Gesundheitsdaten per Smartphone

von Gastautorin/Gastautor
13. März 2014
Gesundheitsdaten per Smartphone. Ein Gastbeitrag von Diethelm Dahms.

Datenschutz-Nachlese vom Mobile World Congress von Diethelm Dahms

Irgendwann, es wird schon noch, sitzen Leute in einem Büro. Sie starren auf eine Reihe Bildschirme, auf denen Bilder und eine Reihe von Zahlen zu sehen sind: Herzfrequenz, Sauerstoffsättigung, Schrittanzahlen, Kalorienverbrauch, Aufenthalsort, Aktivität flimmern über die Monitore.

„Da tut sich wieder was“, zischt der Operator aufgeregt dem Kollegen zu. „Der Puls steigt, die Schrittzahl ist auf 0, die Musik ist mehr als eindeutig.“ Beide grinsen sich vielsagend an: „Schalt mal das Bild und Ton zu“, flüstert der andere zurück, „die beiden sind ja voll in Aktion.“ „Ich glaube, wir sollten den Krankenwagen in die Nähe ordern, bei ihrem Alter.“

Fitness-Tracker waren auf der CES schon der letzte Schrei. Beim MWC legen nun die Mobilfunkprovider nach (das Gear Fit von Samsung oder das Huawei TalkBand B1 Fitness Tracker und Headset). Am weitesten geht wohl Sonys SmartBand. Dieses speichert mit der LifeLog-App, Uhrzeit, Standort und Aktivität (Film schauen, Telefonieren) usw. Aus Sicht des ewig grummelnden Datenschützers sind die Geräte – wie andere Wearables – fraglich. Wie immer, wenn personenbezogene Daten erhoben werden, ergeben sich folgende Fragen:

  • Welche Daten werden verwendet, also erhoben, gespeichert und genutzt?
  • Wozu geschieht das?
  • Wer hat Zugriff auf diese Daten?
  • Wozu geschieht dieser Zugriff?
  • An wen werden diese Daten übermittelt?
  • Wo werden diese Daten noch gespeichert?
  • Wie lange dauert die Speicherung?

Ganz allgemein ist es wie bei jeder Messe, jeder will dabei sein, jeder hat irgendwie ein Gerät geschustert und jeder hat natürlich das beste, schönste und tollste. Bei genauerem Hinsehen bemerkt der geneigte wie der ungeneigte Beobachter, dass die Geräte oft nur mit der Produktlinie des Herstellers funktionieren und dass die Funktionen, die man braucht, gerade bei den anderen Herstellern sind.

Ich fürchte, ich brauche das nicht. Und – Hand aufs Herz – ein Bluetooth-Headset habe ich schon, meine Schritte zähle ich selbst, für den Kalorienverbrauch nutze ich FDH (Friss die Hälfte) und den Puls zähle ich bedarfsweise und habe alles in allem 99 Euro übrig. Wer kommt mit zur Pizzeria?

Sparsamkeit beim Umgang mit Daten ist viel wichtiger als manche meinen. Denn Daten sind eben wie Autobahnen: Wenn sie da sind, werden sie verwendet, von irgendjemandem.

Data-Mining: Mobilfunkprovider können Datenschatz heben

Nominum zeigt auf dem MWC eine Software, mit der sich jede Kundenverbindungen auswerten und gleichzeitig personalisierte Werbung anzeigen lässt. Dazu wertet die Software die DNS-Anfragen des Mobilfunkkunden aus, betreibt also Data Mining in Verbindungsdaten.

Übrigens, Nominum gehört zu den Top-Favoriten des Telecoms.com Industry Award 2014.

DECT – Phablet

Damit es nicht heißt, ich würde nur grummeln. Ein solches Gerät habe ich schon lange gesucht: DECT-Telefon als 6″ Android Home Phablet von Binatone wiederauferstanden. Schade nur, dass es nicht auch GSM-fähig ist. (Ich fürchte ohne grummeln kann ich nicht. Sie werden sich daran gewöhnen müssen.)


Unser Gastautor

Diethelm DahmsDiethelm Dahms ist zertifizierter Datenschutzbeauftragter und Senior Berater für Informationstechnologie und Telekommunikation.

Seit 1999 beschäftigt er sich mit Computer-Telefonie-Integration und Spracherkennung. Im Jahr 2003 begann er freiberuflich zu arbeiten und gründete im Jahr 2008 die Speech & Phone GmbH, ein Beratungsunternehmen für Informationstechnologie und Telekommunikation in Berlin.

Der Diplomökonom hat in diversen Projekten bei Banken, Unternehmen aus Telekom-munikation und IT sowie Anlagenbauern in mehreren Ländern Datenschutzthemen kennengelernt. Er ist Datenschutzbeauftragter (TÜV-zertifiziert) und sein thematischer Schwerpunkt liegt auf Qualitätssicherung.

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