Auf Sieg spielen — was die produktivsten Mittelständler strukturell anders machen

von Bernhard Steimel
18. August 2026

Der BDI hat 2026 eine Redewendung geprägt, die durch alle seine Papiere zieht: play to win, nicht play not to lose. Auf Sieg spielen, nicht auf Nicht-Verlieren. Die Botschaft ist klar. Deutschland verwaltet zu viel, gestaltet zu wenig. Doch wer die Verbandsagenda genau liest, findet vor allem Forderungen an die Politik. Was macht der Mittelstand selbst?

Der Ludwig-Erhard-Gipfel hat mit „Zurück an die Weltspitze“ den Rahmen gesetzt. Die Institute liefern die Diagnose — Produktivitätslücke, Investitionslücke, Innovationsschwäche. Die Verbände liefern Reformforderungen. Was fehlt, ist die empirische Antwort auf eine einfache Frage: Es gibt sie, die Ausnahmen. Was machen die eigentlich anders?

22 %  Produktivitätssteigerung im Schnitt bei den Zukunftsmachern. Zukunftsmacher-Studie 2025 (Smarter Service Institut). Die untersuchten Reifegrad-Führenden erreichen im Schnitt 22 Prozent Produktivitätsvorteil gegenüber vergleichbaren Wettbewerbern in ihrer Branche — bei stärker strukturierter Umsetzung und konsequenter Führung.

In den bisherigen Wellen unserer Studienreihe „Digitale Vorreiter im Mittelstand“ sind sie uns immer wieder begegnet: Familienunternehmer, die trotz Standortnachteilen, Bürokratie und Energiepreisen wachsen. Deren Umsatz steigt, während der Branchendurchschnitt stagniert. Deren Rendite überdurchschnittlich ist, ohne dass sie Preisführer wären. Deren Innovation kontinuierlich läuft, ohne dass sie ein Innovation Lab haben. Die Frage nach dem systematischen Muster hinter diesen Ausnahmen haben wir bisher nicht gestellt.

Was machen die produktivsten Unternehmen im deutschen Mittelstand strukturell anders — und was ist übertragbar?

Unsere Vermutung: Deutschland hat keine Standort-Krise. Deutschland hat eine Führungs-Krise. Wer heute wächst, tut es trotz — und das trotz ist die Studie wert. Die Ausnahmen zeigen den Weg. Nicht weil sie besondere Umstände hätten, sondern weil sie besondere Entscheidungen treffen: schneller, klarer, konsequenter.

Die 6. Welle würde die Ausnahmen strukturell vermessen. Nicht einzelne Erfolgsbeispiele, sondern die wiederkehrenden Muster. Was unterscheidet die Sieg-orientierte Führungspraxis von der Nicht-Verlieren-Verwaltung? Wo entscheiden diese Unternehmen anders? Wie gehen sie mit denselben Herausforderungen um, an denen andere verzweifeln?

Für den etablierten Weltmarktführer: der ehrliche Blick auf die eigene Führungshaltung im Vergleich mit Mitbewerbern. Für das wachsende Familienunternehmen: das Muster derer, die den Sprung gemacht haben. Für die stillen Aufsteiger: die Übersetzung der Sieger-Haltung in konkrete Entscheidungspraxis.

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