Hightech schneller an die Front – Wie Europa bei Verteidigungsinnovationen Tempo machen muss @loyalmagazin @DieReserve #Ukraine

von Gunnar Sohn
21. August 2025

Die Uhr tickt: Software-Entwicklungszyklen werden immer kürzer, Drohnen- und KI-Technologien verändern die Kriegsführung im Wochentakt. Klassische Beschaffungswege können mit diesem Tempo nicht mithalten. „Im Verteidigungsbereich wird Innovation nicht an der Markteinführung, sondern an ihrem Beitrag zur Einsatzfähigkeit gemessen – Time to Mission statt Time to Market“, schreibt Sven Weizenegger, Leiter des Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, in der Zeitschrift loyal.

Weizenegger fordert deshalb einen Paradigmenwechsel: Software Defined Defence (SDD) – Verteidigungssysteme, die modular aufgebaut sind, per Update verbessert werden können und so schneller auf neue Bedrohungen reagieren. Damit dies gelingt, braucht es Vertrauen zwischen Staat und Industrie – und vor allem neue, agile Beschaffungswege.

Genau hier setzt auch Benjamin Wolba an, Gründer des European Defence Tech Hackathon. Im Smarter-Service-Talk schildert er, wie sich in nur einem Jahr aus einer spontanen Idee eine paneuropäische Innovationsbewegung entwickelt hat – mit Hackathons von München bis Lwiw. „Wir haben mittlerweile ein Netzwerk, das reale Probleme aufgreift, von Drohnenabwehr über elektronische Kriegführung bis zum Minenräumen, und innerhalb von 48 Stunden Prototypen liefert“, so Wolba.

Der entscheidende Unterschied: Während in Deutschland und Europa Projekte oft in jahrelangen Zertifizierungs- und Prüfverfahren steckenbleiben, setzen die Hackathons auf unmittelbares Nutzerfeedback. In der Ukraine kommen solche Lösungen direkt zum Einsatz – von Drohnenautonomie bis Präzisions-Targeting. Einige Teams sind bereits zu Start-ups gereift und haben Investoren gewonnen.

Wolbas Forderung an Politik und Bundeswehr ist klar:

  1. Bewusstsein für neue Bedrohungen: „Wir müssen begreifen, dass Drohnenkrieg Realität ist – und nicht weiter alles Geld in Panzer und Flugzeuge stecken.“
  2. Feste Budgets für Innovation: Mindestens zehn Prozent des Verteidigungshaushalts sollten in unbemannte Systeme und Hightech fließen.
  3. Agile Beschaffung statt Blockaden: Europa brauche Ausschreibungen mit klaren Volumina, ähnlich der „Drone Coalition“, die Millionen Drohnen für die Ukraine bestellt. Nur so lohne es sich für Start-ups und Investoren, Produktionskapazitäten aufzubauen.

Weizenegger und Wolba sprechen also aus unterschiedlichen Perspektiven, aber mit demselben Ziel: Europa braucht einen Innovations-Turbo für Verteidigungstechnologien.

Während Weizenegger die Bundeswehr auf eine „Software Defined Defence“ ausrichtet, liefert Wolba mit seinem Hackathon das Labor für schnelle Prototypen. Gemeinsam skizzieren sie, wie Hightech-Innovationen künftig nicht mehr in Schubladen verstauben, sondern in die Praxis gelangen – bevor der Gegner den nächsten Schritt macht.

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1 Kommentar

Frank H. Witt 21. August 2025 - 12:41

Die Kluft zwischen technologischen Möglichkeiten und ihrer Nutzung in Politik, Verwaltung und Verteidigung wächst dramatisch. Drohnen, KI und andere Dual-Use-Technologien eröffnen Staaten wie auch nicht-staatlichen Akteuren neue Formen „moderner Kriegführung“ – was unter einem Label Innovation, unter einem anderen schlicht Terror heißt.
Für technologiegetriebene Start-ups entstehen hier gewaltige Marktchancen – an der Grenze von Risiko und Verantwortung. Die unbequeme Wahrheit: Komponenten für diese Systeme lassen sich heute schon bei Amazon bestellen.

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