Die produktive Transformation — wie aus Digitalisierung endlich Rendite wird

von Bernhard Steimel
28. Juli 2026

Digitalisierung zahlt sich aus. Das haben wir in fünf Studien seit 2018 gezeigt — bis hin zu den Zukunftsmachern, die im Schnitt 22 Prozent produktiver arbeiten als die Breite. Die Frage 2027 ist nicht mehr ob, sondern wie schnell die Kluft zwischen ihnen und dem Rest zur strukturellen Schere wird.

Der Sachverständigenrat prognostiziert 0,5 Prozent Wachstum für 2026. Fuest vom Ifo redet vom Kriechgang. Die Boston Consulting Group hat 2025 nachgerechnet: Sieben von zehn Investitionen in Künstliche Intelligenz erzeugen keinen materiellen Wert. Die IDC beziffert die Schere zwischen Reifegrad-Führenden und Nachzüglern auf den Faktor drei im Ertrag der Investitionen. Deutschland hat kein Erkenntnisproblem. Deutschland hat ein Übersetzungsproblem: Zwischen Investition und Wirkung liegt eine Lücke, die selbst die Bilanzabteilungen nicht mehr sauber vermessen.

70 %  aller KI-Investitionen erzeugen keinen materiellen Wert (Boston Consulting Group, AI at Work 2025). Nur rund ein Drittel der befragten Unternehmen weltweit erzielt mit ihren KI-Investitionen einen erkennbaren wirtschaftlichen Ertrag. Der Rest verpufft in Pilotprojekten, Werkzeug-Beschaffung und unklarer Umsetzungs-Verantwortung.

In unserer Studienreihe „Digitale Vorreiter im Mittelstand“ haben wir seit 2017 immer wieder dasselbe Muster gesehen: Die Digitalisierungs-Gewinner von 2018 sind heute nicht zufällig die KI-Gewinner. Wer damals in Menschen investiert hat, in Datenverantwortung, in klare Führung von oben, erntet heute die zweite Rendite. Wer damals Werkzeuge gekauft hat, kauft heute Werkzeuge. Was empirisch fehlt: die Kausalität aus der Perspektive derjenigen, die es geschafft haben. Nicht das Was der Rendite. Das Wie.

Wie wird aus Digitalisierung endlich messbare Rendite — und was unterscheidet die Reifegrad-Führenden konkret vom Rest?

Unsere Vermutung: Nach acht Jahren Investieren ist die Rendite-Frage die einzige, die 2027 zählt. Nicht ob Digitalisierung wirkt, sondern warum sie bei den einen wirkt und bei den anderen nicht. Künstliche Intelligenz wird dabei zur Zutat, nicht zum Thema. Die produktivsten Mittelständler sind nicht die effizientesten — sie sind diejenigen, die ihre Prozesse zuerst umgebaut haben und dann automatisiert. In dieser Reihenfolge.

Die 6. Welle würde vermessen, was zwischen 2018 und 2027 tatsächlich zu Rendite geworden ist — und welche Muster sich bei den Reifegrad-Führenden strukturell unterscheiden. Aus der Perspektive derjenigen, die es geschafft haben. Und derjenigen, die auf dem Weg sind.

Für den etablierten Weltmarktführer: endlich die harte Zahl hinter dem Bauchgefühl. Für das wachsende Familienunternehmen: der Vergleich zu denen, die den Sprung schon gemacht haben. Für die stillen Aufsteiger: der Handlungsleitfaden, bevor die Investitionsentscheidungen anstehen, die entweder Substanz oder Verzettelung werden.

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