Augmented Reality in der intelligenten Stadt

von Gastautorin/Gastautor 30. Januar 2018
Ein Gastbeitrag von Elisabeth Schloten, ECBM GmbH.

Falls Sie ein modernes Auto mit digitaler Sonderausstattung fahren, kennen Sie Erweiterte Realität, oder Augmented Reality (AR), bereits. Das Head Up Display, das Informationen in Ihre Frontscheibe einblendet, ist genau das. Ein weiteres berühmtes Beispiel ist die virtuelle Monsterjagd Pokémon Go – deutlich billiger als das Auto, und ob es mehr oder weniger nützlich ist, möchte ich nicht beurteilen.

AR projiziert Zusatzinformationen aus einem Computer in Ihre Wahrnehmung der physischen Welt, so dass Sie beides gleichzeitig sehen oder hören und mit beidem interagieren können. Über den virtuellen Teil können Sie den physischen Teil steuern, und andersrum. Warum ist das genial und revolutionär?

Wenn Sie im Auto auf das Navigationssystem gucken, sind Sie darauf fokussiert. Ihr Gehirn muss eine Transferleistung erbringen, um die Darstellung der Navi-Karte auf die physische Welt zu übertragen. Das ist anstrengend, und bei einer komplexen Verkehrssituation kann das schonmal schiefgehen. Wenn Sie aber bei einem französischen Kreisverkehr mit 5 Spuren und 6 Ausfahrten in der Frontscheibe quasi über die Straße gelegt genau angezeigt bekommen, über welche Spuren Sie zur richtigen Ausfahrt kommen, muss Ihr Gehirn keine Transferleistung erbringen, Sie fahren entspannt zur richtigen Ausfahrt.

Das größte Potential entwickelt AR in der Kombination mit dem Internet of Things, IoT. Im IoT sind alle Dinge mit Sensoren und Aktoren ausgestattet, die uns erlauben, von diesen Dingen Informationen in Real Time zu bekommen und sie auch in Real Time elektronisch aus der Ferne zu steuern, teilweise ohne menschlichen Eingriff. Das IoT sorgt für eine unendliche Menge an Daten. Große Industrieanlagen produzieren Terrabytes am Tag. AR kann diese Datenflut in eine für Menschen einfach verständliche Darstellungsweise bringen.

Augmented Reality in der intelligenten Stadt

Mit einem Blick durch eine AR App auf einem Tablet, oder eine AR Brille, kann z.B. der Produktionsleiter die ganze Produktionsstraße nicht nur physisch sehen, sondern sich die wichtigsten Kennzahlen jeder Maschine anzeigen lassen. Wenn eine Kennzahl rot angezeigt wird, kann er darauf klicken und sehen, was das Problem verursacht. Er kann dann mit einem Klick einen Arbeiter dorthin schicken und die Maschine mit einem Kommando anhalten. Der Arbeiter bekommt auf seiner AR Brille Schritt für Schritt angezeigt, was er tun muss, um das Problem zu beheben, und die Maschine per virtuellem Kommando wieder starten. Die virtuellen Kommandos sind extrem relevant für Arbeitsplätze, wo es schwierig oder gefährlich ist, physische Handgriffe auszuführen.

Augmented Reality in der intelligenten Stadt

Die Anzeige relevanter Informationen im Kontext in einem für das menschliche Gehirn einfach zu begreifenden Format ist ein extremer Effizienzgewinn. Einen Produktionsprozess mit AR zu sehen, und die virtuelle Steuerung live zu erleben, war für mich wie eine Erleuchtung.

Was hat das mit Smart City zu tun? Hier einige Anwendungsbeispiele:

  1. Energieverbrauch: Sie gucken durch Ihre Smartphone App auf Ihren Kühlschrank und bekommen den Energieverbrauch und die aktuelle Temperatur in den verschiedenen Bereichen angezeigt, sowie die Kosten, die Ihnen dadurch pro Tag entstehen. Sie fragen „Hey Kühlschrank, wie kann ich Energie sparen?“ und Ihr Smartphone antwortet „Wenn Sie die Temperatur im Kühlschrank um ein Grad erhöhen, sparen Sie x€ pro Jahr ohne negative Auswirkungen auf die Qualität Ihrer Lebensmittel. Wenn Sie die Temperatur um zwei Grad erhöhen, sparen Sie y€, aber Sie können Wurst und Fleisch nicht mehr so lange aufbewahren.“ Sie antworten: „Bitte Temperatur um ein Grad erhöhen“, und der Kühlschrank gehorcht Ihnen aufs Wort.
  2. Tourismus: Sie gehen durch eine fremde Smart City und halten Ihr Smartphone auf ein Restaurant, das nett aussieht. Sie bekommen die Bewertungen und das Preisniveau angezeigt, und sagen „Bitte Tisch für 4 Personen für 20 Uhr reservieren.“

  3. 1. Auf großen Ämtern: Indoor-Navigation mit Anzeige von geschätzten Wartezeiten, mit der Möglichkeit, eine virtuelle Nummer zu ziehen.

Augmented Reality in der intelligenten Stadt

AR hat das Potential, vieles zu ersetzen, was heute per Website oder herkömmlicher App erledigt wird, weil es ein bequemerer Weg ist, Dinge zu tun. Es baut eine Brücke in der Kommunikation zwischen Menschen und Maschinen.

Wenn Sie in Ihrer Smart City eine Tourismus-Anwendung als AR einführen wollen, liegen die Informationen meistens schon vor. Es gibt kaum Restaurants oder Geschäfte, die nicht auf Google registriert sind und dort Bewertungen haben. Die Sehenswürdigkeiten sind in verschiedensten Reiseführern dokumentiert. Für Ihre erste AR Anwendung benötigen Sie also „nur“ Programmierer, die auf AR spezialisiert sind, und diese Informationen in den Kontext einbinden und Nutzern einfach zugänglich machen können.

Im zweiten Schritt können Sie Real Time Informationen aus dem IoT einbinden. Wenn Sie bereits Verkehrsströme messen, kann der Tourist genau erfahren, wie lang die Schlange im Museum an der Kasse ist, bevor er es betritt, oder sein Smartphone auf die Kennzeichnung der Bushaltestelle halten, um zu sehen, dass der nächste Bus genau 1km weit weg ist, noch zwei Haltestellen schaffen muss und voraussichtlich in 6 Minuten da ist. Der Aufwand hierfür ist etwas höher, weil die Vernetzung und das Ausstatten mit Sensorik auch Arbeit in der physischen Welt bedeutet.

AR ist eine Technologie in ihren Anfängen. Die Haupteinsatzgebiete heute sind Pilotprojekte in der Industrie, und Spiele. Sie hat jedoch das Potential, die Art, wie wir mit Informationen umgehen, vollständig zu verändern.

Unsere Gastautorin

Elisabeth Schloten Nach einer erfolgreichen Karriere bei der Unternehmensberatung McKinsey&Company und internationalen Großkonzernen wie Procter & Gamble und Vodafone hat Elisabeth Schloten die ECBM GmbH gegründet. Sie hat strategische und technische Beratungsprojekte durchgeführt, leitende Positionen in Produktentwicklung und Vertrieb innegehabt, sowie IT Projekte und operative IT geleitet. In ihrer letzten Konzernposition bei Vodafone leitete sie den Partnervertrieb für Vodafone Enterprise. 

In ihrer Freizeit bastelt Frau Schloten auch selbst mit Sensoren, Vernetzung und IoT Plattformen herum. Sie hat zwei Söhne, denen sie gerade programmieren beibringt.

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