Talente für die digitale Transformation

von Bernhard Steimel 23. April 2018

Die vielzitierten Hidden Champions haben häufig das Problem, dass sie an Standorten liegen, die für Talente in der Digitalwirtschaft eher unattraktiv sind. Wer ein Angebot von Google in München hat, wird nur ungern nach Heidenheim an der Brenz gehen. Hierfür gibt es zwei Lösungen: Die Unternehmen müssen zunächst einmal dort präsent sein, wo die Talente der Digitalwirtschaft sind. Das sind in Deutschland Berlin, München und noch ein paar andere Standorte wie beispielsweise Hamburg, Köln oder Hannover. Die Unternehmen müssen dort eine Zweigstelle aufbauen, die allerdings einen eigenen Geschäftsauftrag braucht – etwa die Identifizierung von Start- ups mit interessanten Geschäftsmodellen oder Ähnliches.

Talente für die digitale Transformation

Zweitens benötigen die Unternehmen attraktive Job-Beschreibungen, die auch Talente aus der Digitalwirtschaft anziehen. Deutsche Maschinen- bau-Ingenieure gehen durchaus zu Unternehmen wie Voith nach Heidenheim an der Brenz, da es dort sehr spannende Aufgaben gibt. Der Weltmarktführer für Papiermaschinen und Wasserkraftwerke gehört zu den Top-Adressen für Ingenieure. Es gibt auch Berater, die McKinsey verlassen und zu einem Mittelständler abseits von Großstädten und Ballungsgebieten wechseln.

Mit anderen Worten: Unternehmen sollten mit relevanten Projekten dort präsent sein, wo die Talente sind. Und sie sollten ein Wertversprechen aufbauen. Gerade junge Fachkräfte sehen außer dem Job durchaus andere Themen, die sie für wichtig erachten. Das hat in den alten Technologien wie Maschinenbau und Elektrotechnik geklappt, warum soll es bei der IT nicht auch klappen?

Interdisziplinäre Teams mit Shared Ownership: Alle sitzen im selben Boot

Ein wichtiges Erfolgskriterium für eine Digitalisierungsinitiative sind übergeordnete, interdisziplinär zusammengesetzte Entwicklungsteams, die eine hierarchiefreie Kommunikation pflegen. Das Stichwort hier ist „Shared Ownership“ des Projektes. Hierbei sind ein oder mehrere Vertreter von Funktionsbereichen wie Vertrieb, Einkauf, Service, Marketing, Betrieb, Design, Support sowie bei Software-Projekten Entwickler und Tester gleichberechtigt am Team beteiligt. Anders ausgedrückt: Alle Teammitglieder sitzen im selben Boot. Es gibt keinen klassischen Projektleiter, der für alles verantwortlich ist.

Die zusätzliche Rolle des Produktmanagers ist allerdings hervorgehoben. Er ist der „Product Owner“, ein Begriff aus der Scrum-Methodik. Er achtet darauf, dass das Projekt die gewünschte Richtung behält und entscheidet, welche der Anforderungen umgesetzt werden sollen. Er garantiert den Erfolg der Lösung und hält dafür engen Kontakt mit den Fachbereichen und dem Kunden. Bei agilen Projekten geht es nicht um möglichst viel ‚Output‘, sondern um möglichst werthaltigen ‚Outcome‘.

Viele Unternehmen müssen allerdings bei der Zusammenstellung eines solchen Teams umdenken, da die einzelnen Rollen normalerweise in teils fest voneinander getrennten Silos organisiert sind. Doch für die Entwicklung eines neuen Produktes oder Services ist es unbedingt notwendig, die entsprechenden Fachbereiche mit einzubeziehen. Vielfach gibt es unterschiedliche Vorstellungen von Art und Ausrichtung eines neuen Produkts, sodass die Fachbereiche hier wertvolle Beiträge leisten können.

„Hier muss in vielen Unternehmen noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wir erleben anfangs oft Vorbe- halte, aber am Ende des Projekts sind alle Beteiligten von der interdisziplinären Arbeitsweise begeistert.“ (Conrad Rentsch, IBM)

#noprojects mit Bluemix DevOps

In der agilen Szene wird seit einiger Zeit die interessante und etwas provokative These diskutiert, dass Projekte von Anfang an zum Untergang verdammt sind. Sie kann über das Hashtag #noprojects mit einer Google-Suche nachvollzogen werden. Viele Experten fordern im Rahmen dieser Diskussion, vollkommen auf Projektstrukturen im herkömmlichen Sinn zu verzichten.

Projekte sind zeitlich begrenzt. Doch warum sollte man aufhören, einem Produkt oder Service neue, sinnvolle und werthaltige Merkmale hinzuzufügen? Ein Brückenbau findet beispielsweise irgendwann sein Ende, da die Brücke nicht mehr weiter verbessert werden kann. Doch es gibt zahlreiche Produkte und Services, die einen ganz anderen Lebenszyklus haben. Beispielsweise ist eine Website nie in dem Sinne fertig, in dem eine Brücke fertig ist. Sie kann immer weiter ausgebaut, verbessert und verfeinert werden.

Amazon hat dieses Prinzip perfektioniert und hat pro Tag bis zu 200 Releases, von denen der Endanwender praktisch nichts mitbekommt. Auf ähnliche Weise arbeiten auch die IBM Bluemix Devops Services, die den Anwendern zahlreiche Tools zur Verfügung stellen. Die gesamte Entwicklungsumgebung inklusive der DevOps-Werkzeuge stehen den Endanwendern sofort bereit, sodass sie unmittelbar loslegen können. Sie müssen lediglich Benutzerkonten öffnen.

Entscheidend für Unternehmen ist der Einsatz einer smarten und integrierten Plattform. Der gesamte Software-Stack unterstützt Methoden wie Design Thinking, Scrum oder DevOps und erlaubt schnelle Ergebnisse. Dadurch sind sämtliche Entwicklungsprozesse deutlich schneller und einfacher. So gibt es beispielsweise auf der Bluemix-Plattform von IBM vorgefertigte Templates für mobile Apps, die sich für branchenspezifische Anwendungsfälle oder bestimmte Einsatzgebiete eignen. Dadurch müssen Unternehmen nicht jedes Mal bei Null beginnen, sondern nur das Template anpassen und ausbauen.

Durch die Virtualisierung ist es zudem sehr einfach, jederzeit zusätzliche Entwicklungsumgebungen, Test- und Produktivsysteme aufzusetzen. Dabei können die Abschnitte des Produkt-Lebenszyklus schnell durchlaufen werden. Durch die praktischen Vorteile einer Cloud-Plattform werden diese Systeme gewissermaßen auf Knopfdruck erzeugt, beispielsweise durch Duplizierung einer bereits vorhandenen Umgebung.

Der Fortschritt der Entwicklung ist transparent, sämtliche Entwicklungsschritte und Verbesserungen sind deutlich sichtbar. Die einzelnen Teammitglieder können sich gegenseitig beobachten und auf diese Weise Fehler vermeiden. „Das fördert das offene, kommunikative Miteinander“, sagt Conrad Rentsch.


Ein Auszug aus dem neuen Praxisleitfaden „Internet der Dinge“, der kostenlos zum Download zur Verfügung steht.

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