Analyse verbindet lernende Waffensysteme mit den institutionellen Schwächen der deutschen Sicherheitsarchitektur
Lernende Waffensysteme verändern das Verhältnis von Angriff und Verteidigung. Drohnenschwärme können Ziele selbstständig erfassen, elektronische Gegenmaßnahmen auswerten und ihre Angriffswege noch während des Einsatzes anpassen. Auch Cyberangriffe beginnen häufig lange vor dem sichtbaren Schaden. Angreifer dringen in digitale Netze ein, beobachten Abläufe und warten auf den geeigneten Zeitpunkt. Der Staat muss Gefahren deshalb erkennen, solange sie sich noch entwickeln.
Der Beitrag „Vigilanz vor dem ersten Treffer: Der Staat im Zeitalter lernender Waffen“ untersucht die Folgen dieser Entwicklung für die deutsche Sicherheitsarchitektur. Im Mittelpunkt steht der Begriff der Vigilanz: die Fähigkeit, schwache Signale frühzeitig wahrzunehmen, ihre Bedeutung zu beurteilen und rechtzeitig handlungsfähig zu werden.
Eine wissenschaftliche Grundlage liefert Professor Christian Hummert, Forschungsdirektor der Agentur für Innovation in der Cybersicherheit. In seinem Buchbeitrag „Von Resilienz zu Vigilanz. Über die Verantwortung von Maschinen“ im Band „Risikoanalyse Künstliche Intelligenz“, herausgegeben von Maximilian Wanderwitz, entwickelt er ein vierstufiges Modell: Auf Vigilanz folgen Widerstand, Erholung und Anpassung. Sicherheit beginnt damit nicht erst bei der Abwehr eines Angriffs. Sie beginnt bei der Fähigkeit, eine entstehende Gefahr zu erkennen.
Hummerts Tiefeninterview für die AFCEA-Studie zur deutschen Sicherheitsarchitektur überträgt dieses Modell auf die institutionelle Wirklichkeit. Drohnen erscheinen über kritischen Anlagen. Angreifer positionieren sich unbemerkt in digitalen Netzen. Ausländische Akteure beeinflussen das Vertrauen in demokratische Institutionen. Einzelne Behörden, Betreiber und Sicherheitsorganisationen erfassen jeweils Ausschnitte dieser Vorgänge. Eine gemeinsame Bewertung entsteht häufig zu spät.
Die Analyse verweist daher auf mehr als eine technische Aufgabe. Sensoren, Datenplattformen und Künstliche Intelligenz können Auffälligkeiten erkennen und mögliche Entwicklungen berechnen. Entscheidend bleibt, wer die Hinweise zusammenführt, ihre Relevanz beurteilt und eine rechtmäßige Entscheidung trifft. Ohne geklärte Mandate, eingeübte Verfahren und belastbare Verbindungen zwischen Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und Sicherheitsbehörden bleibt auch die beste Früherkennung folgenlos.
Die Ergebnisse der AFCEA-Studie werden am 7. und 8. Oktober 2026 beim Bonner IT-Dialog im Maritim Hotel Bonn vorgestellt. Die Veranstaltung bringt Fachleute aus Bundeswehr, Behörden, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Im Zentrum steht die Frage, wie Deutschland seine Handlungsfähigkeit gegenüber militärischen, digitalen und hybriden Bedrohungen verbessern kann.
Weitere Informationen und Anmeldung zum Bonner IT-Dialog:
https://www.afcea.de/bonner-it-dialog.html
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