Exportnation im Sinkflug

von Gunnar Sohn
20. August 2025

Die Bundesbank rechnet nüchtern vor: Seit 2017 verliert Deutschland Exportmarktanteile, seit 2021 rutscht es regelrecht ab. Das klingt nach Zahlenspiel, ist aber der Offenbarungseid der deutschen Wirtschaftspolitik. Denn dieses Land lebt nicht vom Binnenmarkt, nicht vom Sozialetat, sondern vom Absatz in der Welt. Wer dort schwächelt, schwächelt überall.

Die Ursachen sind bekannt und trotzdem verdrängt: Energiepreise, die Unternehmen strangulieren. Ein Arbeitsmarkt, der Fachkräfte nur noch in Statistiken führt. China, das Märkte gewinnt, während Deutschland sie verliert. Das ist keine Überraschung, das ist Politikversagen.

Ohne diese Verluste wäre das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2021 und 2024 um 2,4 Prozentpunkte höher gewachsen. Übersetzt: Wir haben uns eine Rezession selbst gebaut – und nennen es Zeitenwende.

Die Regierung verteilt Entlastungspakete wie Almosen – sie stopfen Löcher, aber sie schaffen kein Wachstum. Die Wirtschaftsverbände predigen Wettbewerbsfähigkeit und liefern Positionspapiere, während Fabriken dichtmachen. Und die Unternehmen selbst? Sie jammern über Bürokratie, aber sie ertragen sie wie Naturgesetze. Wer so antritt, hat den Weltmarkt schon verloren.

Deutschland hat jahrzehntelang davon gelebt, dass die Welt deutsche Maschinen, Autos, Chemie brauchte. Heute ist es umgekehrt: Deutschland braucht die Welt dringender, als die Welt Deutschland braucht.

Export war einmal das Machtmittel der Republik. Heute ist er das Symptom ihrer Schwäche. Außenpolitik ohne starke Exportwirtschaft ist Protokoll. Innenpolitik ohne Wachstum ist Sozialverwaltung.

Die Bundesbank liefert die Diagnose. Die Politik liefert Beschwichtigungen. Das Ergebnis: Marktanteile weg. Punkt.

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