Hackathons als Kreativitätsmotor: Neue Ideen von Anwendern

von Bernhard Steimel 3. April 2017

Der Begriff „Internet of Things“ ist schon mindestens 15 Jahre alt, er wird seit der Jahrtausendwende häufig genutzt. Das dahinterstehende Konzept der Ergänzung von Computern durch intelligente und vernetzte Gegenstände stammt vom Anfang der 1990er Jahre. Die ersten vernetzten Nicht-Computer sind im Prinzip sogar noch älter, viele Leute zählen die bereits ab Ende der 60er Jahre eingeführten Geldautomaten zu einer Frühform des Internets der Dinge.

„Wir reden seit 30 Jahren über smarte, vernetzte Dinge und meistens handelt sich dabei um Sachen, die kein Mensch braucht“, kritisiert Sascha Wolter, Senior Manager Connected Home bei der Telekom. „Das Problem: Es wird viel zu selten an den Kunden gedacht – was er haben möchte und was er sinnvoll nutzen kann.“

Ein gutes Beispiel dafür ist der legendäre Internet-Kühlschrank, der bereits ein gutes Vierteljahrhundert alt ist. Doch der Erfolg des vernetzten Kühlschranks lässt auf sich warten, findet Sascha Wolter. Es fehlt häufig schlicht an einer einfachen Antwort auf die simple Frage, Warum sollte ich solch ein Gerät nutzen? Welcher Bedarf wird adressiert ohne neue Probleme zu schaffen? Die Hersteller müssen dringend ihre Strategie ändern und einen echten Nutzen herausstellen, der über die technische Machbarkeit und den vermeindlichen wirtschaftlichen Vorteil hinausgeht.

Die meisten Smart-Home-Lösungen sind noch nicht gut genug für den Massenmarkt, sondern lediglich für Technikfans und „Early Adopters“ geeignet. Diese Situation wird sich nur dann ändern, wenn die Hersteller und Anbieter die Bedürfnisse und Wünsche einer möglichst großen Zahl von Kunden berücksichtigen.

Der Weg dorthin sollte mit „Explore and Learn“ beginnen.

Sascha Wolter: „Es ist sehr wichtig, dass alle mit Services und Produkten befassten Personen sie selbst einsetzen, damit herumspielen, ihre Möglichkeiten und Grenzen ausloten und versuchen, sie auf experimentelle Weise in neuen Kontexten einzusetzen.“

Ein Beispiel: Ein Fenster/Tür-Sensor kann auch in den Briefkasten eingebaut werden, um über die eintreffende Post zu informieren.

Vereinfacht ausgedrückt, müssen Entwickler UND Nutzer die Möglichkeit zu Experimenten haben, um neue Anwendungsbereiche für die Technologie zu erschließen. Darüber hinaus ist es wichtig, auf die Kunden zu hören. Einige von ihnen werden zu Entwicklern, um mit den vorhandenen Systemen ihre Wünsche zu erfüllen. Und manchen gelingen sogar recht innovative Lösungen, deren Übernahme die Services und Produkte eines Unternehmens weiterbringen können. Sie werden dadurch zu „Prosumern“, die nicht nur konsumieren, sondern auch produzieren.

„Es ist für alle Unternehmen empfehlenswert, diese Dinge zu institutionalisieren“, meint Sascha Wolter.

Dazu könnten seiner Meinung nach in einem ersten Schritt die Lösungen und die Software in wesentlichen Teilen als „Open Source“ freigegeben werden, sodass interessierte Anwender nicht vor einer Blackbox stehen, sondern einerseits den Code nachvollziehen können und andererseits ihn ergänzen, erweitern, korrigieren und in andere Projekte einbauen können – im Rahmen der jeweils genutzten Open Source Lizenz.

Der zweite Schritt ist die Veranstaltung von Hackathons und ähnlichen Formaten. Grundsätzlich ist ein Hackathon eine Veranstaltung zur kooperativen Entwicklung von Hardware und Software. Die Entwickler arbeiten dabei beispielsweise ein Wochenende lang an einem Projekt, das vom Veranstalter vorgegeben wird. Das Ziel ist dabei, während der Veranstaltung gemeinsam im Team vorzeigbare Ergebnisse zu produzieren. Ein Nebeneffekt ist das Networking. Die Veranstalter können Kontakte zu Anwendern, Prosumern, Makern und Softwareentwicklern bekommen. Dadurch erhalten Sie interessante Einblicke in die Art und Weise, wie Anwender oder Maker ihre Produkte und Services nutzen und bekommen im Idealfall wertvolle Ideen für die Erweiterung der eigenen Produktpalette.


Sascha Wolter ist Experte für die Planung und Umsetzung von geräteübergreifenden Anwendungen für das Internet der Dinge. Bereits seit 1995 arbeitet er als Berater, Dozent, Sprecher und Autor – mit dem Fokus auf Verständnis, Innovation und Nutzen.

Er engagiert sich als Vorstandsmitglied im Fachausschuss Usability & User Experience der BITKOM und wurde aufgrund seiner Leistungen für die Community mehrmals sowohl als Google Developer Expert (GDE) als auch Microsoft Most Valuable Professional (MVP) ausgezeichnet.

Wenn er nicht gerade neue technische Möglichkeiten für die Deutsche Telekom AG (QIVICON) im Bereich Connected Home erkundet, dann entdeckt er auf ungewöhnliche Weise mit seinen Kindern die Welt.

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