Neue Geschäftschancen mit digitalen Ökosystemen

von Bernhard Steimel
15. September 2021

Digitale Ökosysteme und Plattformen sind ein wichtiger Trend der letzten Jahre. Sie bestehen aus miteinander verbundenen Sets von Diensten und Produkten, erfüllen ihren Nutzern übergreifende Bedürfnisse und bieten eine integrierte Nutzererfahrung. Durch diese Mehrwerte stärken sie jeden Partner im Ökosystem und erlauben ihm einen größeren geschäftlichen Erfolg im Vergleich zu „Einzelkämpfern“.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem „Trendbook Smarter Customer Experience“. Einen Überblick über den Inhalt gibt der Artikel Mit Digitalisierung zur Kundenzentrierung. Sie können das Trendbook außerdem direkt kostenlos herunterladen.

Digitale Ökosysteme im B2B-Geschäft

Durchgesetzt haben sich Ökosysteme und Plattformen zuerst im B2C-Markt. Apple ist ein gutes Beispiel: Der iPhone-Käufer erhält alles aus einer Hand, Drittanbieter erweitern die Nutzererfahrung mit exklusiven Apps und Zusatz-Hardware. Für Anbieter ist der Einstieg ins Ökosystem attraktiv, da Apple viele Kunden besitzt und damit hohe Umsätze ermöglicht.

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Ökosysteme wachsen durch Netzwerkeffekte: Viele potenzielle Kunden ziehen Anbieter an, die wiederum ein größeres Interesse bei den Kunden erzeugen und das Ökosystem vergrößern. Im B2C-Markt erzeugt dies rasch eine marktdominierende Stellung und begrenzt den Wettbwerberb auf nur wenige Player. So konnten sich gegen das iPhone und die Android-Geräte langfristig keine Alternativen durchsetzen.

Eine Plattform für Markenshops

Die Wortmann Schuh-Holding hat tamaris.com zur Plattform für Partner-Stores ausgebaut. Sie verwalten und verkaufen dort ihre Bestände eigenständig, ähnlich wie bei Amazon Marketplace. Der Versand läuft über ein Zentrallager oder die einzelnen Partner. Der Webshop zeigt die Warenverfügbarkeit in einer Filiale an und ermöglicht die Kommunikation über einen Chatbot oder WhatsApp. Einzelpaar-Aufträge werden über eine Börse vermittelt und automatisch im Namen des Partner-Stores ausgeführt

Digitale Ökosysteme und Plattformen verbreiten sich auch in der mittelständischen Wirtschaft. Die Unternehmen wollen in Zukunft verstärkt auf Ökosysteme oder Netzwerke mit Wettbewerbern setzen. Laut einer Studie von McKinsey denken mehr als 80 Prozent der befragten Unternehmen, das Ökosysteme oder Branchennetzwerke die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands im internationalen Wettbewerb unterstützen.

Branchengrenzen überwinden

Mit einem Ökosystem oder einer Plattform werden Daten für Anbieter und Nutzer anderer Branchen zugänglich. Das beste Beispiel: Durch Gesundheits- und Fitness-Apps angeregt, hat Apple Hardware (Apple Watch) und Software-Schnittstellen für medizintechnische Anwendungen geschaffen. Das Unternehmen ist inzwischen zu einem wichtigen Anbieter in der Gesundheitsbranche geworden.

Datenaustausch für die Konstruktion
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EPLAN Software & Service bietet mit dem EPLAN Data Portal eine cloudbasierte Austauschplattform für Daten von Bauteilen und Komponenten aus der industriellen Automatisierung an. Unternehmen aus dem Anlagen- und Maschinenbau nutzen diese für ihre eigenen Konstruktionen. Sie finden dort kaufmännische, technische und grafische sowie fertigungsrelevante Daten.

Weitere wichtige Beispiele für digitale Ökosysteme kommen aus Asien, dem aufgrund der potenziellen Nutzerzahl größten Markt für digitale Plattformen. So ist es dem chinesischen Versicherungskonzern Ping an Group gelungen, durch Investitionen in digitale Plattformen, in andere Sektoren wie Gesundheitswesen und Smart City vorzudringen

Die Zukunft der Ersatzteile
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Sparrow ist eine Plattform für Industrieunternehmen zum Austausch und Handel mit Ersatzteilen. Sie verbindet Unternehmen in einem Cloud-basierten Netzwerk und schafft so einen Pool an Ersatzteilen. Er verringert Kosten und Lieferzeit und erhöht die Verfügbarkeit der Teile.

Ein weiteres Beispiel: Der Mobilitätsdienstleister Grab bietet in über 300 Städten Online-Vermittlungsdienste zur Personenbeförderung an. Er nutzt zudem seine Reichweite, um weitere digitale Dienstleistungen von Drittunternehmen anzubieten, etwa im Bereich Finanzen, Versicherungen oder Lebensmittellieferungen.

Digitale Ökosysteme stärken die Wettbewerbsfähigkeit

Plattformen oder digitale Ökosysteme haben für ein Unternehmen das Potenzial, die Geschäfte deutlich widerstandsfähiger gegenüber Krisen zu machen.

Dies zeigt sich deutlich in der Gastronomie, der am stärksten von Corona betroffenen Branche. Viele Gastronomen haben auf die Auslieferung gesetzt, doch lukrativer ist die Beteiligung an einer Plattform wie Kitopi. Das ist eine Großküche, die von reinen Lieferrestaurants angemietet wird. Diese „Cloud-Kitchen” entstanden bereits vor einigen Jahren in teuren Großstädten wie New York. Der Markt wurde sehr schnell größer, da die Start-ups direkt von Anfang an mit Lieferdiensten zusammenarbeiteten, um keine eigene Lieferinfrastruktur aufbauen zu müssen.

Kitopi vermietet Küchen an reine Lieferrestaurants ohne eigene Gasträume

Dieses Modell erwies sich als krisenfest und leicht skalierbar. Die Betriebskosten sind gering, da die Miete entfällt. Viele Cloud-Küchen nutzen Data Analytics, um vorherzusagen, welche Gerichte zu welcher Zeit stärker nachgefragt werden. Dadurch erleichtern sie ihre Planung und verkürzen die Lieferzeiten. Die Plattformbetreiber bieten den Restaurants kaufmännische Software an und Mobile Apps für Bestellung und Bezahlung – gleichermaßen komfortabel für Gastronomen und Kunden.

Digitale Geschäftsmodelle auf der Basis von Plattformen oder digitalen Ökosystemen stärken die Resilienz von Unternehmen unter anderem deswegen, weil der Zugang zu Kunden einfacher ist. Viele Unternehmen können bei Plattformen sogar ihre regionale Nische verlassen und erhalten Zugriff auf deutschlandweite oder europäische Kunden.

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Ist der Aufbau eines eigenen digitalen Ökosystems für Ihr Unternehmen eine Option? Oder reicht es Ihnen, wenn Sie einem solchen Ökosystem beitreten? Schreiben Sie uns oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

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