Trendbook Smarter Manufacturing

Smartifizierung: Aufbau datengetriebener Geschäftsmodelle

von Bernhard Steimel 8. Juli 2020

Grundlage datengetriebener Geschäftsmodelle ist die durchgängige digitale Vernetzung von Produktion, Produkt und Logistik. Dabei werden beispielsweise Gerätedaten wie Temperatur, Vibration und Feuchtigkeit oder Umgebungs- und Positionsdaten erhoben. Sie werden zueinander in Beziehung gesetzt und für Smarte Services eingesetzt, die das Produkt ergänzen – etwa durch komfortable Überwachungsfunktionen.

In der Corona-Krise zeigte sich die Bedeutung der Smartifizierung, da ein Ziel von Datenerhebung das frühzeitige Erkennen von Störungen und Betriebsunterbrechungen ist. Dadurch haben Unternehmen in jeder Situation – auch in Krisen – alle notwendigen Informationen, um Entscheidungen zu treffen und frühzeitig mögliche Risiken zu erkennen.


Fernsteuerung und -kontrolle der Tore zu den Betriebsstätten

Die Seuster KG in Lüdenscheid produziert Schnelllauftore. Sie nutzt ein Onlineportal, mit dem Unternehmen ihre Tore technisch überwachen können – jederzeit und von jedem Ort aus. Sogar die Fernsteuerung ist möglich.


Dabei werden neue digitale Verfahren wie Machine Learning eingesetzt, um auf Basis von Echtzeit-Daten eine Prognose über die weitere Entwicklung abzugeben. Ein wichtiges Einsatzgebiet heißt Predictive Maintenance (vorausschauende Wartung) und wird von vielen Unternehmen getestet oder sogar bereits produktiv eingesetzt.


Baugruben aus der Ferne überwachen

Für die Überwachung von Baugruben im Tiefbau hat das oberbayerische Maschinenbauunternehmen Bauer AG eine vernetzte Spundwand entwickelt. Sie muss nicht mehr regelmäßig vor Ort überprüft werden. Stattdessen senden Kraftmessdosen ihre Daten in die Cloud. Durch die Visualisierung in einem Dashboard und dem Vergleich mit historischen Daten erkennen die Techniker Schwierigkeiten frühzeitig und können rasch eingreifen.


Durch die Auswertung werden Daten zu „Smart Data“. So wird die Fertigung mit Digital Twins – digitalen Repräsentationen von Maschinen oder Werkstücken – überwacht und gesteuert. Zudem ist es möglich, die ermittelten Daten nicht nur für die Verbesserung des eigenen Produkts, sondern auch für die Optimierung der Herstellungsprozesse bei den Kunden einzusetzen.


Baugruben aus der Ferne überwachen

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Das finnische Unternehmen Glaston stellt Maschinen zur Glasverarbeitung her. Es sammelt mit Sensoren Parameter rund um den Herstellungsprozess und ermittelt kleinste Abweichungen, die deutliche Auswirkungen auf die Produktqualität haben. Das Unternehmen stellt alle Daten den Nutzern der Glaston-Maschinen zur Verfügung. Sie erhalten damit eine Wissensdatenbank, die ihnen eine Justierung der Maschinen erlaubt.


Digitale Verfahren ersetzen in vielen Unternehmen Prozesse, die noch traditionell mit Handarbeit und Papierformularen umgesetzt werden müssen, etwa die Ermittlung von Energieverbräuchen.


Abrechnungen durch Vernetzung automatisieren

Die Polygonvatro GmbH aus Olpe saniert Brand- und Wasserschäden. Der Energieverbrauch der Trocknungsgeräte wird für die Abrechnung mit der Gebäudeversicherung präzise erfasst. Vernetzte Strom-Messboxen senden die Daten in die Cloud, so dass die Abrechnung automatisiert erzeugt wird.


In weltweiten Krisen reißen Lieferketten schnell ab, da Produktion und Transport gestört sind. Deshalb ist eine digitalisierte Supply Chain ebenso wichtig wie smarte Produkte und Services. Vernetzte Transportbehälter oder Fahrzeuge erlauben die weltweite Verfolgung und damit eine einfachere Lieferzeitprognose. Sie stärkt das Risikomanagement und hilft bei der Sicherung von Lieferketten in Krisensituationen.

Auch die Absicherung der eigentlichen Produktion und letztlich des gesamten Unternehmens erfordert eine erhöhte Aufmerksamkeit, vor allem in den KRITIS-Branchen. Digitale Infrastrukturen sind anfällig für Cyberkriminalität und müssen deshalb durch Maßnahmen für Cybersecurity und Datensicherheit geschützt werden. Grundsätzlich geht es um Business Continuity, damit die digitalen Prozesse eines Unternehmens in kritischen Situationen arbeitsfähig bleiben.


Das ist ein Auszug aus unserer neuen Studie: Trendbook Smarter Manufacturing – Wie sich die Industrie digital transformiert. Hier geht’s zum Download.

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