Zur IFAT 2026, die vom 4. bis 7. Mai in München stattfindet, fordert die Green Monday Initiative, organisiert vom Smarter-Service-Institut, eine neue politische Priorität für Kreislaufwirtschaft. Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie darf nicht als Ressortpapier verwaltet werden. Sie braucht eine verbindliche Umsetzungsstruktur im Kanzleramt, messbare Ziele für Beschaffung, Bau, Wasserwirtschaft und Industrie sowie eine ressortübergreifende Steuerung.
Die IFAT in München beschäftigt sich mit Wasser, Recycling und Circularity. Genau darin liegt der politische Auftrag: Kreislaufwirtschaft ist keine Spezialdisziplin der Abfallpolitik. Sie entscheidet über Rohstoffsicherheit, industrielle Wettbewerbsfähigkeit, Wasser-Resilienz, kommunale Infrastruktur und den Umbau des Gebäudesektors.
Prof. Dr. Henning Wilts vom Wuppertal Institut hat die institutionelle Schwäche auf den Punkt gebracht: Kreislaufwirtschaft gehöre nicht in eine „Abteilung 17c“ des Umweltministeriums. Deutschland könne Entsorgung. Eine zirkuläre Ökonomie entstehe daraus noch lange nicht. Die Green Monday Initiative greift diese Diagnose auf und fordert: Kreislaufwirtschaft muss als Modernisierungsprogramm für den Wirtschaftsstandort behandelt werden.
Die IFAT zeigt: Kreislaufwirtschaft ist auch Wasserpolitik
Mit der neuen EU-Kommunalabwasserrichtlinie steigt der Handlungsdruck in der Wasserwirtschaft deutlich. Die Richtlinie ist am 1. Januar 2025 in Kraft getreten und muss bis spätestens 31. Juli 2027 in nationales Recht umgesetzt werden. Sie verpflichtet große Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten zur Einführung einer vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen. Kleinere Anlagen können nach Risikobewertung ebenfalls betroffen sein.
Damit wird die Wasseraufbereitung zu einem Kernfeld der Kreislaufwirtschaft. Abwasser enthält Schadstoffe, Nährstoffe, Energie, Wärme und verwertbare Ressourcen. Kläranlagen entwickeln sich zu Ressourcenstandorten. Die Umsetzung der EU-Richtlinie darf daher nicht als reine Investitionspflicht der Kommunen behandelt werden. Sie braucht eine Industrie-, Innovations- und Finanzierungspolitik, die technische Modernisierung, Ressourcenschutz und Verursacherprinzip zusammenführt.
Die Green Monday Initiative fordert einen nationalen Ausbauplan für die vierte Reinigungsstufe, klare Prioritäten nach Gewässerrisiko, eine faire Kostenverteilung über erweiterte Herstellerverantwortung und Investitionssicherheit für Kommunen, Anlagenbauer und Betreiber.
Präzision und Überwachung statt Chemikalienblindflug
Ein Praxisbeispiel für den technischen Fortschritt in der Wasseraufbereitung liefert Lutz-Jesco. Das Unternehmen präsentiert in München die Schlauchpumpenserie PERIDOS FXM für die Förderung aggressiver Chemikalien in der industriellen Wasseraufbereitung. Die Pumpen sind für Medien wie Salzsäure zur pH-Wert-Absenkung, Natriumhypochlorit zur Desinfektion und Eisen(III)-Chlorid zur Entfernung von Phosphaten und Trübstoffen ausgelegt. Die Modelle decken Förderleistungen von 2,8 bis 840 Litern pro Stunde ab. Das Turndown-Verhältnis liegt nach Unternehmensangaben bei 5000:1. Die Modelle FXM 2 und FXM 3 können mit einem Flow Verification Sensor kombiniert werden, der Fördermengen überwacht und Abweichungen im Prozess sichtbar macht. Wasseraufbereitung braucht Sensorik, Dosiergenauigkeit, Leckageerkennung, planbare Instandhaltung und digitale Nachvollziehbarkeit. Wer Ressourcen schützen will, muss auch die Prozessqualität in den Anlagen verbessern.
Wiederverwendung steuerlich belohnen
Wilhelm Mauss, Geschäftsführer der Lorenz GmbH & Co. KG, zeigt im Mittelstand, dass Kreislaufwirtschaft betriebswirtschaftlich funktioniert. Lorenz führt Wasserzähler und Komponenten systematisch in den Kreislauf zurück. Beim Green Monday Update forderte Mauss einen reduzierten oder vollständig gestrichenen Mehrwertsteuersatz für Produkte mit nachgewiesener Wiederverwendung. „Wer Produkte im Kreislauf hält, sollte steuerlich entlastet werden – idealerweise durch einen reduzierten oder vollständig gestrichenen Mehrwertsteuersatz“, so Mauss.
Die Green Monday Initiative unterstützt diesen Vorstoß. Wiederverwendung muss steuerlich besser gestellt werden als der lineare Neuverkauf. Wer Produkte repariert, aufbereitet, erneut in Verkehr bringt und Materialkreisläufe schließt, darf im Markt nicht schlechter behandelt werden als Anbieter neuer Primärware.
Der Bausektor bleibt der größte Hebel
Der Gebäudesektor bleibt der zentrale Prüfstein der Kreislaufpolitik. Er steht für erhebliche Treibhausgasemissionen, Rohstoffentnahmen und Abfallmengen. In Deutschland gehen rund 50 Prozent der Rohstoffentnahmen in den Bausektor; Bauaktivitäten verursachen mehr als die Hälfte des Abfallaufkommens. Hochwertig recycelte Materialien fließen bislang nur in geringem Umfang in den Gebäudesektor zurück.
Die Ursachen sind bekannt: Ausschreibungen bevorzugen den niedrigsten Preis, Normen schließen Rezyklate aus, Haftungs- und Gewährleistungsfragen bleiben ungelöst, Planungsbüros verfügen über zu wenig Praxiserfahrung mit Rückbaustoffen, Versicherbarkeit und Bewertung gebrauchter Materialien sind unzureichend geregelt.
Die Green Monday Initiative fordert daher, Bau, Wasser und industrielle Wiederverwendung gemeinsam zu denken. Zirkuläres Bauen, zirkuläre Wasserinfrastruktur und wiederverwendungsfähige Produkte brauchen dieselben Voraussetzungen: verlässliche Daten, klare Standards, neue Vergabekriterien, Versicherbarkeit und politische Koordination.
Forderungskatalog der Green Monday Initiative zur IFAT 2026
1. Kreislaufwirtschaft im Kanzleramt verankern
Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie braucht eine Umsetzungsarchitektur auf höchster politischer Ebene. Die Green Monday Initiative fordert eine ressortübergreifende Steuerung im Kanzleramt mit verbindlichen Zuständigkeiten für Wirtschaft, Bau, Umwelt, Finanzen, Verkehr, Forschung und Kommunen.
Kreislaufwirtschaft darf nicht als nachgelagerte Entsorgungsfrage behandelt werden. Sie ist Standortpolitik, Rohstoffpolitik, Industriepolitik und Infrastrukturpolitik.
2. Öffentliche Beschaffung zirkulär verpflichten
Bund, Länder und Kommunen müssen Wiederverwendung, Reparierbarkeit, Recyclingfähigkeit, CO₂-Fußabdruck und Ressourceneffizienz verbindlich in Ausschreibungen aufnehmen.
Der Zuschlag darf nicht länger am billigsten Neuprodukt hängen. Wiederverwendung und Wiederverwertung müssen zu bewerteten Zuschlagskriterien werden.
3. Nullsteuersatz oder reduzierte Mehrwertsteuer für Wiederverwendung einführen
Produkte mit nachgewiesener Wiederverwendung, zertifizierter Aufbereitung oder dokumentierter Komponentenrückführung sollen steuerlich entlastet werden.
Die Green Monday Initiative fordert einen Nullsteuersatz als Zielmodell und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz als ersten Umsetzungsschritt. Wiederverwendung senkt Materialkosten, stabilisiert Lieferketten und erhält industrielle Wertschöpfung in Deutschland.
4. Vierte Klärstufe strategisch ausbauen
Die Umsetzung der EU-Kommunalabwasserrichtlinie verlangt einen nationalen Ausbaupfad für die vierte Reinigungsstufe. Priorität haben große Kläranlagen ab 150.000 Einwohnerwerten sowie risikorelevante Anlagen in sensiblen Gewässereinzugsgebieten.
Dazu braucht es Investitionsprogramme, Planungsbeschleunigung, technische Standards und eine faire Kostenverteilung. Die erweiterte Herstellerverantwortung für Branchen, die relevante Mikroschadstoffe verursachen, muss konsequent umgesetzt werden.
5. Wasseraufbereitung als Ressourceninfrastruktur behandeln
Kläranlagen und industrielle Wasseraufbereitung müssen Teil der Kreislaufwirtschaftsstrategie werden. Die Green Monday Initiative fordert Programme für Phosphorrückgewinnung, Wasserwiederverwendung, Energieeffizienz, Abwärmenutzung, digitale Prozessüberwachung und präzise Chemikaliendosierung.
Wasseraufbereitung ist keine reine Umwelttechnik. Sie ist Infrastruktur für Ressourcenresilienz.
6. Digitale Material- und Produktpässe beschleunigen
Materialpässe für Gebäude, Infrastruktur, technische Anlagen und langlebige Produkte müssen verbindlich eingeführt werden. Ohne Daten über Herkunft, Zusammensetzung, Nutzung, Wartung und Rückbau bleibt Kreislaufwirtschaft Stückwerk.
Für Wasserinfrastruktur bedeutet das: Pumpen, Sensoren, Dosiersysteme, Armaturen, Wasserzähler und Anlagenkomponenten müssen über Lebenszyklusdaten nachvollziehbar werden.
7. Rückgebaute Materialien bilanziell gleichstellen
Gebrauchte Baustoffe, rückgebaute Komponenten und aufbereitete Produkte müssen als Vermögenswerte erfasst werden können. Das NRW-Modell zur Bilanzierung des Ressourcenwerts zirkulärer Baustoffe sollte bundesweit ausgerollt werden.
Das schafft Spielräume für Kommunen, öffentliche Bauherren und Infrastrukturbetreiber, ohne Klimaschutz gegen Haushaltsregeln auszuspielen.
8. Versicherbarkeit und Haftung für Rezyklate klären
Zirkuläre Materialien scheitern oft nicht an der Technik, sondern an Haftungsfragen. Die Green Monday Initiative fordert neue Policen, Bürgschaftsmodelle und Prüfsysteme für rückgebaute Baustoffe, wiederaufbereitete Komponenten und gebrauchte Anlagentechnik.
Ohne Versicherbarkeit bleibt Wiederverwendung ein Pilotprojekt.
9. Normenwesen öffnen
Normen müssen Sicherheit gewährleisten und Innovation ermöglichen. Rezyklate, Recyclingbeton, gebrauchte Bauteile, aufbereitete technische Komponenten und digitale Nachweise brauchen schnellere Zulassungspfade.
Die Green Monday Initiative fordert regulatorische Experimentierräume, Musterzulassungen und standardisierte Qualitätsnachweise.
10. Regionale Kompetenzzentren schaffen
Kommunen, Mittelstand, Planungsbüros, Bauwirtschaft und Wasserbetriebe brauchen praktische Unterstützung. Die Green Monday Initiative fordert regionale Kompetenzzentren für zirkuläres Bauen, Wasseraufbereitung, Wiederverwendung und Vergabepraxis.
Diese Zentren sollen Beratung, Musterverträge, Datenstandards, Schulungen, Materialbörsen und Beschaffungsleitfäden bereitstellen.
11. Mittelstand als Umsetzungspartner stärken
Kreislaufwirtschaft entsteht nicht allein in Konzernstrategien. Sie entsteht in mittelständischen Betrieben, die Produkte zurücknehmen, Komponenten aufbereiten, Anlagen modernisieren und regionale Wertschöpfung sichern.
Beispiele wie Lorenz zeigen, wie Wiederverwendung industrielle Resilienz stärkt. Beispiele wie Lutz-Jesco zeigen, wie technische Prozesssicherheit in der Wasseraufbereitung Ressourcen schont. Die Politik muss solche Lösungen skalierbar machen.
12. Green Monday als Praxislabor nutzen
Die Green Monday Community hat aus Debatten konkrete Blaupausen entwickelt: für zirkuläre Beschaffung, steuerliche Entlastung von Wiederverwendung, digitale Materialpässe, neue Versicherungsmodelle und eine politische Verankerung der Kreislaufwirtschaft auf höchster Ebene.
Diese Vorschläge müssen jetzt in die Umsetzungspolitik der Bundesregierung einfließen. Die IFAT 2026 ist dafür der richtige Ort: Wasser, Recycling und Circular Economy gehören in eine gemeinsame Transformationsagenda.
Deutschland hat eine starke Entsorgungswirtschaft. Was fehlt, ist eine zirkuläre Wirtschaftsordnung.
Die Green Monday Initiative fordert daher eine Kreislaufwirtschaftspolitik, die Wiederverwendung steuerlich belohnt, öffentliche Beschaffung neu ausrichtet, den Bausektor aus der linearen Logik löst, Wasseraufbereitung als Ressourceninfrastruktur behandelt und die Umsetzung der EU-Abwasserrichtlinie als Modernisierungschance nutzt.
