Trendbook Smarter Manufacturing

Praxistipps: Schritt für Schritt zum Smart Service

von Bernhard Steimel 12. November 2020

Die Krise als Chance – das ist kein Schlagwort, sondern eine echte Option für Unternehmen. Ihre Bewältigung erfordert eine Neuorientierung und neues Denken. Die Digitalisierung hilft in dieser Situation, neue Geschäftsmodelle aufzubauen, die vor allem auf der Auswertung der strategischen Ressource „Daten“ aufbauen und den Kunden smarte Produkt- und Servicebündel bieten.

Die Frage ist jedoch, auf welche Weise ein Unternehmen zu einem neuen Geschäftsmodell kommt. Hierfür gibt es einen methodischen Ansatz, den das Fraunhofer-Institut für Software- und Systemtechnik ISST zusammen mit der Universität St. Gallen entwickelt hat: Digital Business Engineering, mit dem die Unternehmen Schritt für Schritt zum Smart Service gelangen.

Digital Business Engineering (Quelle: Praxisleitaden Internet der Dinge 2017)

Insgesamt bietet das Konzept des Digital Business Engineering sechs strategische Meilensteine für die Gestaltung eines digitalen Geschäftsmodells.

1. Ende-zu-Ende-Kundenprozess

Analyse, Modellierung und Beschreibung des Kundenprozesses von der Entstehung eines bestimmten Produkt- bzw. Dienstleistungsbedarfs bis hin zur Nachbereitung.

Digitale Vorreiter nutzen übergreifende Teams: Entscheidend ist die Ende-zu-Ende-Sichtweise. Dafür müssen Unternehmen funktionale Strukturen aufbrechen und die Customer Journey ganzheitlich organisieren. Silos wie Sales, Marketing oder Service werden aufgelöst. Effektivität geht vor Effizienz: Die Unter- nehmen konzentrieren sich darauf, zuerst „die richtigen Dinge“ zu tun und danach „die Dinge richtig“ zu tun. (Quelle)

2. Digitales Ecosystem

Identifikation und Analyse der Akteure im Ecosystem sowie ihrer Interaktion.

Strategische Partnerschaften bei Rastal: Der bekannte Hersteller von Trinkgefäßen digitalisiert analoge Produkte und stellt den digitalen Dreiklang in der Getränkeindustrie her: die dynamische Interaktion zwischen Marke, Gastronom und Konsument – in Echtzeit. „Sie springen ins dunkle Wasser. Man geht über die eigenen Kompetenzen hinaus. Das kann man nur mit strategischen Partnern angehen.“ Thomas Nieraad, Geschäftsführer – Rastal. (Quelle)

3. Digitale Produkte und Dienstleistungen

Anreicherung physischer Produkte oder klassischer Dienstleistungen mit digitalen Diensten oder Aufbau einer digitalen Plattform, auf der Software-Dienste entwickelt werden.

Digitaler Wettbewerbsschutz bei Groz-Beckert: Der Systemhersteller für die Textilindustrie besitzt ein weltweit einmaliges Dokumentatonssystem für Nadelbrüche, das als Wettbewerbsschutz wirkt. Online-Kundenportal und digitale Handling-Produkte zusammen schaf- fen Alleinstellungsmerkmale. Sie führen zu Marktanteils- und Margenwachstum im Kernmarkt etwa durch die Möglichkeit, Handelsstufen zu überspringen. (Quelle)

4. Digitale Fähigkeiten

Referenzmodelle für „Digital Capabilities“ dienen als Blaupause, um die Kompetenzlücken sowohl in fachlicher als auch in informationstechnischer Hinsicht zu schließen.

Digitale Lernreise bei SupplyOn: Der Experte für digitales Supply Chain Management nutzt das „Scaled Agile Framework (SAFe)“, um das Lean-Agile-Mindset auf alle Unternehmensebenen und Geschäftsbereiche auszudehnen. Führungsrollen sind neu definiert, Hierarchien verlieren an Bedeutung. Im Fokus stehen jetzt Fachkarrieren. Eine konsequent strategische Diskussion bezieht alle Firmenebenen ein und beantwortet in Change-Projekten die dringlichsten Fragen. (Quelle)

5. Datenarchitektur und „Data Value Chain“

Techniken des Datenarchitekturmanagements helfen bei der Erstellung von Datenlandkarten für digitale Anwendungsfälle. Zudem müssen Unternehmen die Datenwertschöpfungskette identifizieren, analysieren und im Sinne eines Ende-zu-Ende-Kundenprozesses modellieren.

Smarte Datenwertschöpfung bei Heidelberger: Das neue Geschäftsmodell „Subscription“ des Herstellers ist erfolgreich. Der Kunde bezieht keine einzelnen Leistungen wie Investition in die Maschine, Servicevertrag oder Verbrauchsmaterialien mehr. Er erhält ein umfassendes Maschinen- und Serviceangebot, verbunden mit einer Performanceberatung. Berechnet werden nur die gedruckten Bögen – das Volumen steigt durch höhere Verfügbarkeit und Produktivität. (Quelle)

6. Digitale Technologiearchitektur

Kombination der bestehenden betrieblichen Anwendungssysteme (z.B. ERP, CRM, MES) mit neuen Technologien (z.B. In-Memory-Datenbanken, Big-Data-Software, mobile Applikationen).

Digital Plattform bei Fraba: Der Sensorhersteller verfügt bereits seit 2007 über eine selbst entwickelte Cloud-IT-Lösung. Er hat damit Prozesse automatisiert und Papier als Informationsträger abgeschafft. Eine vernetzte Fabrik im polnischen Slubice fertigt ausschließlich nach kundenspezifischen Vorgaben. Produziert wird nach einem digitalen „Mass Customization“-Geschäftsmodell, das hohe Variantenvielfalt, Losgröße 1 und kurze Lieferzeiten garantiert. (Quelle)


Dies ist ein Auszug aus unserer neuen Studie „Trendbook Smarter Manufacturing“. Hier geht‘s zum Download.

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