Herausforderungen im digitalen Maschinenraum

von Bernhard Steimel
5. Oktober 2021

Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg ist heute die digitale Zuverlässigkeit. Denn die wirtschaftliche Lage bringt für Unternehmen große Herausforderungen. Um sie zu bestehen, müssen sie ihre Lern- und Anpassungsfähigkeit verbessern. Die Erkenntnis dabei: Digitale Vorreiter kommen besser durch unsichere Zeiten. Digitale Plattformen sind erfolgskritisch als Fundament für Wachstum, Resilienz und Anpassungsfähigkeit. Die IT-Infrastruktur muss arbeitsfähig sein, Security by Design ist für den Geschäftserfolg unerlässlich.

Digitale Vorreiter kommen besser durch die Pandemie

Die Covid19-Pandemie hat innerhalb weniger Monate einen beispiellosen Wandel bewirkt, der sonst Jahre gedauert hätte. Unternehmen haben in nur vier Tagen Homeoffice und Remote Work eingeführt oder binnen Wochen einen Online-Vertrieb mit Videoberatung aufgebaut. Dadurch kommt digitale Zuverlässigkeit auf die Agenda der Unternehmen.

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Merkmale resilienter Unternehmen

Wie in früheren wirtschaftlichen Krisen gehen die Starken gestärkt daraus hervor. Sie besitzen die Fähigkeit, Schocks nicht nur zu absorbieren, sondern sie zum Aufbau von Wettbewerbsvorteilen zu nutzen. Kurz: Sie sind resilienter, digital zuverlässig und werden für die anderen Unternehmen zu neuen Herausforderern. Fünf Merkmale machen sie wirtschaftlich erfolgreicher:

  • Harder: Sie treffen harte Entscheidungen, indem sie einen klaren Wertschöpfungsfokus haben und z.B. wenig genutzte IT-Systeme abschalten, um effizienter zu werden.
  • Faster: Sie bewegen sich schneller, denn zwischen Business und IT passt kein Blatt Papier. Mit agiler Entwicklung und DevOps treiben sie Innovation voran.
  • Stronger: Sie reinvestieren in digitale Talente und Plattform-Infrastrukturen und setzen konsequent auf Automatisierung, um den Datenfluss zu beschleunigen.
  • Smarter: Sie nutzen die Möglichkeiten digitaler Customer Experience und setzen auf digitale Technologien, etwa Data Analytics, Machine Learning und das Industrial IoT.
  • Empathischer: Sie sind kundenzentrisch, denken alle Produkte und Services vom Kunden her und fokussieren sich darauf, die Kundenwertschöpfung zu verbessern.
Cyber-Attacken weltweit abwehren
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Mit dem Ausbau der Business-Services von HRS ist die Bedeutung der IT-Infrastruktur gewachsen. Für erhöhte Sicherheit nutzt das Kölner Unternehmen die Managed Cyber Defense Services aus dem Security Operations Center der Telekom (SOC). Es überwacht die Daten der HRS-Systeme rund um die Uhr und verarbeitet bis zu 10.000 sicherheitsrelevante Vorfälle pro Sekunde.

Digitale Zuverlässigkeit ist Chefsache

Die steigende Bedeutung der IT für die Wertschöpfung bewirkt, dass die Unternehmen digitale Zuverlässigkeit der IT-Infrastruktur sicherstellen müssen. Diese Aufgabe kann nicht nebenbei erledigt werden. Sie ist Chefsache, sie muss von CIO und CEO gemeinsam angegangen werden. Arbeitsfähigkeit, Stabilität, Zuverlässigkeit und Widerstandsfähigkeit erfordern die richtige Architektur und Security. Vor allem Ransomware-Angriffe offenbaren die größte Schwachstelle: den Menschen.

Massive Zunahme von Cyberangriffen

Der wachsenden Bedeutung der digitalen Infrastruktur entspricht die Häufung von Cyberangriffen in den letzten Jahren. Das Bundeslagebild Cybercrime 2020 des Bundeskriminalamts meldet – wie in jedem Jahr – steigende Angriffszahlen. Die Attacken machen vor den Landesgrenzen nicht halt. Aufgrund des Angriffs auf einen US-Softwarehersteller waren weltweit und auch in Deutschland zahlreiche IT-Dienstleister und andere Unternehmen betroffen. Auffällig dabei: Die Cyberkriminellen gehen zunehmend geschickter vor, so dass die Zahl der aufgeklärten Fälle nicht mit der Entwicklung Schritt hält.

Relation zwischen erfassten und aufgeklärten Cybercrime-Fällen

Für viele Angriffe ist Homeoffice das Einfallstor. Die Cyberkriminellen greifen dabei über täuschend echt aussehende geschäftliche E-Mails an. Die Mitarbeiter werden dazu verleitet, auf einen Link zu klicken, der Malware installiert. Anschließend können die Cyberkriminellen große Schäden anrichten. Nach aktuellen Zahlen erreichte der Schaden in der deutschen Wirtschaft zuletzt die Gesamtsumme von jährlich 223 Milliarden Euro.

"Ransomware ist derzeit als eine der größten Bedrohungen für die IT von Unternehmen und Organisationen einzuschätzen. Bei erfolgreichen Angriffen werden Dienstleistungen und Produktion häufig zum Stillstand gebracht. Die Schäden für Betroffene sind daher oftmals enorm.“

BSI-Präsident Arne Schönbohm

Unternehmen benötigen digitale Zuverlässigkeit

Cloud-Services sind dank ihrer Einfachheit, Flexibilität und Skalierbarkeit die Basis für digitale Plattformen und bringen den Unternehmen neue Herausforderungen für IT-Security und die digitale Zuverlässigkeit. Sie kommen als Zusatzanforderungen auf die existenten Herausforderungen „on top” (Quelle).

Mit der Cloud verschiebt sich die Außengrenze des Unternehmens. Die bisher üblichen Sicherheitsmaßnahmen reichen nicht mehr aus, denn neben Mitarbeitern greifen auch Zulieferer und Kunden von außerhalb auf die Plattformen zu.

Erschwerend kommt hinzu, dass durch die Digitalisierung die Bedeutung der IT steigt, während die Cloud die Kontrolle über sie senkt. Digitale Zuverlässigkeit ist nicht mehr leicht zu erreichen. Vor allem kleinere Mittelständler haben die Herausforderung, das erforderliche Know-how trotz IT-Fachkräftemangel und hoher Auslastung des Stammpersonals aufzubauen.

Fast alle Unternehmen werden angegriffen

Digitale Plattformen werden zur kritischen Infrastruktur

Die Kundenkommunikation hat sich (nicht nur durch Corona) hochgradig digitalisiert: Etwa 80 Prozent der Kundenkontakte finden in digitalen Touchpoints statt, der E-Commerce boomt in allen Sektoren und selbst in Traditionsbranchen gibt es rein digitale Produkte, etwa digitale Kollektionen in der Mode. Grundlage solcher Geschäftsmodelle sind digitale Plattformen, die damit zur kritischen Infrastruktur für die Unternehmen werden: Sie bilden die Basis für den Geschäftsbetrieb.

Aufbruch in die Plattformökonomie

Digitale Plattformen vereinfachen den Kontakt zu Kunden, Geschäftspartnern oder Mitarbeitern und erlauben neue Geschäftsmodelle wie beispielsweise „Pay-per-Use”. Sie sind die grundlegende Infrastruktur für Entwicklung und Betrieb digitaler Dienste und Geschäftsmodelle. Digitale Plattformen zeichnen sich durch die fünf folgenden Merkmale aus:

  1. Bei Plattformen handelt es sich um daten- oder softwarebasierte Anwendungen oder Websites.
  2. Interaktion und Wertschöpfung laufen maßgeblich über die digitale Plattform.
  3. Nutzer sind Kunden, Partner und/oder Mitarbeiter eines Unternehmens oder Ökosystems.
  4. Sie generieren ihren Wert durch direkten oder indirekten digitalen Umsatz (Nutzungsgebühr, E-Commerce etc.).
  5. Sie beruhen auf standardisierten IT-Infrastrukturkomponenten.
Störungen vorhersagen und beheben
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Die KI-gestützte Anwendung von ClearMetal verbessert mit seiner Cloud-Plattform die Qualität von Prognosen in der Supply Chain. Sie hilft bei der Optimierung der Routenplanung und steigert dadurch die Anzahl der zeitgenauen Auslieferungen in der Logistik. So wächst die Liefergenauigkeit um bis zu 50 Prozent und die betriebliche Effizienz um 30 Prozent.

Digitale Plattformen für B2C- und B2B-Märkte

Es gibt zwei Arten von B2B-Plattformen: Daten- und transaktionszentrierte Plattformen.

Datenzentrierte Plattformen

Datenzentrierte Plattformen sammeln und speichern Informationen sowie bieten eine Infrastruktur für deren Austausch, Analyse und Auswertung an. Damit erzeugen sie neue Erkenntnisse und ermöglichen die Entwicklung neuer datenbasierter Geschäftsmodelle und Dienstleistungen.

Ein Marktplatz für Daten-Kooperationen
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Der Advaneo Data Marketplace ist ein Kollaborationsportal, das die schnelle Entwicklung von datengestützten Innovationsprojekten ermöglicht. Die Plattform vereinfacht die gemeinsame Nutzung von vertraulichen Daten in Wertschöpfungsketten. Durch Mandantenfähigkeit und Verschlüsselung bleibt die Datensouveränität der beteiligten Unternehmen erhalten.

Transaktionszentrierte Plattformen

Transaktionszentrierte Plattformen ermöglichen den Austausch zwischen Akteuren in einer einheitlichen digitalen Umgebung. Bei ihnen steht die Steigerung der Prozesseffizienz (Ein- und Verkauf, Logistik, Supply Chain sowie Kollaboration von Marktakteuren) im Zentrum.

Assets in der Fabrik vernetzen
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Der Maschinenbauer Trumpf hat zusammen mit Partnern die Ortungstechnologie omlox entwickelt. Sie vernetzt Assets in der Fabrik und der Lieferkette mit dem IoT auf einer entsprechenden Plattform. Unternehmen haben damit für jedes ihrer IoT-Szenarien die beste Technologie.

Zu den transaktionszentrierten Plattformen gehören Marktplätze, Retail- und Fertigungsplattformen einerseits sowie Supply-Chain-/Logistikplattformen andererseits. So bietet der Online-Fertiger Facturee ein Netzwerk mit mehr als 500 Partnern aus der Industrie und die Logistikplattform Transporeon vermittelt zwischen Versendern und Logistikern. Zudem gibt es viele Vernetzungsplattformen  wie Sparrow, bei dem die teilnehmenden Unternehmen einen Pool an Ersatzteilen bilden.

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Der Maschinenraum der Digitalisierung befindet sich heute in der Cloud. Wie haben Sie ihn organisiert? Ist ihr Unternehmen bereits in der Cloud? Nutzen Sie trotzdem noch ein eigenes Rechenzentrum für bestimmte Teile der IT-Infrastruktur? Schreiben Sie uns oder hinterlassen Sie einen Kommentar.

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