Die deutsche Konjunktur dürfte sich im zweiten Halbjahr 2025 von ihrer Schwäche lösen – langsam, aber spürbar. Nach einem Rückgang des preis-, saison- und kalenderbereinigten Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 0,3 Prozent im zweiten Quartal zeichnet sich für das dritte Quartal insgesamt ein Seitwärtstrend ab. Zum Jahresende rechnet unsere Modellrechnung mit einem leichten Zuwachs von rund 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Auf Jahressicht bliebe die Wirtschaftsleistung 2025 damit etwa 0,1 Prozent unter Vorjahr.
Stimmungsbild: ifo hellt auf, ZEW bleibt skeptisch
Im August legte das ifo-Geschäftsklima um 0,4 Punkte zu; die Erwartungen stiegen um 0,9 Punkte, während die Einschätzung der aktuellen Lage leicht nachgab. Der ZEW-Indikator für die Erwartungen fiel im gleichen Monat deutlich um 18 Punkte, die Lageeinschätzung um 9,1 Punkte. Das DIW-Konjunkturbarometer sank im August ebenfalls leicht. Zusammen signalisieren die Frühindikatoren: Die Talsohle ist erreicht, der Anstieg bleibt aber flach.
Konsum: Kaufkraft stabilisiert, Kauflaune gedämpft
Die Inflationsrate lag im August bei 2,2 Prozent, Energiepreise sind rückläufig (Brent um 66 Dollar je Barrel; Day-Ahead-Strom zuletzt um 61 €/MWh). Das stützt die Realeinkommen. Gleichzeitig gaben GfK-Konsumklima und HDE-Konsumbarometer im September nach. Nettoeffekt: Im dritten Quartal eher seitwärts bis leicht positiv, zum Jahresende moderat stützend – keine Konsumrally.
Investitionen: Bodenbildung statt Befreiungsschlag
Nach −1,9 Prozent bei den Ausrüstungen und −2,1 Prozent im Bau im zweiten Quartal bleibt der negative Carry-over spürbar. Die ifo-Erwartungen deuten auf Stabilisierung, die ZEW-Signale warnen vor Vorsicht. Finanzierungsbedingungen und Unsicherheit bremsen. Ergebnis: Im dritten Quartal schwach, im vierten Quartal höchstens eine zarte Erholung.
Außenhandel: Europa stützt, Übersee schwächelt
Im Juli sanken die Exporte insgesamt um 0,6 Prozent, doch die Ausfuhren in die EU legten um 2,5 Prozent zu. Drittländer bremsten (USA −7,9 Prozent, China −7,3 Prozent). Der RWI/ISL-Containerumschlag zeigte für Juli ein Plus von 2,2 Prozent und signalisiert gegen Quartalsende wieder etwas mehr Dynamik. Die Außenhandelsbilanz blieb mit +14,7 Mrd. € robust. Der stärkere Euro (1,1685 $/€) wirkt in den USA allerdings leicht dämpfend. Insgesamt: Q3 neutral bis leicht negativ, in Q4 leichte Impulse.
Hochfrequenz und Preise: keine Rezession, aber zäher Pfad
Der wöchentliche Aktivitätsindex lag in den 13 Wochen bis 7. September um 0,1 Prozent unter den vorangegangenen 13 Wochen – ein Bild der Seitwärtsbewegung. Auf der Preisfront dämpfen rückläufige Erzeugerpreise (−1,5 Prozent im Juli) und nur moderat steigende Großhandelspreise (+0,5 Prozent) den Kostendruck – ein wichtiger Baustein für die Bodenbildung.
Risiken und Chancen
Abwärtsrisiken dominieren weiterhin: Nachfrageschwäche in den USA und China, Investitionszurückhaltung, erneute Stimmungsdellen. Aufwärtsüberraschungen sind möglich, falls die Energiepreise weiter sinken, europaweite Nachfrage schneller anzieht und Lagerzyklen früher drehen.
Methodik (kurz erklärt)
Die Prognose beruht auf einem „Bridge-/Nowcasting“-Ansatz: Monats- und Hochfrequenzdaten (ifo, ZEW, DIW-Barometer, Außenhandel, Containerumschlag, WAI, Verbraucher- und Erzeugerpreise, Energie) werden über Nachfragebausteine (Konsum, Ausrüstungen, Bau, Außenbeitrag) in Quartalsraten des realen BIP übersetzt. Harte Volumina (Außenhandel, WAI) werden höher gewichtet als Stimmungsmaße; die Unsicherheitsbänder reflektieren die Heterogenität der Signale und die noch lückenhafte Sept.-/Okt.-Datenlage.
