Christine Skropke fordert mehr Praxis in IT-Ausbildung – Ruhr-Universität Bochum als akademischer Spitzenstandort – Sicherheitsökosystem 2030 rückt Personalmanagement in den Fokus

von Team Redaktion
7. Juni 2026

Cybersicherheit muss nach Einschätzung von Christine Skropke, Secunet und Vorstandsmitglied von AFCEA Bonn, deutlich stärker in der beruflichen Ausbildung verankert werden. Deutschland verfüge mit Forschungsstandorten wie der Ruhr-Universität Bochum über exzellente akademische Kompetenz in der Cybersicherheit. Für die praktische Widerstandsfähigkeit von Unternehmen, Verwaltungen, Kommunen und kritischer Infrastruktur brauche es jedoch mehr Fachkräfte für das Tagesgeschäft.

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„Wir brauchen darunter noch eine Ausbildungsebene, nämlich für das Tagesgeschäft“, sagte Skropke im Gespräch auf der AFCEA-Fachausstellung in Bonn. Es gehe um Menschen, die Updates sicher einspielen, Netzwerke im Alltag schützen, Angriffe erkennen und Systeme stabil halten können. Die akademische Ausbildung bleibe wichtig, etwa für neue kryptographische Verfahren. Zugleich müsse Cybersicherheit stärker in die duale Berufsausbildung hinein.

Skropke sprach sich dafür aus, den Ausbildungsberuf Fachinformatiker weiterzuentwickeln. Cybersicherheit sei bereits Bestandteil der Ausbildung, müsse aber praxisnäher und verbindlicher verankert werden. Langfristig könne ein eigener Ausbildungsberuf für Cybersicherheit entstehen. Zuständig wären dabei Ausbildungsbetriebe, Berufsschulen, Industrie- und Handelskammern, das Bundesinstitut für Berufsbildung und die zuständigen Ministerien.

Der Hinweis hat Bedeutung für die HR-Szene. Personalabteilungen müssten Cybersicherheit künftig stärker als Kompetenz- und Nachwuchsthema behandeln. Gefragt seien nicht allein Spezialisten für Hochsicherheitsumgebungen. Auch Mittelstand, Kliniken, Energieversorger, kommunale IT, Schulen, Logistik und Verwaltung brauchten Beschäftigte, die digitale Systeme praktisch absichern können.

Die Ruhr-Universität Bochum gilt mit dem Horst-Görtz-Institut für IT-Sicherheit und dem Exzellenzcluster CASA als einer der profilierten deutschen Standorte für Cybersicherheitsforschung. Dort werden Themen wie Kryptographie, Netzwerksicherheit, Angriffserkennung, Schwachstellenanalyse und Sicherheit vernetzter Systeme bearbeitet. Skropkes These lautet: Diese akademische Spitze muss stärker in die Fläche wirken.

Das Thema ist Teil der Untersuchung „Sicherheitsökosystem 2030“, die beim Bonner IT-Dialog am 7. und 8. Oktober vorgestellt werden soll. Die Untersuchung fragt, wie Staat, Wirtschaft, Bundeswehr, Kommunen, Betreiber kritischer Infrastruktur, Sicherheitsorganisationen und Bevölkerung in Krisenlagen besser zusammenwirken können. Im bisherigen Verlauf wurden unter anderem Lücken bei Governance, Lagebild, Beschaffung, Zivilschutz und Bevölkerungskommunikation sichtbar.

Skropke fordert in diesem Zusammenhang mehr regelmäßige Übungen, bessere europäische Koordination und sichere Kommunikationswege. Ein einzelner Warntag pro Jahr reiche nicht aus. Abläufe müssten in Bund, Ländern, Regionen und mit der Bevölkerung trainiert werden. Deutschland sei geografisch ein Drehkreuz in Europa und müsse deshalb auch auf europäischer Ebene interoperabler werden.

Für Unternehmen entsteht daraus eine neue Personalaufgabe. Sie müssen wissen, welche digitalen Fähigkeiten sie im Krisenfall benötigen, welche Rollen kritisch sind und welche Kompetenzen aufgebaut werden müssen. Cybersicherheit wird damit zu einem Thema von Ausbildung, Personalentwicklung, Recruiting und betrieblicher Resilienz.

Der Bonner IT-Dialog bringt am 7. und 8. Oktober Akteure aus Bundeswehr, Verwaltung, Industrie, Zivilschutz, Technologie und kritischer Infrastruktur zusammen. Die Vorstellung der Untersuchung „Sicherheitsökosystem 2030“ ist für den ersten Veranstaltungstag vorgesehen.

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