Der Mittelstand ist gerade in einer Lage, in der jede falsche Entscheidung doppelt kostet: erst als Investition, dann als Verzögerung. Wer zu früh auf ein Modepferd springt, verbrennt Budget. Wer zu spät reagiert, verliert Geschwindigkeit – und damit Marktanteile. In diesem Spannungsfeld positioniert Benjamin Springub die KOMI Group im Smarter-Service-Talk zur KOMI Zukunftswerkstatt als Übersetzer zwischen Technik und Betrieb. Nicht mit Visionstheater, sondern mit einem Versprechen, das in süddeutschen Unternehmen als härteste Währung gilt: Anschlussfähigkeit.
„Unsere DNA als KOMI Group liegt im Mittelstand. Wir wissen, was Mittelstand treibt und sprechen daher die gleiche Sprache“, sagt Springub. Der Satz ist weniger Identitätsprosa als eine ökonomische Ansage: Wer die Sprache der Entscheider spricht, verkürzt Reibungsverluste – und genau die sind im Digitalumbau die teuerste Position.
Impulse, die in den Alltag passen
Springub redet nicht über „Transformation“ als moralischen Imperativ, sondern über das, was morgens um halb neun in der Realität anliegt: Was passiert gerade in IT und Digitalisierung – und welche Folgen hat das für Security, Arbeitsorganisation und Infrastruktur? „Impulse heißt: verstehen, was derzeit in IT und Digitalisierung passiert, vor allem bei Cybersecurity und KI, und daraus Orientierung für den Mittelstand ableiten“, sagt er. Diese Orientierung ist kein neues Leitbild, sondern ein Satz klarer Handgriffe: „Wie setze ich beispielsweise Copilot ordentlich ein, wie unterstützt mich Copilot dabei, mit Agents zu agieren.“
Der interessante Dreh kommt danach: KI wird nicht als Software-Feature behandelt, sondern als Druckwelle, die bis in den Maschinenraum reicht. Springub nennt explizit „Hardware, Server-Infrastrukturen, WLAN“ – also genau jene Schichten, die in vielen Betrieben noch als erledigt gelten, bis sie plötzlich zum Engpass werden. Wer KI nur als Lizenzfrage diskutiert, investiert womöglich am Flaschenhals vorbei.
Investieren, wenn es nicht rund läuft
Springub setzt auf das, was viele im Mittelstand als Überlebenskunst kennen: nicht einfrieren, wenn der Wind dreht, sondern investieren. „Insbesondere in Zeiten, wo es vielleicht gerade nicht so läuft, zu investieren. Das ist jetzt die Zeit, das zu tun“, sagt er. Aber eben nicht als Blindflug, sondern als Selektion: „die richtigen Entscheidungen zu treffen und nicht auf jedes Pferd aufzuspringen“.
Hier dockt die Zukunftswerkstatt als Format an: Sie soll Sortierhilfe leisten – nicht durch Hochglanz, sondern durch Vorführbarkeit. Im Programm wird das als Verbindung von Denken und Handeln beschrieben: Im Zukunftsforum entstehen „Impulse, Perspektiven und Strategien“, in der Lösungswerkstatt werden „Innovation, Technologie und praxisnahe Umsetzung erlebbar“.
Managed Services: Entlastung, die sich rechnen muss
Springub begründet Managed IT nicht mit Sparlogik, sondern mit einer Kapazitätsrechnung. „Viele Mittelständler haben gar nicht die Kapazität, vom Know-how, vom Skill, die Bandbreite zu bedienen, weil der Markt bewegt sich viel zu schnell“, sagt er. Der betriebswirtschaftliche Effekt ist eine Verschiebung von Lasten: operative IT-Komplexität dorthin, wo sie beherrscht wird – und im Unternehmen selbst mehr Luft für das Kerngeschäft. „Mit dem richtigen Partner das in die richtigen Hände geben, um dann sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.“
Das ist der Punkt, an dem Managed Services im Mittelstand tatsächlich zur Wachstumsfrage werden:
- Planbarkeit statt Dauerbrand: Wenn Patch-, Release- und Security-Themen nicht mehr als Feuerwehrbetrieb laufen, sinkt die Störanfälligkeit des Tagesgeschäfts.
- Zugang zu Breite und Tiefe: Ein Betrieb mit 80 oder 250 Mitarbeitenden kann nicht jede Sicherheits- und Infrastrukturkompetenz vorhalten, braucht sie aber trotzdem – spätestens beim nächsten Vorfall.
- Tempo: Wer Sicherheitslagen, Toolwechsel und Compliance-Anforderungen nur „nebenher“ abarbeitet, verliert Wochen, während andere schon umgestellt haben.
Springub macht aus IT keine Reparaturabteilung, sondern eine Wachstumsbedingung. „Dieses sich so schnell drehende IT-Thema zu bewältigen und nach vorne Wachstum zu generieren, das ist mein Pitch.“
Zielkorridor 50 bis 500: das operative Deutschland
Springub wird bei der Zielgruppe eindeutig: Medientechnik ohne Größenlimit, vom kleinen Raum bis zur LED-Wall. Managed IT dagegen „ganz klar“ für Unternehmen „zwischen 50 und 500 Mitarbeitenden“ – jene Betriebsgröße, in der IT schon geschäftskritisch ist, aber Spezialteams noch die Ausnahme sind.
Und dann kommt der Satz, der in vielen Betrieben unfreiwillig als Stellenbeschreibung gilt: Oft gebe es „gar keinen IT-Fachansprechpartner“, sondern „jemanden, der IT mitmacht. Du warst früher gut in Physik, deswegen bist du unser ITler.“ Das ist humorvoll erzählt, aber betriebswirtschaftlich bitter: Verantwortung ohne Redundanz, Betrieb ohne Sicherheitsnetz.
Corona als Katalysator: Der Besprechungsraum wird zur Schaltzentrale
Springub beschreibt den Boom der Präsentations- und Medientechnik nicht als Lifestyle-Trend, sondern als Beschleunigung durch zwei Ereignisse, die wie Turbolader wirkten: Schule und Pandemie. „Corona, insbesondere im schulischen Bereich, hat für einen sehr großen Push gesorgt. Digitalpakt Schule hat hier sehr, sehr gut funktioniert. Jetzt wird das revitalisiert“, sagt er. Parallel dazu habe Corona in den Unternehmen den Imperativ gesetzt, virtuelle Zusammenarbeit nicht irgendwie, sondern sauber und stabil hinzubekommen.
Damit wird der Besprechungsraum zur Produktivitätsmaschine – oder zum Produktivitätsleck. Jeder kennt die Symptome: „es klappt nicht, es kommt jemand nicht rein“. Das sei oft kein Anwenderfehler, sondern ein Systemfehler – „Technik von Raum zu Raum unterschiedlich“, keiner wisse „was passiert“, Geräte „verschwinden“, weil sie „in einen anderen Raum getragen werden“. Corona habe das Bedürfnis verstärkt, hybride Zusammenarbeit „so aufzustellen, dass es perfekt funktioniert“.
Springub denkt Räume nicht als Einkaufsliste, sondern als System. „Das fängt im Design der Räume an.“ Wer einfach zehn Screens bestellt, baue keinen Entscheidungsraum, sondern nur eine Kulisse. Entscheidend seien Akustik, Blickachsen, eine Bedienlogik ohne Stolperdrähte – und die Gleichberechtigung der Zugeschalteten. „Eine professionelle Audio-Video-Konferenz-Technik ist der Schlüssel – räumlich getrennt, aber trotzdem alle da.“
Der Netzwerkbus: Service als Vorraum zur Werkstatt
Zur Zukunftswerkstatt gehört auch ein Detail, das viel über das Selbstverständnis verrät: der KOMI-Netzwerkbus. Die Idee kam „aus der Mitarbeiterschaft“, erzählt Springub. Anreise als Hürde – gerade aus dem Münchner Raum – werde durch einen Bus entschärft, der Kunden einsammelt, versorgt und Zeit zurückgibt. Im Bus könne man „netzwerken“, aber auch „arbeiten, telefonieren“. Der Bus ist damit mehr als Logistik: ein rollender Vorraum, der Begegnung vorzieht und die Schwelle senkt, vor Ort ins Gespräch zu kommen. „Das ist unser Ansinnen im Sinne von Service“, sagt Springub.
In einer Netzwerkökonomie zähle genau das: Wert entstehe nicht nur am Inhalt, sondern an der Reduktion von Transaktionskosten – Zeit, Wege, Unsicherheit.
Werkstatt statt Messe: Live-Hacking, Copilot, Praxis
Die Lösungswerkstatt ist der Ort, an dem die Orientierung ihre Erdung bekommt. „Hier wird es ein bisschen anfassbarer“, sagt Springub: „Live-Hacking“, Copilot-Praxis mit Alexander Eggers. Der entscheidende Satz fällt nebenbei, ist aber die eigentliche Programmatik: „Das eine ist, über Security zu sprechen, das andere ist, gib mir doch mal ein Beispiel, was passiert da.“ Auch im offiziellen Programmtext wird die Lösungswerkstatt als Raum beschrieben, in dem Technologien „live“ gezeigt werden – von „Cybersicherheit und Managed Services“ über „Cloud-Architekturen“ bis zur „modernen Präsentationstechnik“.
Der Mittelstand braucht weniger Trend – und mehr Entscheidungskraft
Die KOMI-Zukunftswerkstatt setzt darauf, dass der Mittelstand nicht belehrt, sondern entlastet werden will: durch Klarheit, durch Partner, durch Beispiele. Springub adressiert genau die Unternehmer, die keine Ausreden mehr verwalten, sondern Handlungsfähigkeit suchen: Austausch mit „Gleichgesinnten“ und Partnern, „die mir ganz klar erklären können, was ich machen kann“.
Digitalisierung sei nicht mehr die Frage nach Tools, sondern nach Betriebsfähigkeit, resümiert Springub. Wer Cybersecurity, KI und hybride Arbeit nur als Projekt betrachtet, wird von der Realität als Dauerzustand überholt. Stuttgart ist in diesem Format weniger Bühne als Werkbank – und das ist, in diesen Zeiten, die erwachsenere Idee.
