Der langsame Staat im Krieg der Dinge

von Gunnar Sohn
31. August 2026

Der Anschlagsversuch von Leipzig/Halle führt vor, wie schnell kleine Fluggeräte eine große Sicherheitsarchitektur prüfen. Sven Weizenegger entwirft im POLITICO-Podcast eine softwaredefinierte Bundeswehr. Das Leitfadeninterview für die Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ und die Sohn@Sohn-Arbeitsfassung „Krieg der Dinge“ zeigen, welche politische Aufgabe daraus erwächst.

Am Flughafen Leipzig/Halle blieb am 4. August ein Sprengsatz stumm. Eine Drohne war in den Sicherheitsbereich eingedrungen und wenige Meter von ukrainischen Antonow-Transportflugzeugen entfernt niedergegangen. Ein Flughafenmitarbeiter brachte das Fluggerät zum Absturz. Die Bundesanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts, eine Sprengstoffexplosion und einen gefährlichen Eingriff in den Luftverkehr versucht zu haben. Die Urheberschaft ist öffentlich noch nicht zweifelsfrei geklärt. Der Zünder versagte. Diese technische Panne übernahm eine Aufgabe, die der Staat hätte erfüllen müssen. Der Vorfall offenbarte nach Einschätzung der Tagesschau massive Lücken in der deutschen Drohnenabwehr.

Die Drohne war klein genug, um übersehen zu werden, und bedeutend genug, um die Republik zu prüfen. Sie fragte weder nach Ressortgrenzen noch nach örtlicher Zuständigkeit. Sie interessierte sich weder für das Trennungsgebot zwischen Polizei und Militär noch für die Geschäftsverteilung einer Landesbehörde. Sie flog durch einen Raum, den Deutschland administrativ fein gegliedert und operativ nur bruchstückhaft verbunden hat.

In dieser Szene steckt das Wesen des kommenden Konflikts. Ein billiges Fluggerät trifft auf eine teure Infrastruktur. Eine seriengefertigte Kamera wird zum Aufklärungsmittel, ein ziviles Funkmodul zum Datenlink, eine Software zur Flugsteuerung, ein Sprengsatz zur strategischen Botschaft. Der Krieg erreicht Deutschland als Geflecht aus handelsüblichen Komponenten, digitalen Befehlen, schwer zuzuordnenden Akteuren und wenigen Minuten Reaktionszeit. Clausewitz’ Friktion hat eine Platine bekommen.

Der Hacker liest den Staat als System

Rixa Fürsen spricht im POLITICO Berlin Playbook mit Sven Weizenegger über diese Verschiebung. Weizenegger leitet den Cyber Innovation Hub der Bundeswehr. Er ist Zivilist und Hacker. Darin liegt eine institutionelle Botschaft. Ein Hacker betrachtet eine Organisation weder als Organigramm noch als Geschäftsordnung. Er sucht Übergänge, Zugänge, Abhängigkeiten, Verzögerungen und Fehler. Er fragt, welches Element mit welchem anderen Element kommuniziert, welche Berechtigung fehlt und an welcher Stelle ein Patch das Verhalten des ganzen Systems verändert.

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Der Cyber Innovation Hub wurde 2017 gegründet, um unkonventionelle Lösungen aus der Truppe aufzunehmen und gemeinsam mit Startups umzusetzen. Nach sechs Monaten soll eine erste Version in den Händen der Soldatinnen und Soldaten liegen. Nach zwölf Monaten soll das Vorhaben abgeschlossen sein oder abgebrochen werden. Zwölf Monate, sagt Weizenegger im Podcast, seien im öffentlichen Sektor „Lichtgeschwindigkeit“. Der Satz klingt komisch, bis man ihn neben die Innovationszyklen der Ukraine legt. Dort verändern Entwickler Drohnen, Software und elektronische Gegenmaßnahmen binnen Wochen. Eine deutsche Lichtgeschwindigkeit erscheint aus dieser Perspektive wie Zeitlupe.

Weizenegger beginnt beim Problem des Anwenders. Der Soldat, der einen Mangel meldet, arbeitet an seiner Lösung mit. Fehlversuche dürfen beendet werden. Erkenntnisse aus gescheiterten Projekten fließen zurück. Diese Arbeitsweise widerspricht der deutschen Neigung, vor dem ersten Feldversuch bereits den dauerhaften Endzustand zu beschreiben. Das Pflichtenheft soll Gewissheit erzeugen. Im Krieg der Dinge veraltet die Gewissheit oft schneller als das Dokument.

Die Ukraine besitzt eine erzwungene Anpassungskultur. Ein neues Störverfahren des Gegners löst eine technische Antwort aus. Eine veränderte Flugroute erzeugt ein Update. Eine erkannte Schwachstelle führt zum Umbau. Die Rückmeldung gelangt direkt vom Einsatzort zu Entwicklern und Herstellern. Deutschland besitzt Forschung, Kapital, Industrie, Startups und qualifizierte Soldaten. Die Übergänge zwischen diesen Kräften verbrauchen Zeit.

Weizenegger nennt den Engpass offen: Seine Projektpipeline ist gefüllt. Rund siebzig Prozent der Unternehmen, die sich in den regelmäßigen Ideation Calls vorstellen, beschäftigen sich nach seiner Schätzung mit Drohnenabwehr, häufig verbunden mit Künstlicher Intelligenz. Das Problem liegt im Weg vom Prototyp zur operativen Nutzung. Im Innovationsjargon heißt dieser Abschnitt „Tal des Todes“. Sicherheitspolitisch handelt es sich um verlorene Handlungsfähigkeit.

Die Drohne ist ein fliegender Systemverbund

Die Sohn@Sohn-Arbeitsfassung „Krieg der Dinge“ gibt dieser Entwicklung einen Namen. Der Begriff beschreibt keinen Aufstand selbstbewusster Maschinen. Er bezeichnet den Bedeutungsgewinn verfügbarer, vernetzbarer, kopierbarer, reparierbarer und rasch veränderbarer Gegenstände. Kameras, Sensoren, Batterien, Funkmodule, Chips, Navigationsverfahren, Softwareupdates, Störsender und gedruckte Ersatzteile treten neben die klassischen Großsysteme. Ihre Wirkung entsteht aus Kombination und Tempo.

Eine Drohne besteht daher sicherheitspolitisch aus weit mehr als einem Flugkörper. Sie ist Sensorträger, Energieplattform, Datenverbindung, Navigationssystem, Softwareobjekt, Verbrauchsmaterial und logistische Aufgabe. Ihre Kamera entdeckt ein Ziel. Ein Algorithmus klassifiziert es. Eine Funkverbindung überträgt Koordinaten. Eine Software führt die Information mit anderen Daten zusammen. Ein Effektor setzt die Entscheidung um. Jede Station kann ausfallen, manipuliert oder gestört werden. Jede Station kann innerhalb weniger Wochen ausgetauscht werden.

Die Debatte über Panzer oder Drohnen verfehlt diesen Zusammenhang. Weizenegger spricht im Podcast vom taktischen Mix. Streitkräfte brauchen weiterhin geschützte Fahrzeuge, Artillerie, Flugabwehr und Soldaten, die Räume erobern und halten können. Drohnen übernehmen Aufklärung, Nachschub, Verwundetentransport, Kommunikation und Wirkung. Software verbindet diese Fähigkeiten. Der Wert eines Systems ergibt sich aus seinem Beitrag zu einer Wirkungskette und aus den Kosten, mit denen es den gewünschten Effekt erzielt.

Damit verschiebt sich die Machtfrage. Besitz bleibt wichtig. Anpassungsfähigkeit entscheidet darüber, wie lange dieser Besitz militärischen Wert behält. Ein kostspieliges System kann durch billige Sensoren entdeckt, durch elektronische Signale markiert und durch preiswerte Wirkmittel bedroht werden. Eine kleine technische Änderung kann eine große Investition entwerten. Wer Updates, Ersatzteile und Gegenmaßnahmen schneller hervorbringt, gewinnt Zeit. Zeit wird zur Gefechtsressource.

Der Krieg der Dinge verlangt deshalb eine neue Form der Souveränität. Deutschland diskutiert gern über nationale Hersteller, europäische Cloud-Angebote und heimische Rechenzentren. Diese Fragen gehören dazu. Schnittstellensouveränität reicht weiter. Sie bezeichnet die Fähigkeit, einen unbekannten Sensor mit einem unbekannten Effektor zu verbinden, Daten unterschiedlicher Herkunft zu bewerten und Software auszutauschen, ohne für jede Verbindung ein neues Großprojekt aufzusetzen.

Weizenegger beschreibt dieses Ziel als „Software Defined Defence“. Klassische Waffen, moderne Sensoren, KI-Anwendungen und unbemannte Systeme sollen über gemeinsame Standards zusammenarbeiten. Hersteller müssten diese Standards einhalten. Dann könnte die Bundeswehr neue Software, Drohnen oder Sensoren in eine vorhandene Architektur aufnehmen. Das Internet wurde über Protokolle groß. Die softwaredefinierte Verteidigung braucht eine vergleichbare Ordnung für Daten, Berechtigungen und Wirkung.

Künstliche Intelligenz sortiert den Nebel

Künstliche Intelligenz erscheint in vielen Debatten als künftiger Maschinenkommandeur. Ihre gegenwärtige militärische Bedeutung ist prosaischer und tiefgreifender. Sie sortiert den Nebel des Krieges. Drohnen liefern Videoströme, Satelliten Bilder, Sensoren Bewegungsdaten, Funkaufklärung Signale, soziale Netzwerke Hinweise und Täuschungen. Der Mensch kann diese Menge unter Zeitdruck kaum vollständig auswerten.

Im Projekt „Smart Lead“ führt eine KI unterschiedliche Datenquellen für einen Offizier im Gefechtsstand zusammen. Das System schlägt drei Handlungsoptionen vor und legt deren Herleitung offen. Der Offizier behält die Entscheidung und erhält eine vorsortierte Lage. Die Nachvollziehbarkeit gehört zur militärischen Funktion. Vertrauen entsteht durch sichtbare Gründe, dokumentierte Unsicherheiten und klare Verantwortlichkeit.

Militärische KI arbeitet unter anderen Bedingungen als ein Sprachmodell im Büro. Der Gegner stört Verbindungen, täuscht Sensoren, manipuliert Daten und greift Software an. Rechenleistung steht im Einsatzraum nur begrenzt zur Verfügung. Viele Modelle müssen lokal arbeiten, weil eine dauerhafte Verbindung zu einem Rechenzentrum ausfällt oder zum Sicherheitsrisiko wird. Rauch, Nebel, Tarnung, wechselnde Perspektiven und beschädigte Sensoren verändern die Daten. Ein Modell, das im Labor überzeugt, kann im Einsatz irren.

Die Arbeitsfassung „Krieg der Dinge“ zieht daraus eine treffende Folgerung: KI macht den Krieg vorerst vor allem datenreicher. Sie erkennt Muster, priorisiert Meldungen, plant Routen, klassifiziert Objekte und bereitet Entscheidungen vor. Die politische Aufgabe liegt in der Übersetzung dieser Daten in verantwortetes Handeln. Robustheitstests, Red Teams, Protokollierung, begrenzte Berechtigungen und Rücknahmeoptionen gehören zur Architektur.

Der Krieg reicht dabei bis in zivile Informationsräume. Weizenegger berichtet von „Image Aware“, einem Projekt zur Auswertung öffentlich zugänglicher Inhalte auf Plattformen wie X und Telegram. KI erkennt, ob Memes, Bilder und Beiträge gegen deutsche Soldaten in Auslandseinsätzen eingesetzt werden. Sie kann Informationskampagnen automatisieren und personalisieren. Der Angreifer spricht Zielgruppen einzeln an, passt Botschaften an ihre Ängste an und verbindet physische Aktionen mit digitaler Deutung.

Die Drohne am Flughafen und die Erzählung über diese Drohne können Teile einer gemeinsamen Operation sein. Ein Fluggerät erzeugt ein Ereignis. Bilder verbreiten es. Falsche Spuren erschweren die Zurechnung. Polarisierende Botschaften greifen das Vertrauen in Behörden an. Der Krieg der Dinge besitzt daher eine materielle und eine semantische Seite. Der Staat muss beides erkennen, ohne jede Störung vorschnell zum feindlichen Angriff zu erklären.

Aus Sensordaten muss Führung entstehen

Im Leitfadeninterview für die Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ beschreibt Weizenegger ein Vorhaben zur Multi-Sensor-Datenfusion in Rostock. Radar, Funkaufklärung, Optik und passive Sensoren sollen Daten „von der See bis zum Weltraum“ in einem gemeinsamen Bild verbinden. Ziel ist ein zeitlicher Vorsprung. Die Lage soll vor dem Ereignis erkennbar werden.

Ein solches Bild erzeugt noch keine Führung. Daten brauchen eine zuständige Stelle, eine rechtliche Bewertung und einen verfügbaren Handlungspfad. Wer klassifiziert eine Drohne als Gefahr? Wer darf ihren Funkverkehr stören? Wer sperrt den Luftraum? Wer entscheidet über einen kinetischen Einsatz? Wer trägt die Verantwortung für Trümmer oder eine Fehlklassifikation? Wer verbindet zivile Betreiber, Polizei, Nachrichtendienste und Bundeswehr?

Leipzig/Halle führt diese Fragen an einem realen Ort zusammen. Der Flughafen ist zivile Verkehrsinfrastruktur, Logistikknoten, Arbeitsplatz, DHL-Drehkreuz und Umschlagplatz für ukrainische Transporte. Eine einzige Drohne berührt Luftverkehrsrecht, Polizeirecht, Strafverfolgung, Nachrichtendienst, Schutz kritischer Infrastruktur und militärische Logistik. Die deutsche Sicherheitsarchitektur verteilt diese Perspektiven auf viele Stellen. Der Angriff verbindet sie in Sekunden.

Die Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ beschreibt diese Schwäche als Verzahnungslücke. Deutschland verfügt über Sensoren, Leitstellen, Warnsysteme, Stäbe und einzelne Lagebilder. Zwischen Erkennen und Handeln fehlen vorbereitete Übergaben. Der Handlungsfähigkeitsindex der Studie erreicht 36 von 100 Punkten. 61 Prozent der Befragten beurteilen die staatliche Handlungsfähigkeit als eingeschränkt, weitere 15 Prozent verneinen sie. Die Zahlen beschreiben weniger einen Mangel an Technik als einen Mangel an Verbindung.

Weizeneggers Formel aus dem POLITICO-Gespräch lautet: Informationsüberlegenheit schafft Führungsüberlegenheit, daraus entsteht Wirkungsüberlegenheit. Die Reihenfolge ist unerbittlich. Ein Laser, ein Störsender oder eine Abfangdrohne kann am Ende der Kette wirken. Ein unvollständiges Lagebild, eine ungeklärte Zuständigkeit oder eine fehlende Freigabe blockiert den gesamten Ablauf.

Deutschland braucht deshalb neben Schnittstellensouveränität eine Zeitsouveränität. Sie bezeichnet die politische Fähigkeit, eine Lage zu erfassen, zu bewerten und rechtmäßig zu beantworten, bevor die Information ihren Wert verliert. Der Gegner operiert parallel: beobachten, täuschen, stören, angreifen, filmen und verbreiten. Behörden arbeiten häufig seriell: melden, weiterleiten, prüfen, abstimmen, freigeben. Diese unterschiedlichen Taktungen erzeugen den gefährlichsten Vorsprung des Angreifers.

Aus dem Versuch muss eine Fähigkeit werden

Der Cyber Innovation Hub kann innerhalb eines Jahres zeigen, dass eine Lösung technisch funktioniert. Danach beginnt die institutionelle Prüfung. Budget, Zulassung, Informationssicherheit, Beschaffung, Ausbildung, Wartung, Haftung und Integration treten hinzu. Ein erfolgreicher Prototyp gerät in einen neuen Zeitmaßstab. Genau dort verlieren viele Innovationen ihre operative Energie.

Der „Krieg der Dinge“ verlangt Beschaffung in mehreren Geschwindigkeiten. Ein Kampfflugzeug folgt einer anderen Logik als eine Bildauswertungssoftware. Ein Kriegsschiff braucht langfristige Planung. Ein Sensorpaket kann in kleinen Losen getestet werden. Software verlangt laufende Updates. Trainingsdrohnen gehören dezentral in die Verbände. Abwehrsysteme müssen gegen wechselnde Angriffsmuster, Funkstörung, Täuschung, Regen, Nebel und Schwärme antreten. Erfolgreiche Versuche brauchen einen vorab bestimmten Weg in die Nutzung.

Weizenegger verweist auf die ukrainische Praxis, Entscheidungen nahe am Problem zu belassen. Die Bundeswehr fördert mit SPARK Cells lokale Einheiten, die operative Schwierigkeiten vor Ort bearbeiten. Dieser Ansatz berührt einen empfindlichen Punkt deutscher Verwaltungsorganisation. Dezentralität funktioniert nur mit klaren Grenzen, verfügbarem Budget und Rückkanälen. Zentralisierung erzeugt Einheitlichkeit und kostet Zeit. Lokale Freiheit beschleunigt das Lernen und braucht gemeinsame Standards.

Ein föderaler Staat kann daraus eine produktive Ordnung entwickeln. Standards sichern Anschlussfähigkeit. Dezentrale Einheiten testen und handeln. Gemeinsame Datenräume verteilen Erkenntnisse. Übungen prüfen das Zusammenspiel. Erfolgreiche Lösungen gelangen über vorbereitete Pfade in andere Regionen und Organisationen. Der Staat muss dafür Fehler als Datenquelle behandeln. Jeder abgebrochene Versuch kann zeigen, welche technische Annahme, Vorschrift oder Zuständigkeit den Einsatz verhindert hat.

So entsteht aus einem Gegenstand eine Fähigkeit: Ein Problem führt zum Test, der Test zur Rückmeldung, die Rückmeldung zur Verbesserung, die Verbesserung zur Beschaffung, die Beschaffung zur Ausbildung, die Ausbildung zur Übung und die Übung zur verlässlichen Handlung. Fehlt ein Übergang, bleibt die Drohne ein Vorführmodell, die KI eine Demonstration und das Lagebild eine leuchtende Karte.

Bonn bringt die getrennten Welten an einen Tisch

Am 7. und 8. Oktober 2026 wird diese Frage beim Bonner IT-Dialog im Maritim Hotel Bonn verhandelt. AFCEA Bonn stellt die Veranstaltung unter das Leitmotiv „Die Resilienz Deutschlands auf dem Prüfstand“. Streitkräfte, Behörden, Länder, Kommunen, BOS, kritische Infrastrukturen, Industrie und Zivilgesellschaft kommen dort zusammen. Diese Zusammensetzung entspricht bereits einer sicherheitspolitischen Aussage: Keine dieser Gruppen kann den Krieg der Dinge allein bewältigen.

Am ersten Veranstaltungstag wird die Studie „Gesamtstaatliches Sicherheitsökosystem 2030“ erstmals veröffentlicht. Sie verdichtet 50 Tiefeninterviews, internationale Vergleiche und Praxisfälle zu 30 Maßnahmen für mehr Handlungsfähigkeit. Wer über Drohnenabwehr, Künstliche Intelligenz und softwaredefinierte Verteidigung spricht, sollte dort auch über Polizeirecht, kommunale Krisenstäbe, Logistik, Krankenhäuser, private Betreiber, Datenfreigaben und Übungen sprechen.

Der Bonner IT-Dialog kann den üblichen Konferenzreflex überwinden, bei dem jede Fachwelt ihre Lösung vorführt und anschließend in ihre Zuständigkeit zurückkehrt. Leipzig/Halle hat gezeigt, welchen Preis diese Trennung besitzt. Der nächste Angriff wird kaum auf einen abgeschlossenen Reformprozess warten. Er wird die vorhandenen Übergänge testen.

Die Drohne von Leipzig/Halle wog wenige Kilogramm. Die Frage, die sie der Bundesrepublik stellte, wiegt schwerer: Wie viel Zeit vergeht zwischen einem unbekannten Signal und einer verantworteten Handlung? An dieser Zeitspanne entscheidet sich künftig staatliche Handlungsfähigkeit. Der Krieg der Dinge gewinnt seine Macht aus kleinen Komponenten. Ein handlungsfähiger Staat antwortet mit kurzen Wegen, offenen Schnittstellen, geübten Entscheidungen und einer Verantwortung, die auch unter digitalem Druck beim Menschen bleibt.

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