Mit Digitalisierung gegen den Auftragsstau

von Bernhard Steimel
5. Juni 2022

Handlungsschnelligkeit ist das Zauberwort, in der Wirtschaft und im Fußball. Dort ist damit die Fähigkeit gemeint, schnell und der Situation angemessen zu handeln. Diese Definition lässt sich gut in die Wirt­schaft übertragen: Handlungsschnelligkeit ist eine erfolgskritische Fähigkeit, um Resilienz zu erreichen. Denn die Anforderungen an die Schnelligkeit von Unternehmen sind gestiegen: Projekte müssen rasch umgesetzt, Produkte oder Services flott entwickelt und der Auftragsstau abgebaut werden.

Handlungsschnelligkeit als Resilienzfaktor

In den Transformationspfaden der Unternehmen sind Strategiemuster zu erkennen, aus denen sich fünf zentrale Resilienzfaktoren ableiten lassen: Handlungsschnelligkeit, Resonanzfähigkeit, Smartness und Entschlossenheit sowie der übergreifende Faktor Anpassungsfähigkeit.

In diesem Beitrag soll die Handlungsschnelligkeit betrachtet werden. Sie steht Im Zusammenhang mit der digitalen Transformation eines Unternehmens. Denn digitalisierte Prozesse bringen mehr Geschwindigkeit und die Unternehmen gehen damit auf die Erfolgsspur. Wichtig ist ein Datenbewusstsein: Die Aufmerksamkeit auf die geschäftskritischen Daten und die Kompetenz für ihre Nutzung. Unternehmen benötigen dafür eine prozessorientierte Organisation, die eine Ende-zu- Ende-Sicht etabliert und mit digitalen Plattformen orchestriert.

Es gibt drei Handlungsfelder und Erfolgsfaktoren für mehr Handlungsschnelligkeit.

  • Steuerung: Datenbewusstsein mit Data Analytics und IoT erreichen.
  • Geschäftsprozesse: Selfservice-Logik aufbauen, um Kunden schneller zu bedienen.
  • Technologie: Standardisierung mit APIs und Datenpipeline – Nutzer einfach anschließen.
Unsere Studie "Die Resilienzmeister" zeigt:
Es gibt fünf zentrale Erfolgsfaktoren für Resilienz

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Digitale Beschleunigung mit Prozessdigitalisierung

Der Maschinenbauer Krones, ein Spezialist für Abfüllanlagen in der Getränkeindustrie, besitzt mit  Krones World ein umfassendes Kundenportal, das den Zugang zu allen digitalen Services erlaubt: Online-Bestellung einer individuell konfigu­rierten Anlage, deren Zustandsüberwachung und digitalen Support, falls es einmal zu Problemen kommt. Zusätzlich gibt es die automatische Nachbestellung von Ver­brauchsmaterial und in Zukunft Remote-Updates für die Software. Kurz: Die Custo­mer Journey ist ganzheitlich digitalisiert.

Kunden sind ungeduldig. Was länger als rund sechs Monate dauert, bringt den Kunden keinen Nutzen und dadurch schwindet die Akzeptanz. Deshalb hat Krones seine Abläufe in den letzten drei Jahren stark beschleunigt. Dies kam dem Unternehmen in der Coronak­rise zugute: Es hat gut gefüllte Auftragsbücher. Allerdings spürt auch Krones die Lieferkrise; gut die Hälfte der Lieferanten kann nicht vollständig liefern.

Ohne Digitalisierung geht nichts mehr. Parallel zur Digitalisierung der Kundenreise musste sich Krones auch im Inneren trans­formieren. Die wichtigste Erkenntnis von Krones war, dass mit der Digitalisierung die unterschiedlichen Prozesse über verschie­dene Verantwortungsbereiche vernetzt werden müssen. Anders lässt sich die notwendige Beschleunigung nicht errei­chen. Das bedeutet aber auch, dass die Abläufe im Vordergrund stehen – und nicht die Tools der Digitalisierung.

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Standardisierung der IT ist das Gebot der Stunde für Krones. Beschleunigung erreicht das Unternehmen nur mit digitalen Techno­logien wie Cloud, Data Lakes, IoT und Microservices sowie mit agiler Entwicklung (Scrum, Kanban). Wichtig ist dabei Daten­qualität, die mit der vollständigen Vernet­zung der Wertschöpfungskette gesteigert werden kann. Dabei setzt das Unternehmen auf das Prinzip „Steckdosenleiste”: Die Kunden können ihre Anlagen ganz einfach an alle digitalen Services anschließen.

Für die Digitalisierung sind digitale Talente nötig. Krones bildet hierfür Mitarbeiter weiter, stellt aber auch zahlreiche Digitalex­perten ein. Doch dieser Markt ist umkämpft und das Recruiting nicht einfach. Eine Lösung: Hybrid Work sorgt bei Krones dafür, dass auch 600 km weit entfernte Spezialis­ten erreichbar sind.

Die konsequente Digitalisierung sorgt für Erfolg. Gut 20 Prozent aller Bestellungen werden online abgewickelt. Durch die digitalen Services können Kunden besser bedient werden. Der Vertrieb ist schneller im Gespräch mit den Kunden, innerhalb von 24 Stunden statt wie früher nach einer Woche.

„Ohne Digitalisierung geht nichts mehr. Was früher in 5 Jahren stehen sollte, muss jetzt in 2 Jahren stehen.“

Bernd Baldauf, Head of Global eBusiness, Content & 3D Additive Customer Solutions, Krones

Mit digitalen Services den Kunden schneller bedienen

Erst der Markteinbruch durch Corona, dann übervolle Auftragsbücher durch Nachholkonsum – die zwei Jahre seit 2020 waren für die Kosmetikindustrie und Schwan Cosmetics eine große Herausforderung. Der führende Hersteller für Kosmetikstifte hatte zu Beginn der Krise weniger Bestellungen aus dem Handel und zusätzlich fehlten die Branchenmessen, um den Auftragseingang anzuschieben.

Für letzteres fand sich schnell eine Lösung und ein Digital Campus für B2B-Kunden wurde aufgebaut. Er ist als virtuelles Gebäude mit unterschiedlichen Räumen organisiert, in denen die Produkte digital präsentiert werden. Digitale Touch­points und Services haben es dem Unterneh­men auch in Zeiten der Pandemie und Kontaktbeschränkung ermöglicht, zuverläs­sig für Kunden da zu sein und das Service Level hochzuhalten. „Ein wichtiger Pfeiler für den aktuellen Aufschwung,“ meint Sarkissian.

Das Unternehmen nutzt Digitalisierung zur Stärkung des Kerngeschäfts. Einer der erfolgreichsten Services ist der Colorvisualizer. Er beschleunigt den Farbauswahl­prozess für das Kosmetik-Portfolio. Damit lassen sich in Sekundenschnelle tausende von Farben aus dem Portfolio finden und vergleichen. Der Visualizer gibt Zugang zu sämtlichen 12.000 Farben und den entspre­chenden Texturen inklusive Abgleich mit der eigenen Wunschfarbe. So wird der gesamte Prozess von drei Tagen auf wenige Klicks verkürzt. Darüber hinaus verbessert er die Nachhaltigkeit: Der Bedarf an physischen Mustern wird gesenkt, somit gibt es weniger Müll und CO2.

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Datengetriebene Entscheidungen haben eine große Bedeutung. Dies betrifft erstens den Vertrieb, der mit einem CRM-System und Business Intelligence arbeitet. Zweitens nutzt das Unternehmen in der Produktion Daten aus einem MES, die in Dashboards visualisiert werden, um die Basis für die Optimierung von Produktionsprozessen zu liefern. Diese Optimierungen sind auch nötig, um effizient ein so hoch individuali­siertes Produktportfolio herstellen zu können. Das Private-Label Unternehmen bedient rund 700 Kunden weltweit.

Die Mitarbeiter müssen in den Fahrersitz, so die Überzeugung der Geschäftsführung. Digitalisierung funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter nicht nur „Betroffene” sind, sondern sich aktiv beteiligen. Deshalb bestehen Digitale Initiativen und Projekte immer aus einem Tandem aus fachlichen und digitalen Experten. Ob durch Zusammenar­beit mit der Bildungseinrichtung „Shift­school”, der Teilnahme an unternehmens-übergreifenden Lernreisen, oder dem Angebot an internen Seminaren – das Familienunternehmen findet stets Ansätze, um seine Mitarbeitenden weiterzubilden.

„Wir wollen die gesamtheitliche Customer Journey abbilden.“

Alexander Sarkissian, Head of Digital Initiatives, Schwan Cosmetics

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Die wichtigsten Ergebnisse der Studie haben wir in einer kostenlosen Infografik aufbereitet, die Sie hier herunterladen können.

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