Fake News und Verschwörungstheorien im Spatial Web

Blockchain als Wahrheitstechnologie im Spatial Web

von Bernhard Steimel 30. Januar 2020

Das Internet versteckt sich immer noch hinter dem Flachbildschirm, meint Dr. Pero Mićić, Managementberater und CEO der FutureManagementGroup AG. Er erwartet in Zukunft das Spatial Web, in dem eine weitere Dimension hinzukommt. Im Smarter-Service-Interview erklärt er, wie das nächste Web sich in unseren Alltag integriert und uns zum Beispiel erlaubt, durch die reale Welt zu laufen und alle wichtigen Informationen nicht auf dem Smartphone, sondern in die Realität eingeblendet zu bekommen.

– Teil 2 des Smarter Service Interviews mit Dr. Pero Mićić –

Herr Mićić, ein großes Problem im aktuellen Internet sind Fake News, Verschwörungstheorien und gefälschte Informationen. Wie kann das Spatial Web hier helfen?

Dr. Pero Mićić: Meiner Meinung nach brauchen wir dafür eine Art Vertrauensmaschine oder Wahrheitstechnologie. Viele Fehlinformationen sind nicht nur eine Sache von Interpretation und Meinung, sondern können durch einfache Fakten widerlegt werden. So ist beispielsweise die Höhe des Haushaltsdefizits eines Staates leicht verifizierbar. Anschließend kann sich ein Meinungsaustausch daran anschließen, der dann auf wissenschaftlich gesicherten Fakten beruht.

Im Moment gibt es in den sozialen Medien kaum eine  Möglichkeit, in einer Diskussion alles gleich zu prüfen. Dadurch gewinnen alle, die einfache, hochemotionale Lösungen anbieten, die aber nicht immer sinnvoll sind und oft auch unsere Demokratie gefährden.

Das Spatial Web kann hier ein Gegengewicht bieten. So kann die Blockchain als Wahrheitstechnologie genutzt werden. Bestimmte gesicherte Informationen werden damit so gespeichert, dass sie niemand mehr verändern kann. In der Folge entsteht ein fälschungssicheres Web voller nachweisbarer und in Echtzeit verfügbarer Informationen, das eine Gegenkraft zu Verschwörungstheorien und Fehlinformationen ist.

Auch das semantische Web hilft dabei. Bereits heute sieht man in Google bei bestimmten Suchbegriffen an erster Stelle keine Links, sondern direkt die passenden Fakten. Eine andere Möglichkeit ist KI, die einem menschlichen Gesicht ansieht, ob der Mensch während des Sprechens lügt – zumindest dann, wenn er bewusst lügt. Durch das Zusammenfügen dieser unterschiedlichen Technologien entsteht das Spatial Web.

Ein weiterer, häufig kritisierter Aspekt des aktuellen Webs ist die fehlende Kontrolle über unsere eigenen Daten. Hilft das Web 3.0 dabei, diese Kontrolle wiederzuerhalten?

Die Kontrolle über die persönlichen Daten muss wieder zurück an die einzelnen Personen. Ein Beispiel: ich gehe zum Augenarzt und gebe ihm aus einer Gesundheitsdatenbank nur diejenigen Daten frei, die mit meinen Augen zu tun haben und das auch nur für eine Woche. Meiner Hausärztin aber gewähre ich dauerhaften und vollständigen Zugang zu all meinen Gesundheitsdaten.

Außerdem sollte es Alternativen zu den herkömmlichen, werbefinanzierten Angeboten geben. Die sind nämlich die eigentlichen Datenstaubsauger. Eine gute Alternative wäre zum Beispiel ein gebührenpflichtiges soziales Netzwerk, das aus diesem Grund vollständig werbefrei und damit auch frei von Trackern und anderen Datenspionen ist. Auch eine Klarnamenpflicht ist hilfreich, um das Problem der Hasskommentare und Falschinformationen in den Griff zu bekommen.

Wie könnte so etwas in der Wirtschaft aussehen? Welches Zukunftsbild eines Unternehmens entsteht dadurch?

Im Unternehmen muss die Frage klar beantwortet sein: Was möchten wir in der Welt verändern und verbessern? Was wollen wir mit unseren Produkten  und Leistungen verbessern? Das kann alles Mögliche sein, auch besonders einfach bedienbare Produkte. Das wird heute häufig Purpose genannt, der Zweck des Unternehmens für die Kunden und sogar für die ganze Menschheit.

Daran schließt sich die Frage an, wie dieser Zweck verwirklicht werden kann. Das Internet und vor allem das Spatial Web bietet hierfür immer mehr Möglichkeiten. So zum Beispiel die Vision von Tesla: Autos sollen einfach zu nutzen sein, sehr sicher und sie sollen so Energie und Transport nachhaltiger machen. Dafür wertet Tesla unvorstellbar große Datenmengen aus, die jeder Tesla auf der Straße permanent generiert.  Diesen enormen Vorsprung wird Tesla nutzen, um schon bald autonome Fahrzeuge zu ermöglichen.

Doch solche Technologien begründen nicht zwingend Zukunftsbilder für ein Unternehmen. Es ist eher umgekehrt: Ein besonderes, einzigartiges Zukunftsbild bedient sich bestimmter Technologien. Jedes Unternehmen braucht also ein Zukunftsbild, das Antworten auf drei Fragen bietet:
Mission: Wozu sind wir da?
Positionierung: Wie sind wir darin einzigartig?
Vision: Was wollen wir damit verwirklichen und erreichen?

Wie sollen Unternehmen damit beginnen, vor allem aus dem Mittelstand? Was ist der Appell an das Führungsteam?

Die Unternehmen sollten damit beginnen, die Produkte und Services und ihren Nutzen für den Kunden neu zu denken. Neue Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle müssen von der emotionalen Wirkung her gedacht werden, die der Kunde eigentlich kauft. Also Musikgenuss und nicht Musikstücke. Transport und nicht Auto. Erntesicherung und nicht Pestizid. Der große Vorteil ist, dass diese Wirkungen praktisch ewig existieren werden. Sie sind der Fixpunkt. Wie man die Wirkungen aber erzielen wird, das ist es, was immer wieder Änderungen unterliegen wird. Deshalb muss man Geschäfte und Unternehmen um Wirkungen herum denken und strukturieren.

Herr Mićić, vielen Dank für das Gespräch.

=> Teil 1 des Smarter Service Interviews mit Dr. Pero Mićić

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