation, Industrie 4.0 und Künstliche Intelligenz.

Zurzeit veröffentlicht er regelmäßig in den Magazinen Mobile Business, IT-Director, Business Impact und „CEDO – Chefsache Digitale Transformation“ sowie auf it-zoom.de.

Daneben ist ihm auch die Perspektive des Endanwenders geläufig, unter anderem durch die Arbeit als Chefredakteur für die zwei Anwendermagazine „Word im Griff“ und „Excel im Griff“ (Trendverlag, Buggingen) sowie als Autor von zahlreichen Computerbüchern.

Schreibe einen Kommentar

Ähnliche Beiträge