Resiliente Lieferketten: Mehr Effizienz im Alltagsgeschäft

von Bernhard Steimel
24. November 2020
Resiliente Lieferketten

Eine entscheidende Aufgabe der Digitalisierung ist die Automatisierung der Prozesse, um die Widerstandskraft der Lieferketten zu stärken.

Mehr Effizienz mit Prozessdigitalisierung

Besonders gut lassen sich leicht zu zergliedernde und wiederkehrende Aufgaben automatisieren, beispielsweise das Ausfüllen von Formularen, Inventar­Überprüfungen aber auch Anwendungen wie Rechnungseingang und Sendungsverfolgung. Hier sind in vielen Unternehmen noch manuelle Prozesse nötig. Eine praktikable und rasch einzusetzende Lösung ist Robotic Process Automation (RPA).

So nutzt ein Logistikanbieter RPA, um das Dokumentenmanagement zu verbessern und damit Lieferverzögerungen durch fehlende Dokumente zu reduzieren. Insgesamt konnte das Unternehmen dadurch 35.000 US-Dollar im Monat einsparen und die personalintensive manuelle Korrektur der Dokumente um 2.200 Arbeitsstunden senken.

Zahlungs- und Vertragsbedingungen automatisiert mit KI erkennen

Mit der zunehmend systematischen Digitalisierung von Unternehmensprozessen verstärkt sich der Bedarf, geschäftsrelevante Fakten aus Textdokumenten, Webformularen und anderen Textquellen zu extrahieren. Semasuite von T­Systems ist eine Lösung zur Verarbeitung natürlich­sprachlicher Texte für den Einsatz bei Prozessautomatisierungen und der Analyse historischer Daten. Sie nutzt Verfahren der Künstlichen Intelligenz (KI) zur Verarbeitung natürlicher Sprache.

Eine weitere Möglichkeit ist digitales Servicemanagement mit ServiceNow, einer Plattform für die Automatisierung von Serviceprozessen. Das Barcode Warehouse hat damit die Auslieferungsprozesse deutlich verbessert. Das Unternehmen bietet einen Managed Service für Barcode­ und RFID­Scanner. Dabei übernimmt es Reparatur und Umtausch von defekten Geräten – ein weitgehend manueller Prozess. Die ServiceNow­Plattform unterstützt die Mitarbeiter nun bei der Arbeit durch Teilautomatisierung.

Resiliente Lieferketten

Abläufe in der Intralogistik beschleunigen

Die deutsche Intralogistikbranche ist ein enormer Wirtschaftsfaktor, allein im Jahr 2019 erwirtschaftete sie etwa 24,4 Milliarden Euro. Sowohl Intralogistik­ Dienstleister als auch Anbieter von Fördertechnik betrachten die Beschleunigung und Optimierung von Lager­ und Transportprozessen als größte Herausforderung in der Zukunft. Laut einer Untersuchung von Bitkom Research nutzen etwa drei Viertel der Logistiker Warehouse- Management-Systeme.

Zu den wichtigsten Aspekten der Digitalisierung der Intralogistik gehört der Einsatz von autonomen Flurförderzeugen oder Technologien zur Beschleunigung von Scan­Abläufen. Auch die Roboterisierung der Intralogistik schreitet fort, vor allem dank der modernen kollaborativen Roboter (Cobots). Sie sind für die Zusammenarbeit mit Menschen geeignet und in der Lage, einzelne Prozessabschnitte zu autonom zu bewältigen.

Zahlreiche Softwarelösungen bieten Lieferdiensten zudem weitere Möglichkeiten zur Verkürzung von Wartezeiten und Optimierung der Anlieferung. Ein Beispiel dafür ist das Nutzen eines digitalen Zwillings, um jederzeit die Vorgänge im Lager zu kennen.

Optimale Nutzung von Lagerplätzen

Um Lagerbestände in einem Smart Warehouse optimal zu managen, arbeitet Tetra Pak, der Schweizer Hersteller von Getränkekartons mit DHL zusammen und hat ein Lager einem „digitalen Zwilling” auto­matisiert. Dafür hat DHL physische Objekte wie beispielsweise die Flurförderfahrzeuge mit Internet­ of ­Things­ Technologie ausgestattet. Diese Daten werden in einer virtuellen Darstellung zusammengeführt – dem digitalen Zwilling. Damit ist Tetra Pak in der Lage, den Betrieb rund um die Uhr reibungslos zu koordinieren, mögliche Probleme schnell zu erkennen und so die Sicherheit und Produktivität im Lager zu verbessern.

Ein wichtiger Digitalisierungsschritt ist die Beschleunigung von manuellen Tätigkeiten, beispielsweise bei der Kommissionierung oder der Inventur. Hierbei ist häufig noch das manuelle Scannen mit Handhelds üblich. Doch es gibt inzwischen Lösungen, die zumindest die Bestandsaufnahme vollautomatisch abwickeln – etwa mit autonomen Drohnen.

Für diesen Zweck entwickelte das französische IT-Unternehmen Hardis Group eine Inventurdrohne namens Eyesee. Das System besteht aus einem Quadcopter, einer Tablet­App und Cloud­Anwen- dungen zur Datenverarbeitung. Ein Bediener startet die Drohne, die autonom Strichcodes scannt und Paletten fotografiert. Nach Erfahrungen der Nutzer ist die Bestandsprüfung damit bis zu zehnmal schneller als üblich.

Nachhaltigkeit mit Low Carbon Mobility-Management

Laut einer Bitkom-Studie haben 70 Prozent der etwa 500 befragten Logistikunternehmen festgestellt, das digitale Verfahren den umweltschonenden Transport von Gütern ermöglichen. Der Grund ist allem der verbreitete Einsatz von Software für die dynamische Routenoptimierung sowie smartes Flottenmanagement inklusive Versicherung und Schadensabwicklung. Auch Vorhersagen über die Entwicklung der Verkehrssituation oder der Transportaufträge mit Predictive Analytics wirken sich auf die Klimafolgen der Logistik aus.

Die Einhaltung von Klimaschutzzielen und einen kleinen CO2-Footprint erreichen Logistiker durch ein Flottenmanagement, das Touren optimiert und somit die Klimafolgen verringert. Viele Unternehmen sind aus Kostengründen zurückhaltend beim Einsatz der Lösungen. Der Grund: Zum deutschen Transportgewerbe in Deutschland gehören zwar gut 45.000 Unternehmen, doch 80 Prozent davon haben nur zehn oder weniger Fahrzeuge im Einsatz.

CO2-Reduktion zwischen vier und 15 Prozent

Ein Software-Werkzeug der T-Systems überwacht Kraftstoffverbrauch und CO2­-Bilanz von Fahrzeugflotten. Es hilft Logistik­ und Verkehrsmanagern, Möglichkeiten zur kurz­ und langfristigen Senkung von Emissionen zu entdecken. Ein solches „Low Carbon Mobility Management“ (LCMM) wurde von T-­Systems und einigen Partnern in mehreren europäischen Projekten umgesetzt. Die Auswertung von mehr als einer Million Fahrkilometern ergab eine Kohlenstoffreduzierung zwischen vier und 15 Prozent.

Einen zusätzlichen Effekt für nachhaltige Mobilität haben Kooperationen zwischen Transportunternehmen und Flottenbetreibern aus anderen Bereichen. In vielen schwedischen Städten arbeiten Lieferdienste und die Müllabfuhr zusammen. Dadurch vermeiden sie Leerfahrten, verringern den Schwerlastverkehr und schonen die Umwelt. Das schwedische B2B­Lieferstartup Bring entwickelte diesen Service. Es bedient die Last Mile mit Elektrofahrzeugen und nimmt jede Art von Verpackungsmüll auf der Rückfahrt von einer Auslieferung mit.

Predictive Analytics verstärkt ebenfalls die Nachaltigkeit. Durch Prognosen zu Liefermengen, zeitlichen Verläufen in der Lieferkette und Störungen vermeiden Unternehmen finanzielle Verluste durch ungenaue Bevorratung, Lieferungen und Zeitvorgaben und senken den CO2-Footprint der eigenen Flotte. Optimal ist diese Vorgehensweise, wenn alle Partner in der Supply Chain Zugriff auf die Ausgangsdaten haben, um die Analysen zu verbessern. Hierzu eignen sich unter anderem Datendrehscheiben.

Resiliente Lieferketten

In der Transportlogistik steigt die Nachhaltigkeit durch den Einsatz von Elektrofahrzeugen für die letzte Meile und Langstreckentransporte. Auch hier treten disruptive Konkurrenten auf: Tesla will bald mit der Produktion seiner Zugmaschine ”Semi Truck” beginnen. Sie soll eine maximale Reichweite von 800 Kilometern haben.

Datenfluss mit Datendrehscheiben ermöglichen

Die gemeinschaftliche Nutzung von Daten erfordert es, dass Daten aus verschiedenen Bereichen miteinander verknüpft werden. Nach einer Umfrage des Digitalverbandes Bitkom nutzen lediglich knapp 20 Prozent der Logistikunternehmen solche Datenanalysen, weitere 21 Prozent planen entsprechende Projekte. Gefragt sind deshalb einfach zugängliche Datendrehscheiben in der Cloud, die den Datenaustausch erleichtern.

Ein Beispiel für eine solche Plattform ist der Data Intelligence Hub der Telekom, der als Daten­Treuhänder die Information seine Kunden verwaltet. Parallel zu diesen und anderen Services von einzelnen Unternehmen gibt es die europaweite Initiative Fenix, die eine europäische Plattform für den Austausch von Logistikdaten aufbauen will.

Datendrehscheibe mit API-Management

Durchgängige Vernetzung und Integration sind die Basis der digitalen Dienste von DB Cargo Logistics. Das Unternehmen nutzt die Business-Integrationsplattform von Seeburger als Middleware, um Daten aus unterschiedlichen Quellen zu verbinden. Funktionskern der Plattform ist eine eigene API (Application Programming Interface, Schnittstelle zur Programmierung der Anwendung), die sie in vorhandene Anwendungen integriert. DB Cargo erreicht damit eine bessere Dispositionsprognose und eine höhere Waggonauslastung. Zudem werden die Wagenumlaufzeiten gesenkt und die Kundeninformationen verbessert.

Systemoffenheit ist bei Plattformen ein wichtiges Kriterium, da sonst der Zugriff auf bestimmte Hersteller von Software und Hardware beschränkt ist – vor allem bei Erweiterung der Plattform auf Europa und die ganze Welt.

Systemoffenheit als Erfolgsfaktor

Die BPW Gruppe hat Systemoffenheit zum Kern ihrer Digitalstrategie gemacht. Das Zusammenspiel mit Plattformen, Soft­ und Hardware verschiedenster Anbieter hat idem telematics, die Telematik-­Tochter der BPW Gruppe zum europäischen Marktführer für die Vernetzung gemacht. Das Unternehmen öffnet seine Lösung weiteren digitalen Playern und Plattformbetreibern. So gibt es erfolgreiche Kooperationen mit Daimler Fleetboard, RIO und Schmitz Cargobull.


Dies ist ein Auszug aus unserer neuen Studie „Trendbook Smarter Logistics – Wie sich die Logistik digital transformiert“. Hier geht‘s zum Download.

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