Die deutsche Produktivität stagniert seit 2017. Nicht wegen der Pandemie, nicht wegen des Kriegs, nicht wegen der Energiepreise. Sondern schon davor. Die Zahl ist so unangenehm, dass sie in kaum einer Verbandsrede vorkommt. Aber sie ist da.
Fuest hat es im Juni 2026 auf den Punkt gebracht: Wettbewerbsfähigkeit einer Volkswirtschaft ist an ihrer Produktivität zu messen. Der Sachverständigenrat schreibt im Jahresgutachten 2025/26 dasselbe. Die Wachstumsagenda von Feld, Grimm und Wieland fordert eine Investitionsquote von zehn Prozent im Sondervermögen. Im IMD-Ranking der wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften steht Deutschland auf Platz 19 — hinter den USA, China und einem Dutzend europäischer Nachbarn. Die deutsche Selbstwahrnehmung — Weltmarktführerland, Innovationsstandort, Exportweltmeister — passt nicht mehr zur Datenlage.
Platz 19 für Deutschland im weltweiten Wettbewerbsranking (IMD World Competitiveness Ranking 2024/25) — hinter USA, China und einem Dutzend europäischer Wirtschaftsstandorte. Die BMWi-Wachstumsagenda von Feld, Grimm und Wieland führt die Position auf strukturelle Investitionsschwäche und stagnierende Produktivität zurück.
Was die makroökonomischen Studien nicht beantworten: Wo liegen die Wachstumsreserven auf Unternehmensebene? Nicht ob es sie gibt — dass es Ausnahmen gibt, sieht jeder. Sondern was sie strukturell unterscheidet. Die Bundesbank rechnet ganze Branchen, das IW einzelne Betriebe, die Beratungen einzelne Fallstudien. Was fehlt, ist die Perspektive über mehrere Jahre hinweg, wie sie unsere Studienreihe „Digitale Vorreiter im Mittelstand“ seit 2017 liefert: Was machen die Produktivsten anders — nicht in einem Moment, sondern über eine Dekade?
Was unterscheidet die produktivsten Unternehmen im deutschen Mittelstand von der Breite — strukturell, kulturell, führungsseitig?
Unsere Vermutung: Deutschland hat keine Digitalisierungs-Lücke. Deutschland hat eine Produktivitäts-Lücke. Digitalisierung ist ein Instrument, keine Antwort. Die Produktivsten sind nicht die, die am meisten investieren. Es sind die, die zuerst wissen, wofür sie investieren — und ihre Organisation entsprechend umbauen, bevor sie Technologie draufsetzen. Kultur, Führung, Ambidextrie kommen vor Werkzeugen.
Die 6. Welle würde vermessen, wo im deutschen Mittelstand tatsächlich Performance freigesetzt wird — und welche Führungspraxis, welche Organisationslogik, welche Investitionsentscheidungen dahinterstehen. Aus 60 Tiefeninterviews mit denen, die den Sprung geschafft haben.
Für den etablierten Weltmarktführer: der Vergleichsmaßstab auf Basis der eigenen Wettbewerbsgruppe. Für das wachsende Familienunternehmen: die harten Muster derer, die es schon geschafft haben. Für die stillen Aufsteiger: der Vergleich mit denen, die zehn Jahre voraus sind — bevor man ihre Fehler wiederholt.
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