Die Medienbranche hat ein Problem, das sich nicht mehr mit besseren Überschriften lösen lässt: Inhalte sind nicht knapp, Aufmerksamkeit schon. Druckauflagen sinken, das Werbegeschäft schwankt im Takt der Konjunktur, und über allem hängt der Plattformdruck – Gatekeeper, die Reichweite zuteilen, Preise diktieren und Kundendaten einsammeln. Wer heute noch glaubt, Medien seien primär ein Content-Geschäft, verwechselt Schaufenster mit Ladenkasse.
Genau deshalb ist KI keine nette Effizienzidee für Redaktionen, sondern eine ökonomische Zäsur: Sie verschiebt die Kostenkurve, sie verschiebt die Macht über Distribution – und sie verschiebt die Logik der Wertschöpfung vom Artikel zur Architektur. Wer KI wirklich ernst nimmt, muss sein Geschäftsmodell wie Software denken: skalierbar, datengetrieben, modular. Oder er wird zum Zulieferer in einer Plattformökonomie, die den größten Teil der Marge woanders verbucht.
DuMont ist ein bemerkenswertes Gegenmodell. Eines der ältesten Familienunternehmen Deutschlands – über 400 Jahre alt – und ausgerechnet ein Kandidat für die modernste Medienwette: die Transformation zur AI Company. DuMont hat sich vom klassischen Verlag zur Gruppe von Medien- und Technologieunternehmen entwickelt, breit diversifiziert in Regionalmedien, B2B-Informationen und Marketing Technology. Entscheidend ist dabei nicht die Story, sondern die Bilanzlogik dahinter: Mehr als 75 % des Ergebnisses stammen bereits aus digitalen Geschäften. Das ist keine Kosmetik, das ist ein Strukturbruch.
Der neue Kern: Technologie- und Datenkompetenz statt nur publizistischer Exzellenz
Die KI-Ökonomie belohnt nicht die einzelne brillante Idee, sondern die Fähigkeit, sie millionenfach sauber auszuspielen: mit Personalisierung, automatisierter Vermarktung, prognosebasierten Entscheidungen, integrierten Workflows. Das ist die stille Revolution: Medien werden zu Systemen, nicht zu Ausgaben.
DuMont formuliert dieses Ziel radikal operativ: Bis Ende 2026 sollen 50 % aller Prozesse KI-gestützt sein. KI übernimmt Routine; Menschen sollen sich auf das konzentrieren, was Wettbewerbsvorteile erzeugt: Kundenbeziehungen, Markenführung, Kreativität, neue Nutzererlebnisse. Das ist die zentrale ökonomische Pointe: KI wird nicht als Ersatz verkauft, sondern als Hebel zur Reallokation knapper menschlicher Aufmerksamkeit auf hochmargige Tätigkeiten.
Damit verschiebt sich auch die Medien-Kennzahlenlogik. Früher dominierten Reichweite und Auflage; heute zählen Bindung (Retention), Conversion, Churn-Reduktion, Customer Lifetime Value – und die Fähigkeit, diese Größen datenbasiert zu steuern. Wenn DuMont von stärkerer Abonnentenbindung, schnellerem Prototyping und höheren Conversion-Rates spricht, dann ist das keine „Digitalstory“, sondern die harte Sprache der Unit Economics: bessere Produkt-Markt-Passung, weniger Streuverlust, mehr wiederkehrender Ertrag. Finale Version Die-Zukunftsmach…
DuMont AIssist, Academy, Talent Community: KI-Transformation ist eine Skill- und Kulturwette
Viele Medienhäuser starten KI dort, wo sie am wenigsten weh tut: bei Texten, Bildern, Zusammenfassungen. Das bringt sofort Output – aber selten Betrieb. DuMont setzt sichtbar auf einen anderen Ansatz: (Re-)Skilling als Programm, nicht als Nebenprodukt. Eine AI Academy und Experimentierformate treiben Kompetenzaufbau von Prompt Engineering bis KI-Ethik; in einer Talent Community lernen Führungskräfte und Talente, KI strategisch einzusetzen. Und mit „DuMont AIssist“ bündelt die Organisation zentrale Anwendungen: Textgenerierung, Datenanalyse, Bildproduktion, Workflow-Automatisierung – nahtlos integriert in bestehende Systeme. Das klingt nach Infrastruktur, und genau das ist der Punkt: Wer KI skaliert, baut ein internes Betriebssystem. Finale Version Die-Zukunftsmach…
Ökonomisch ist das der Unterschied zwischen „Wir sparen Zeit“ und „Wir gewinnen Geschwindigkeit als strukturellen Vorteil“. KI macht nicht nur günstiger – sie macht schneller. Und Geschwindigkeit ist im Medienmarkt eine Währung: schneller testen, schneller lernen, schneller iterieren, schneller monetarisieren.
Der Doppelansatz: Kerngeschäft optimieren – und parallel KI-native Plattformen bauen
DuMont verfolgt – strategisch klug – einen Doppelansatz:
Optimierung der Kerngeschäfte: automatisierte Workflows, KI-gestützte Vermarktung, personalisierte Kundenerlebnisse, Abo- und Umsatzprognosen, Automatisierung in Finance & HR. Das ist der „Payday“-Pfad: Effizienz, Präzision, Prozessqualität. Finale Version Die-Zukunftsmach…
Aufbau neuer AI-First-Plattformen: etwa Entirely, ein offenes Ökosystem, das führende Marketing-Technologien vernetzt und Unternehmen ein integriertes System für individuelle Marketing-Anforderungen bietet – KI als Kern von Beginn an. Das ist der Wachstums-Pfad: neue Produkte, neue Märkte, neue Wertschöpfung.
Dieser zweite Pfad ist in der Medienbranche selten – weil er Mut zur Kannibalisierung voraussetzt. Plattformen sind nicht „ein neues Digitalprojekt“, sondern ein anderes Spiel: Netzwerkeffekte, Partnerlogik, API-Denken, Datenprodukte. Wer hier gewinnt, nimmt nicht nur Marge mit – er setzt Standards.
Top, Flop – und die wichtigste Lektion: Einfachheit schlägt Over-Engineering
Spannend ist, wie unromantisch DuMont die Lernkurve beschreibt:
Top: KI-Funktionen in marktfähigen Produkten – von etablierten Medienmarken bis zur Plattform Entirely. Das ist entscheidend, weil es KI aus der Kostenstelle in die Erlöslogik zieht. Finale Version Die-Zukunftsmach…
Flop: erste Versuche mit zu komplexen AI-Workflows. Die Erkenntnis ist fast schon banal – und gerade deshalb wertvoll: Einfachheit schlägt Over-Engineering. In KI-Projekten ist Komplexität der schnellste Weg in den Skalierungstod: zu viele Abhängigkeiten, zu fragile Datenpfade, zu viel Wartung, zu wenig Nutzen.
Die eigentliche Hürde heißt nicht Modell, sondern Führung
Der härteste Teil dieser Reise ist nicht technischer Natur. DuMont macht das ungewöhnlich klar und gibt dem Wandel ein starkes Wort. COO Oliver Eckert spricht von „Transzendenz“ – der bewussten Überschreitung gewohnter Grenzen. Das ist Management-Sprache, aber mit operativem Kern: Führungskräfte sollen als Möglichmacher agieren, Agilität fördern und KI nicht nur „verstehen“, sondern führen – wie einen verlässlichen Kollegen, der Hand in Hand mit Mitarbeitenden arbeitet.
Das ist die entscheidende Pointe für die Medienbranche insgesamt: KI ist kein Tool-Thema. KI ist Organisationsdesign. Wer KI einführt, verändert Entscheidungslogik, Rollenprofile, Qualitätsmaßstäbe, Governance – und die Kultur der Verantwortung. Und genau daran scheitern die meisten: nicht am Modell, sondern am Mut zur neuen Betriebssystem-Logik.
- Oliver Eckert, COO DuMont
- Jonas Rashedi, CDO Falke
- Bernhardt Lüddecke, Director Validation Global Kautex
- Daniel Jungbluth, CTO Scheidt & Bachmann
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